Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9643684-3089722--0924-3090765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 26 - ungeteilten Hochschätzuug durch den Gesundheitszustand des verehrten Kollegen versagt blieb, überbrachte ein sinniges Andenken. Mehr aber als jedes äußere Zeichen der Anerkennung mag Herrn vr. Lehmann der Rückblick auf sein inniges Verhältnis zur Schule und aus seine amtliche Thätigkeit zur Genugthuung gereichen. Niemals hat ein Lehrer so seste und treue Beziehungen zu unserer Schule gehabt, wie Herr vr. Lehmann. Hier haben sein Vater und seine Mutter eine langjährige segensreiche Lehrthätigkeit ausgeübt, hier empfing er selbst die Grundlagen seiner Bildung, und hier hat er, nach Vollendung seiner Universitätsstudien, einundvierzig Jahre lang mit Einsetzung seiner ganzen Kraft und mit immer steigendem Erfolg segensreich gewirkt. Generationen von Schülern und Schülerinnen bewahren ihm ein dankbares Andenken, ungeteilt gehört ihm die Hochachtung und Liebe seiner Kollegen und sein Name bleibt ehrenvoll mit der Geschichte unserer Schule verknüpft. Aus dem Lehrerkollegium schied mit dem Schluß des vorigen Schuljahres, um seiner Militärpflicht zu genügen, der Kandidat des höheren Schulamts Herr Emil Strauß; derselbe wird mit Beginn des nächsten Schuljahres zur vollständigen Absolvierung seines Probejahres wieder in unsere Schule eintreten. An die Schule berufen, zunächst mit provisorischer Anstellung, wurde Herr Hermann Dobriner. Hermann Dobriuer, geb. am 5. November 1857 zu Schmalleningken Reg.-Bezirk Gumbinnen, besuchte seit Ostern 1867 das Realgymnasium aus der Burg zu Königsberg i. Pr., und studierte daselbst nach abgelegtem Abiturienten-Examen von Michaelis 1875 bis Ostern 1880 Mathematik und Physik. Im Februar 1881 bestand er das Examen xro kaeultate äoeeuäl, absolvierte von Michaelis 1881 bis 1882 sein pädagogisches Probejahr an der Friedrichs-Werderschen Ober-Realschule zu Berlin und war an dieser Anstalt als wissenschaftlicher Hilfslehrer thätig, bis er Ostern 1883 einem Rufe an diese Schule solgte. Die Herren vvr. Ferdinand Michel und Max Banner, welche bereits im vorigen Jahre durch Vertretung der Herren vvr. Lehmann und Stern der Schule ersprießliche Dienste geleistet hatten, sind der Schule verblieben; Herr vr. Banner blieb als wissenschaftlicher Hilfslehrer bis zum October, wo er in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium übertrat, Herr vr. Michel begann im April das vorschriftsmäßige Probejahr. Zur Ableistung des Probejahres ist außerdem mit Beginn des Schuljahres Herr vr. Robert Philippson eingetreten. Herr I)r. Bernhard Kuttner wurde zum ordentlichen Lehrer befördert. Einen überaus schmerzlichen Verlust hat die Schule durch den am 11. Februar 1883 erfolgten Tod des ordentlichen Lehrers vr. Ludwig Roeder erfahren. Herr vr. Roeder gehörte seit 1866 unserem Lehrerkollegium an und hat von da an unserer Schule mit musterhafter Pflichttreue und Hingebung gedient, bis ihn im Januar 1880 die Krankheit ergriff, der er nach langem Leiden in seinen: 47. Lebensjahre erlegen ist. Seine Lehrthätigkeit gehörte seit einer Reihe von Jahren ausschließlich der Mädchenschule, und es wird nicht leicht sein, hier für ihn einen Ersatz zu finden. Denn hier gelang ihm das Beste, das uns zu erreichen gegönnt ist: jene Einwirkung, die von der harmonisch gebildeten, edlen Persönlichkeit des Lehrers und Erziehers ausgeht. Eben das ganze Wesen dieses fein gebildeten Mannes, seine Humanität, seine Schlichtheit, Bescheidenheit, Zuverlässigkeit und Treue machten ihn uns allen besonders wert und lassen uns seinen vorzeitigen Heimgang tief beklagen. — Die Beerdigung des Herrn vr. Roeder fand nach seinem letzten Willen in aller Stille statt, aber eine Gedächtnisfeier, zu welcher sich unsere beiden Schulen am 15. Februar in unserem Turnsaale vereinigten, und bei welcher der Unterzeichnete die Gedenkrede hielt, vergegenwärtigte uns, unseren Schülern und Schülerinnen noch einmal das Leben und Wirken des treuen Lehrers, dessen Andenken uns gesegnet bleiben möge! Das Lehrerkollegium besteht gegenwärtig außer dem Direktor — nach der Anciennetät — aus den Herren: Teblse, Louis Müller, Schönhof, Blum, Kunkel, Stix, vr. Epstein, Wertheim, Herz, vr. Brüll, vr. Stern, vr. Steinhard, Heinemann, vr. Mannheimer, Frank,