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Programm · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 61

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Journal
Programm
Volume
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 61 (sequence 60)
Language
German
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— 61 — Der vielfach aufgestellten Forderung, unfern lateinlehrenden Schulen in der sechsklassigen lateinlosen Realschule einen gemeinsamen Unterbau zu geben, konnte die Königliche Unterrichtsverwaltung, welche grundstürzende Neuerungen abweisen zu sollen glaubte, nicht Folge geben. Dagegen hat sie den Anfang eines solchen Unterbaues auf Ansuchen unseres Magistrats hier in Frankfurt gestattet, und so werden die eine Hälfte unseres städtischen Doppelgymnasiums und unsere beiden städtischen Realgymnasien von Ostern d. I. an eine lateinlose Sexta erhalten und es werden nach und nach ihre 3 unteren Klassen VI. V. IV. genau den Lehrplan der entsprechenden Klassen der lateinlosen Realschule, also auch unserer Schule, befolgen. Daraus erwächst, von allem anderem abgesehen, den Eltern der große Vorteil, die Entscheidung, ob sie für ihre Söhne eine lateinlehrende Schule zu wählen haben, nicht schon beim Eintritt derselben in Sexta treffen zu müssen, sondern dieselbe mindestens 3 Jahre, nach der erfolgten Versetzung in die Tertia, hinausschieben zu können*). Eines aber bleibt auch bei dieser Neuerung bei den Realgymnasien und Gymnasien bestehen, nämlich die sehr große Schwierigkeit, bei ihrer auf neun Jahre berechneten Organisation nach dem sechsten Jahre einen gedeihlichen Abschluß zu erreichen. Die lateinlose Realschule betreibt zwei fremde Sprachen; sie betreibt das Französische mit ausgiebiger Stundenzahl sechs und das Englische drei Jahre und hat redlich zu arbeiten, um in den ihr lehrpanmäßig zu gewiesenen Disziplinen das ihr gesetzte Lehrziel zu erreichen. Das Realgymnasium und Gymnasium lehren in den sechs Jahren drei fremde Sprachen: Das Französische, Lateinische und Englische resp. das Lateinische, Französische und Griechische. Das ist gut für diejenigen, welche den ganzen neunjährigen Kursus durchmachen, aber für diejenigen, die schon nach erfolgter Versetzung in die Obersekunda abgehen, bleiben diese Schulen nach wie vor ungeeignet. Denn man wird doch der neu angeordneten Abschlußprüfung nicht die magische Kraft zuschreiben wollen, die durch das Betreiben von drei fremden Sprachen für Knaben von neun bis fünfzehn Jahren so wesentlich gesteigerten Schwierigkeiten einfach und schmerzlos zu beseitigen. Das kann also den Eltern nicht oft und eindringlich genug gesagt werden, und das ist ganz zweifellos auch die Ansicht unserer obersten Unterrichtsbehörde: Für Knaben, die nicht dem Studium bestimmt sind, ist nicht das Gymnasium, nicht das Realgymnasium, sondern die lateinlose Realschule die geeignetste Bildungsanstalt. Es muß das ausgesprochen werden, wenn man sich auch nicht der Illusion hingiebt, damit die erwünschte Wirkung zu erzielen. Denn es ist eine psychologisch merkwürdige Wahrnehmung, daß selbst sehr gewissenhafte Eltern bei einer so überaus wichtigen Angelegenheit, wie es die Wahl der Schule für ihre Kiuder ist, sich oft nicht von dem wirklichen Interesse ihrer Kinder, sondern von einem falschen Ehrgeiz und der Mode leiten lassen. Auch die zweckmäßigste und glücklichste Schulreform wird daran nichts ändern. Was uns angeht, so haben wir zur Zeit den Umbildungsprozeß in die lateinlehrende Schule, der uns ja von mancher Seite als Forderung nahe gelegt wurde, nicht mitgemacht, und so ist unserer Schule eine Stetigkeit der inneren Entwicklung erhalten geblieben. Wir werden das mannigfache Gute, das die neuen Lehrpläne uns bringen, zum Besten der Jugend dankbar verwerten und sehen mit Vertrauen in die Zukunft. *) Vergl. darüber die sehr lesenswerte Schrift: Die Frankfurter Lehrpläne. Mit einer Einleitung herausgegeben von vr. Karl Reinhardt, Direktor des städtischen Gymnasiums zu Frankfurt a. M. Fcankf. a. M. Moritz Diesterweg 1892.

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