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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite 21

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite 21 (sequence 54)
Language
German
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— 21 — und scharfem, kritischem Blick nachstehend, wurde Lehrer und brachte in einer langjährigen, reichgesegneten Lehrthätigkeit beide Richtungen in durchaus selbstständiger Weise zu wirksamem Ausdruck. Hier an unserer Schule fand er den Boden zu solcher Thätigkeit geebnet, vornehmlich durch Heß und Johlson, durch Jost und Creizenach, dessen unmittelbarer Nachfolger er wurde. Wie er mit seiner religiösen Überzeugung voll uud ganz auf dem Boden des Judentums stand, so wurde er ein beredter Verkündiger der ewigen Wahrheiten unserer Religion. Ein bleibendes Denkmal dieser seiner Lehrthätigkeit ist die mit feinem Sinn, pädagogischem Takt und großer Sorgsamkeit gearbeitete, von ihm herausgegebene Schul- und Hausbibel, unstreitig das beste Werk dieser Art. Und wie er zu allen Zeiten die großen Errungenschaften des deutschen Geisteslebens hochhielt, wie er an sich selbst den Segen deutscher Wissenschaft und Bildung erfuhr, so war ihm die Pflege deutscher Bildung in unserer Jugend nicht minder eine Herzens-Angelegenheit. In der Erziehung zur Humanität, in der Bildung und Veredlung des Menschen als Menschen sah er mit Recht die höchste Aufgabe der Schule, und dieser Aufgabe war seine ganze Schulthä'tigkeit gewidmet. So hat er unter uns gewirkt, und es gilt von ihm, was geschrieben steht: „Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, und Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen; in Frieden und Redlichkeit wandelte er vor Gott, und viele hat er von der Sünde zurückgebracht". Zu so treuem, reichem Wirken erneute sich immer die Kraft durch das seltene Glück seiner Häuslichkeit. Er sah seine Kinder heranwachsen und seine Wege wandeln. An der Seite seiner edlen, verständnisvollen Gattin hat er ein hohes Alter erreicht. Wie ein Patriarch stand er im Kreise seiner Kinder und Enkel, die in Liebe und Verehrung zu ihm aufschauten, und die hinwiederum die Freude und das Glück seines Lebens ausmachten. Ein Lebensabend voll reinen Glückes war ihm beschieden; er war ganz seinem Familienkreise und wissenschaftlichen Studien gewidmet. Noch der letzte Morgen seines Lebens war durch solche Studien belebt; „sein Auge war nicht trübe geworden, und seine Lebenssäfte waren nicht geschwunden" — plötzlich war sein Lebensfaden abgeschnitten. Sein Leben und Sterben gemahnt uns an den Mann aus der Urzeit, von dem die Schrift berichtet: „er wandelte mit Gott, und da war er nicht mehr, denn Gott hatte ihn genommen". So ist er von uns geschieden, schmerzlos, ahnungslos, friedlich. Wir aber blicken auf sein Leben mit Dank gegen die Vorsehung für den Segen, der uns durch ihn geworden, wir getrösten uns der Verheißung : „Die Weisen werden leuchten, wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne immer und ewig". So sei Friede mit Dir! Gesegnet war Dein Leben, gesegnet bleibe Dein Andenken! Amen!" Aus dem Schulrat schied am Schluß des Schuljahres 1886/87 Herr Bernhard Schuster; an seine Stelle wurde Herr Victor Ullmann gewählt und von dem Königlichen Provinzial-Schul-Kollegium bestätigt; der Schulrat bestand demnach im Schuljahr 1887/88 aus den Herren: A. Durlacher (Vorsitzender), Philipp Bonn, vr. insä. E. Cohn, I. Ed. Goloschmid, Adolf Doctor, Victor Ullmann, ferner aus den Delegierten des Gemeinde-Vorstandes den Herren Stadtrat Adolf H. Strauß, Joseph Baer und Wilhelm Feist und dem Delegierten des Gemeinde-Ausschusses Herrn Julius Angelheim. Als Aktuar des Schulrats fungierte Herr Rechtsanwalt vr. Riesser.

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