Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- 10 - im Staatswesen. Nach dem Muster Ludwigs XIV. wurde die „Diplomatie" eingerichtet mit „Legations-Sekretären" und „Attaches", vom „Cabinets-Conseil" wurden durch eine geschulte „Bureaukratie" die einzelnen „Departements" der „Administration" „organisiert"; und als die neue Zeit kam mit ihren Verfassungen oder besser „Constitutionen", da wurde wieder auf gut französisch in den „Parlamenten" über „Civillisten" und „Apanagen" „debattiert", „Amendements" wurden „acceptiert", „Adressen" wurden „votiert" und durch „Deputationen" „präsentiert", „officiell" und „officiös" wurde „dementiert", was vorher ins „Publikum" „lanciert" war. Natürlich konnte der immer mehr aufblühende Handel in dieser Hinsicht nicht zurückbleiben. „En gros" und „en detail" wurden von den „Negocianten" Fremdwörter „importiert". „Offerten" werden jetzt „acceptiert" oder „refüstert", es wird „debitiert" und „creditiert", gütige „Ordres" werden „prompt effektuiert", „Commis" werden „engagiert" und gut oder schlecht „salariert", neue „industrielle Etablissements" suchen gute „Referenzen", an der Börse wird „Z. 1a. kauss" und „Z. 1a, daisss" „speculiert", und schießlich wird „falliert" oder „liquidiert", vielleicht auch „accordiert". Auch in den verschiedenen Künsten machte sich der französische Einfluß außerordentlich geltend. In der Malerei, der Baukunst, der Kupferstecherkunst wimmelt es von französischen Bezeichnungen, selbst die Buchdruckerkunst, diese echt deutsche Erfindung, hat fast alle Kunstausdrücke, wie Lettern, Patrize, Matrize, Imperial, Nonpareil aus dem Französischen entnommen. Dasselbe gilt von dem Büh n enWesen, wo wir auf Schritt und Tritt französischen Ausdrücken begegnen, vom „Parquet" und „Parterre" an über die „Foyers" bis auf die oberste „Gallerie", vom „Souffleur" bis zum „Regisseur", von der „Ouvertüre" bis zum letzten Fallen der „Gardine." Alle diese Wörter haben wir mit liebevoller Sorgfalt bis heute behalten und ihnen noch eine beträchtliche Zahl hinzugefügt. Unsere Zeitungen mit ihren zahllosen, allen ausländischen Blättern entnommenen Wörtern, mit ihren Berichterstattern im Auslande, die zum Uebersetzen dort gebräuchlicher Wörter zu träge sind oder keine Zeit haben, oft genug auch nicht die nötige Kenntnis beider Sprachen besitzen; ferner die zahlreichen Übersetzungen französischer Schriften, die vielfach für Geld und auf Bestellung angefertigt werden, sorgen dafür, daß die Zahl der Fremdwörter bei uns eher wächst als abnimmt. Auch bei den Italienern haben wir Anleihen gemacht und, wie zu erwarten, nicht immer notwendige. Aber viele Wörter, die sich auf die Kunst (Musik und Malerei) beziehen und auf den Handel, haben jhre Herübernahme dem Umstände zu verdanken, daß wir auf diesen Gebieten wirklich zu lernen hatten. Englische Wörter gehören nach Dunger (S. 12) meist erst der Neuzeit an, seitdem wir uns der englischen Sprache mehr zuwenden und den Engländern in Politik und Leben mancherlei entlehnen. Dunger zählt ihrer bereits 148, ohne seine Sammlung als vollständig zu bezeichnen. Noch aus mancher anderen Sprache ist mit der fremden Sache auch der fremde Namen gekommen. Ich erinnere beispielsweise an Kaffee (arabisch), Kork (spanisch), Tabak (indianisch) Husar (ungarisch) u. a. IV. Wir kommen zu der Frage: Welche Fremdwörter können wir entbehren und welche müssen wir dulden? Denn es wird keinem Volke, das sich an dem geistigen Leben