Programm
- Journal
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- Volume
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 46)
- Language
- German
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47 - IV. Chronik. geboren am 3. Mai 1859 — gestorben am 6. Februar 1892. Kmil Ktrauß Von den unsere Schule betreffenden Ereignissen des zu Ende gehenden Schuljahres können wir nicht berichten, ohne an erster Stelle des überaus großen Verlustes zu gedenken, den wir durch den vorzeitigen Tod eines unserer besten und treuesten Kollegen erlitten haben. Am 6. Februar d. I. starb nach einem kaum sechstägigen Krankenlager an der Lungenentzündung der ordentliche Lehrer, Herr Emil Strauß im drei und dreißigsten Lebensjahre. — Er war dahier am 3. Mai 1859 als Sohn des inzwischen verstorbenen Kaufmannes Herrn David Strauß geboren. Von seinem siebenten bis vierzehnten Lebensjahre besuchte er unsere Schule. Hier bethätigte er einen so regen Fleiß und zeigte auf allen Unterrichtsgebieten, insbesondere in der Mathematik und Physik eine so rasche Auffassungskraft und eine so entschiedene Neigung, überall bis zur völligen Klarheit durchzudringen, daß seine Eltern, die ihn ursprünglich zum Kaufmannsstande bestimmt hatten, sich auf den dringenden Rat unseres Mathematikers, des Herrn Oberlehrer Wertheim, entschlossen, ihn studieren zu lassen. Nach Absolvierung der oberen Klassen unseres städtischen Gymnasiums bezog er im Frühjahr 1878 die Universität Berlin. Die damals dort wirkenden hervorragenden Professoren der Mathematik Kummer, Weier st raß und Kronecker und die großen Physiker Helmholtz und Kirchhoff, übten eine solche Anziehungskraft auf ihn aus, daß.er die ganzen vier Studienjahre in Berlin zubrachte. Das Ergebnis der Universitätszeit entsprach denn auch allen guten Erwartungen. In dem ihm seitens der Königlichen wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Berlin am 14. November 1882 xro kaeulwts äoesuäl ausgestellten Zeugnisse wurde er als „ein gründlich ausgebildeter junger Mathematiker" bezeichnet; seine physikalische Arbeit („Uber die wichtigsten Entdeckungen und Arbeite» von Helmholtz") wurde als „eine vorzügliche Leistung" anerkannt; er wurde als „ein sehr klarer Kops" bezeichnet, „der sich über schwierige Probleme der Physik Licht zu verschaffen gewußt hatte, und dem fast alles Positive in dieser Wissenschaft gegenwärtig war." Ostern 1882, noch bevor er die Staatsprüfung bestanden hatte, wurden ihm mit Genehmigung des Königlichen Provinzial - Schulkollegiums an unserer Schule die mathematischen Unterrichtsstunden des damals in den Ruhestand tretenden Kollegen, Herrn vr. Hermann Zirndorfer übertragen. Nachdem er dann von Ostern 1883 bis dahin 1884 seiner Militärpflicht in Göttingen genügt hatte, kehrte er an unsere Schule zurück, an welcher er nach Absolvierung des Probejahres angestellt wurde und bis wenige Tage vor seinem Hinscheiden segensreich wirkte. Emil Strauß gehörte zu den ideal gerichteten, arbeitsfreudigen und schaffensfrohen Naturen, die bei der Erfüllung der selbstgewählten oder überkommenen Aufgaben sich niemals genug thun können. Er ging in seiner praktischen Lehrthätigkeit und bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten hohen Zielen nach. Ein fleißiger, eifriger und geschickter Lehrer strebte er nach völliger Beherrschung des Lehrstoffes und setzte alle Kraft daran, ihn anschaulich und faßlich darzulegen und jedem Einzelnen seiner Schüler zum Verständnis zu bringen. Die Begeisterung für seine Wissenschaft und das eigene Streben überall zum klaren und vollen Erfassen der Sache vorzudringen, verbunden mit dem inneren Bedürfnis, seine Schüler wirksam zu fördern, gaben seinem Unterricht jene anregende, erziehliche Kraft, welche ihm aus dem Einsetzen der ganzen Persönlichkeit des Lehrers erwächst.