Programm
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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- 12 - L. Ist die lotrechte Fallbewegung mit der Achsendrehung der Erde vereinbar? (In der Alberischen Ausgabe I, 154-174.) Salv. Wir können sonach zum vierten Beweisgrundes übergehen, auf welchen wir recht ausführlich einzugehen haben werden, weil er auf diejenige Erfahrung sich stützt^ welche dem größeren Teile der noch übrigen Argumente ihre Beweiskraft verleiht. Aristoteles also behauptet^ das sicherste Argument für die Unbeweglichkeit der Erde sei die Beobachtung, daß senkrecht in die Höhe geschleuderte Körper längs derselben Linie an den nämlichen Ort zurückkehren, von dem aus sie geworfen wurden; und zwar auch dann, wenn die Bewegung sich sehr weit in die Höhe erstreckte. Dies aber könnte nicht der Fall sein, wenn die Erde sich bewegte; denn während der Zeit, wo der geschleuderte Körper, getrennt von der Erde, sich auf- und abwärts bewegt, würde der Ausgangspunkt des geschleuderten Körpers sich infolge der Erdumdrehung ein bedeutendes Stück uach Osten verschoben haben, und beim Niederfallen müßte der Körper um diese Strecke von genannter Stelle entfernt auf die Erde stoßen. Dahin gehört deswegen auch das Argument betreffs der mit einer Kanone in die Höhe geschossenen Kugel, ebenso die von Aristoteles und Ptolemäus ^) verwertete Beobachtung, daß die aus bedeutender Höhe fallenden schweren Körper in gerader und lotrechter Linie aus die Erdoberfläche treffen. — Um nun mit Entwirrung dieser Knoten zu beginnen, frage ich Signore Simplicio: Wenn jemand dem Ptolemäus und Aristoteles in Abrede stellte, daß die frei fallenden schweren Körper in gerader und lotrechter d. h. nach dem Mittelpunkte gerichteter Linie herabkämen, mit welchen Hilfsmitteln würden sie es beweisen? Simpl. Mittels der sinnlichen Wahrnehmung, die uus belehrt, daß jener Turm gerade und lotrecht ist und die uns zeigt, daß jener Stein beim Fall dicht an ihm hinstreicht, ohne auch nur um Haaresbreite nach der einen oder anderen Richtung auszubiegen, und am Fuße des Turmes anlangt, genau unterhalb der Stelle, von welcher er abgelassen wurde. Salv. Wenn aber von ungefähr die Erdkugel sich im Kreise bewegte und demzufolge auch den Turm mit sich trüge, gleichwohl aber die Beobachtung lehrte, daß der fallende Stein dicht an der Linie des Turmes hinstreift, wie müßte dann seine Bewegung beschaffen sein? Simpl. Man müßte in diesem Falle eher sagen „seine Bewegungen". Die eine nämlich wäre diejenige, vermöge deren er von oben nach unten gelangt, eine andere müßte ihm eigen sein, um der Bewegung des Turmes zu folgen. Salv. Seine Bewegung wäre also aus zweien zusammengesetzt, nämlich aus der, mit welcher er dem Turm entlang fortschreitet und aus der, mit welcher er ihm folgt. Aus dieser Zusammensetzung würde sich ergeben, daß der Stein nicht mehr jene einfache gerade und lotrechte, sondern eine schräge und möglicherweise krumme Linie beschriebe. Es waren vorher drei andere, von Aristoteles herrührende Argumente gegen die Erdbewegung zur Sprache gekommen. Diese vermeintlichen Beweise, die sich namentlich gegen die pythagoreische Philosophie richten, sind in der aristotelischen Schrift „Über den Himmel" enthalten. Vgl. vk ocxzlo II, 14. 2) Claudius Ptolemäus, berühmter Astronom, Mathematiker und Geograph, welcher in der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts lebte. In seinem Hauptwerke, dem sogenannten Almagest, welches Jahrhunderte laug als unanfechtbare Autorität auf dem Gebiete der Astronomie galt, versucht er die Bewegungslosigkeit der Erde mit ähnlichen Gründe zu beweisen wie Aristoteles. Nach ihm heißt diejenige Ansicht vom Bau des Weltalls, derzufolge die Erde im Mittelpunkte steht, die übrigen Weltkörper um sie kreisen, das ptolemäische Weltsystem.