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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite XVIII

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite XVIII (sequence 17)
Language
German
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XVIII Er'fügt aber hinzu: „Jedoch in Sätzen, in denen zwei Nomina als Subjekt und Prädikat mit einander verbunden sind, bezeichnet man immer dasjenige Wort als Subjekt, von dem etwas ausgesagt wird" u. s. w. Dies trägt meiner Ansicht nach durchaus nichts dazu bei, dem Schüler die Auffindung des Subjekts in einem Satze, wie der oben aufgeführte ist, zu erleichtern. Der Schüler, der auf die Frage: von wem wird etwas ausgesagt? cmworten würde-: „von den Seufzern eines gebrochenen Herzens", hätte doch nachgedacht, nur nicht nach der Schablone gearbeitet. Für diejenigen aber, die schon so gut abgerichtet sind, daß sie ohne vieles Nachdenken über den Sinn der Frage, die sie anwenden, doch das Subjekt richtig finden, ist ja jede Fragestellung ganz überflüssig! — Auch für derartige Sätze wird das Ausgehen vom Prädikate der einzig richtige Weg sein. Nur wird man, bevor die Gliederung vorgenommen werden soll, den Schüler über den Inhalt des Satzes in der Weise aufzuklären haben, daß man fragt: Was kann man statt Poesie auch sagen? „Seine Gedichte". Und worin besteht seine Poesie? „In den Seufzern u. s. w." Darnach ist kaum zu fürchten, daß noch ein Fehlgriff in der Auffindung des Prädikats gemacht wird. Ähnlich ist in vielen Fallen zu verfahren, wo das Subjekt ein Sammelname oder ein neutrales Pronomen ist, und überhaupt überall, wo anzunehmen ist, daß der Schüler nicht volle Klarheit über den Inhalt des Satzes hat. Das Prädikat wird am besten ohne jede Fragestellung aufgesucht^), das Subjekt durch die Frage wer oder was? die vor das schon gefundene Prädikat gesetzt wird. 3. Das Attribut. Von vornherein versteht man unter Attribut diejenige Beifügung, die dem Substantiv, bei dem sie steht, eine Eigenschaft beilegt, und m dieser Gestalt tritt es auch im Unterricht zuerst auf. Daß diese Definition viel zu eng gezogen ist, liegt aus der Hand. Attribut wird vielmehr jede Bestimmung des Substantivs genannt, also auch Zahlwörter, Pronomina und nicht minder der Artikel. Denn daß der Artikel als Attribut anzusehen ist, unterliegt gar keinem Zweifel/) und es ist nur zu verwundern, daß dieses von einigen Grammatiken geradezu in Abrede gestellt wird. So z. B. von Gelbe, deutsche Sprachlehre H, 106, der ausdrücklich den Artikel ausschließt und das Attribut auf die Bestimmungen des Substantivs beschränkt wissen will, die eine Eigenschaft desselben angeben. Darf man aber bei dieser Erklärungsweise auch z. B. Grundzahlwörter, hinweisende und unbestimmte Pronomina als Attribute auffassen? Offenbar doch nicht, denn sie geben ja keine Eigenschaft an! Und doch finden wir bei Gelbe II, 107 als Beispiele für zwei Attribute: „begegnet' ihm manch Ritter wert"; ^darnach gingen auf sieben dürre Ähren", — wo außer wert und dürre auch manch und sieben Attribute sein sollen, was ja auch gar nicht zu bestreiten ist. Hier ist also ein Widerspruch. Allerdings ist es durchaus richtig, mit dem Adjektiv als Attribut zu beginnen, denn dies ist dem Kinde, das nach dem gewöhnlichen Lehrgange schon in der Vorschule vom attributiven Adjektiv (als Gegensatz zu dem prädikativen) gehört hat, schon bekannt und bietet den besten Anknüpsungspunkt. Andererseits läßt sich auch nicht in Abrede stellen, daß es im weiteren Fortgange dem Kinde nicht leicht wird, so ganz andersartige „Beifügungen", wie es die Cardinalzahlwörter, unbest. Pronom. u. s. w. sind, mit dem!) Über die Verkehrtheit der gewöhnlich angewandten Fragen vgl. Kern, Zustand und Gegenst. S. 129. 2) Vgl. Krause, hochd. Spracht. S. 51; Bauer, Gramm. § 110; Kern, Grundriß S. 24. — In den bei Bauer gegebenen Beispielen: der reifen Pflaumen, zwei reife Pflaumen würde man das zweite Attribut reifen lieber gestrichen sehen, damit um so deutlicher wird, was mit den Beispielen gesagt werden soll. — Kern betrachtet den Artikel geradezu als Pronomen und sieht ihn dann wie alle Pron. als Attr. an. Daß der Artikel auf dieser Stufe doch als besondere Wortklasse zu nehmen ist, führe ich unten weiter aus, vgl. S. XXI.

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