Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 11)
- Language
- German
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— 12 — dessen „NewTheory", die er als ketzerisch mit aller Energie bekämpfte. Zu eben dieser Zeit nahmen zwei Landsmänninnen der Miss Delia Bacon die f derselben entfallenen Waffen gegen Shakespeare auf, um, unabhängig von einander, deren Werk weiter zu führen. Mrs. F. C. Ashmead Windle glaubte die Lösung des Rätsels in einer Geheimschrift gefunden zu haben, die sie in gleicher Weise in den Werken Bacons und Shakespeares entzifferte, und deren Entdeckung sie in einem im Jahre 188 2 85 gedruckten „Berichte an das British Museum" veröffentlichte. Eine auch nur oberflächliche Betrachtung ihres Fundes lässt es erklärlich erscheinen, dass ihre Entdeckung selbst bei den Anhängern der Bacon-Theorie nur äusserst geringe Beachtung fand; vielleicht aber hat dieser Umstand mit, dazu beigetragen, dass sie dem gleichen traurigen Schicksale wie ihre Vorgängerin zum Opfer fiel. Aber noch ehe das von dieser zweiten Märtyrerin begonnene Werk von einem mit kräftigeren Nerven begabten männlichen Genossen weitergeführt wurde, trat schon als dritte Vor-, kämpferin für den neuen Glauben, ausgerüstet mit völlig neuen Waffen, Mrs. H. Po 11 in die Arena.36 Das Beweismaterial, auf Grund dessen sie ihren Feldzüg zu gunsten der Bacon-Theorie unternahm, musste ihr eine bereits von Spedding in dessen Ausgabe von Bacons „Life und.Work" (s. Anm. 8) auszugsweise, wiedergegebene Sammlung einer grossen Zahl von Ausdrücken, Sprichwörtern und Citaten liefern, die man im British Museum in einem Bündel von 50 Folioblättern entdeckt, und in denen man Bacons Schriftzüge zu erkennen geglaubt hatte. Diese Sammlung von Notizen (daher: Promus of Formularies d. h. Vorrat von Redewendungen oder Notizenbuch) nahm nun Frau Pott zum Ausgangspunkte ihrer Beweisführung, die darin gipfelte, dass sich in diesem „Promus" so viele Anklänge an die Shakespeare'schen Dramen fänden, dass kein anderer als Bacon die letzteren, verfasst haben könne.87 Es ist hier nicht der Ort, auf die Einzelheiten der von der Kritik fast einstimmig abgelehnten Ausführungen des über 600 Oktavseiten fassenden Pott'schen Buches einzugehen; es genügt, auf die bereits erwähnte völlig vernichtende Gegenschrift Engels zu verweisen, die durch eine lobende Besprechung des Buches von deutscher Seite38 veranlasst worden war. In einer zwei Jahre darauf von demselben Kritiker an den Herausgeber des Shakespeare - Jahrbuchs gerichteten Briefe (s. Anm. 12) ergänzt er die obigen Ausführungen noch durch das Resultat seiner an Ort und Stelle angestellten Vergleichungen des Promus-Manuskripts mit anderen wohlbeglaubigten Manuskripten Bacons dahin: „Das, was die kranke Mrs. Pott als Promus Bacons und als durchweg von seiner Hand herrührend bezeichnet ha t, ist nicht nur unter sich in der Handschrift stark abweichend und von mindestens drei Schreibern abgefasst, sondern es weicht auch völlig ab von einem absolut echten Manuskrip t B acon' scher Briefe, welche ich zum Vergl eich e hinzuge zogen/ Damit war denn die Potf sche Stütze der Bacon-Theorie einfür allemal abgethan, und sie ist auch nicht zu neuem Leben erweckt worden. Es war auch nur deshalb notwendig, den Standpunkt derselben hier zu skizzieren, weil sie merkwürdiger