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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite XV

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite XV (sequence 14)
Language
German
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XV Schülern recht klar zu machen, daß das Verbum finitum der Träger des Satzes ist, daß ohne ein solches kein Satz möglich ist, daß also jeder Satz mindestens ein Verbum finitum enthalten muß. 1. Prädikat und Subjekt. Daß Prädikat und Subjekt die beiden wesentlichsten Satzteile sind, wird den Schülern in der Regel schon bekannt sein. Dem Lehrgange der meisten Grammatiken zufolge würde nun eine Belehrung darüber zu folgen haben, wie das Präd. und Subj. ausgedrückt werden können. Dies kann ganz kurz abgemacht werden; das Subject wird ausgedrückt: durch ein Substantivum (substant. gebrauchtes Wort); d) durch dessen Vertreter, das Pronomen. Das genügt, und es ist nicht nötig, in 6—7 Fällen alle möglichen Wortarten aufzuzählen, die das Subjekt bilden können (Adjektiv, Adverb, Verb im Jnfin. u. s. w.) Denn diese müssen, als Subjekt verwandt, doch erst ein Substantiv geworden (substantivisch gebraucht) sein, sei es durch oder ohne besondere Vorsetzung des Artikels, und man verspürt dann absolut nichts mehr von dem eigentlichen Wesen der betr. Wortart. Will man über letztere näheren Aufschluß haben, so mag man nach der Zergliederung in Satzteile noch eine Zergliederung nach Wortarten vornehmen und angeben lassen, zu welcher Wortklasse das hier substantivisch gebrauchte Wort von Hause aus gehört. Was das Prädikat anlangt, so liegt die Sache noch einfacher. Nach alter Gewohnheit läßt man als verschiedene Arten des Prädikates unterscheiden: 1) das Verbum, 2) die sogen. Kopula (sein, werden, bleiben, scheinen, heißen) mit einem Adjektiv und 3) mit einem Substantiv. (Das Prädikat soll ausdrücken, was das Ding thut, wie es ist und was es ist). Damit aber kommt man nicht aus; denn was sollen nun die Kinder anfangen mit Sätzen wie: der Sieg ist unser; wir waren unser drei; die Sache ist von Wichtigkeit; es war im Winter; alles ist umsonst; er ist noch da; ihr seid zu bedauern. u. s. w.? Man müßte also, um annähernd vollständig zu sein, noch hinzufügen, — so bei Schultz Z. 127 — daß das Prädikat auch ausgedrückt werden kanu, durch die Kopula und 4) ein Zahlwort, 5) ein Pronomen, 6) ein Adverb, 7) einen adverbialen Ausdruck, 8) einen Infinitiv mit „zu", u. s. w. Das ist ein bißchen viel. Was aber noch schlimmer ist, die Schüler erkennen nicht nur in vielen Fällen erst mit großer Schwierigkeit, ob die genannten Verben denn nun Kopula oder vollständige Prädikate sind, sondern das Auffinden des aus einer Kopula und einem weiteren Gliede bestehenden Prädikats wird ihnen auch an sich im allgemeinen nicht leicht. — Glücklicherweise können wir uns nun diese ganze Umständlichkeit sparen! Von den oben aufgeführten 8 Fällen bleibt nur der erste zu Recht bestehen: das Prädikat ist ein Verb. Fall 2—8 fallen ganz weg, weil es falsch ist, nur das Zeitwort sein (in Verbindung mit einem Prädikatsnomen) Kopula zu nennen. Die Verkehrtheit einer solchen Lehre hat man zwar schon längst erkannt und gerügt^), aber Kerns Verdienst ist es, mit aller Entschiedenheit ihre gänzliche Beseitigung aus den Grammatiken und dem Unterrichte gefordert zu haben"). Von einer Kopula kann man allerdings sprechen, aber dann nur in der Weise, daß man „jedes Prädikat in den Teil zerlegt, welcher den Prädikatsinhalt darstellt (Prädikativum) und in den Teil, welcher die Aussageform enthält (Kopula oder Aussagewort, bezw. Aussagesilbe)". Dann würde in „redest" red das Prädikativum, est die Kopula sein; in „ich bin gekommen" gekommen das Prädikativum, bin die Kopula; in „die Rose ist schön" schön das Prädikativum, ist die Kopula^). Gegen eine solche an sich richtige ^) Z- B. schon Hiecke, der deutsche Unterricht. Leipzig 1842, S. 246 Anm. 2) Kern, zur deutschen Satzlehre S. 64—77 und an vielen anderen Stellen semer Schriften. s) So von Lyon dargestellt in der Zeitschr. sür den deutschen Unterricht I, 88 f. — In einer neuen Austage seines Handbuchs der deutschen Sprache dürfte also Lyon die Kopula nicht bloß auf zusammengesetzte Tempora des verbalen Prädikats beschränken, wie er gethan hat (Z 95).

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