Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XVI (sequence 15)
- Language
- German
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ZFl Lehre, die Lyon für den Unterricht verwendet wissen will, wäre nur das eine einzuwenden, daß nicht recht abzusehen ist, warum die Schüler auf der unteren und mittleren Stufe mit solchen Distinktionen geplagt werden sollen, die doch nur in den oberen Klassen' volles Verständnis finden werden und interessant gemacht werden können, den Kleinen aber doch nur noch mehr Plage schaffen würden. Denn es ist gar keine Frage, daß für den Unterricht auf der unteren Stufe einzig und allein richtig ist, auch zusammengesetzte Zeiten als eine Verbalform fassen zu lassen^); — warum sollte man nun gar Formen einfacher Zeiten der Kopula zu Liebe zergliedern?! — Sobald man aber so darauf verzichtet, das durch ein Verbum in eiuer einfachen Zeit ausgedrückte Prädikat als aus Prädikativum und Kopula bestehend analysieren zu lassen, wird man von einer Kopula überhaupt nicht mehr sprechen dürfen. In Sätzen wie: „der König ist großmütig", oder:' „die Mühe ist umsonst" muß zwar durch ein genaues Verständnis des Inhalts der Schüler zu voller Klarheit darüber gebracht werden, daß die volle Aussage gebildet wird durch die Worte „ist großmütig", bezw. „ist umsonst" (genau so wie in dem Satze: „die Soldaten kämpften mutig" die volle Aussage „kämpften mutig" ist), aber bei der grammatischen Zergliederung gilt als Prädikat nur „ist", zu dem in dem einen Falle „großmütig" als Prädikats-Nominativ bestimmend hinzutritt, während in dem anderen Falle die adverbiale Bestimmung „umsonst" hinzugesetzt ist. — Der beste Anwalt für die Richtigkeit dieser Auffassung ist Kern selbst in seinen geistvollen Auseinandersetzungen, auf die ich daher verweise. Der Ausdruck Prädikatsnominativ wäre zunächst den Kindern klar zu machen durch Gegenüberstellung des Subjektsnominativs. Dann sind in Beispielen die Verben zu geben, die am häufigsten einen solchen Präd.-Nom. zu sich nehmen (sein, werden, bleiben, heißen, scheinen; dazu später auch andere vgl. Kern, Grundriß d. Satzl. K 29, Anm. 2). Aus einer großen Reihe von Sätzen wird dann festgestellt, daß der Prädikatsnominativ ausgedrückt werden kann: a) durch ein Substantiv oder dessen Vertreter, das Pronomen, d) durch ein Adjektiv oder adjektivisch verwandtes Wort, bezw. eine adjektivisch gebrauchte Wortverbindung. Das Adjektiv als Präd.-Nom. erfordert noch die Bemerkung, daß es in der Regel unverändert ist, und sobald das Adverb den Schülern bekannt ist, sind sie an zahlreichen Beispielen zu üben, dieses den Präd.-Nom. bildende Adjektiv, das seiner Form nach jetzt dem Adverb ganz gleich ist, von dem Adverb zu unterscheiden. Während man früher sagte: Das dem Adjektiv gleichlautende Adverb kann nicht bei der Kopula, sondern nur bei eigentlichen Verben stehen, wird man, wie das auch richtiger ist, vom Satze ausgehen müssen und durch fortgesetztes Erfragenlassen, ob das betr. Wort Präd.-Nom. oder adverbiale Bestimmung ist, die Schüler allmählich so gewandt machen, daß sie ohne Mühe Adjektive von Adverbien unterscheiden können. (Fragestellung: wie beschaffen? bezw. auf welche Weise?) Der Vorwurf aber, den Lyon (Ztschr. I, 89) erhebt, daß nämlich Kern mit seiner Lehre das bei der sogen. Kopula stehende Adjektiv ganz gleichsetze mit dem Adverb, ist, wie eine Vergleichung von Kerns Grundriß Z 29 (siehe auch desselben Verfassers „Leitfaden für den Anfangsunterricht" (Berlin Nicolai 1888) § 136 und 141) ergiebt, vollkommen grundlos. Offenbar um derartigen Mißverständnissen in Zukunft vorzubeugen, hat Kern wohl auch in dem genannten „Leitfaden" § 140 die Bemerkung hinzugefügt: „Zu dem adjektivischen Prädikatsnominativ ist eigentlich ein Substantiv hinzuzudenken. Die Rose ist schön — die Rose ist (eine) schöne (Rose)" u. s. w. Dieser Wink ist für den Unterricht, sobald es gilt, Adjektive von Adverbien unterscheiden zu lehren, sehr nützlich. ') Dafür erklärt sich auch Kern, zur deutschen Satzl. S. 105; Zust. u. Gegenst. S. 4.