Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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— 3 — hinterrücks, in der Hoffnung dadurch das Reich Israel zu retten, mit So (Sevichos), dem Herrscher über Aegypten, sich in ein Bündniß eingelassen hatte, da sehen wir von Neuem die Heereswogen der Assyrer sich über die Gebiete Israels dahinwälzen. Hosea wird festgenommen und ins Gefängniß geworfen, rasch und fast ohne Schwertstreich stehen die Feinde vor Samaria, das nach fast dreijähriger Belagerung erstürmt und zerstört wurde. Die Bewohner des Landes mußten ins Exil gehen, nach den ihnen angewiesenen Wohnsitzen in Chalach, Chabor, am Flusse Gozan und in den Städten Mediens. So war denn das Reich Israel, dasselbe, welches unter dem Rufe: „Auf, zu Deinen Zelten!" die Einheit des Volkes zerrissen und dessen Macht geschwächt hatte, nach fast zweihundert und sechzigjährigem Bestände untergegangen. Zur traurigen Wahrheit wurde der Propheten warnend Wort, alle Herrlichkeit war geschwunden. Die Thränen, die damals den Gedrückten entströmten, sind spurlos versiegt und haben keinen Dichter gefunden, die Schmerzen und Seufzer, die sich den Gefangenen entrungen, sind leer verhallt, kein Klagelied ertönt über dem Grabe dieses Volkes, die Weggeführten deckt ewige Vergessenheit, sie sind auf- und untergegangen in dem Gewühle der Völker, zu denen sie gelangten, und alle Versuche ihre Spuren aufzufinden sind erfolglos geblieben. An Stelle der ausgewanderten Israeliten wurden fremde Völkerschaften in die eroberten Landestheile verpflanzt, und zwar aus Babel, Cutha, Avva, Hamath und Sepharvaim, welche nach der Hauptbevölkerung Chuthaeer oder nach ihrem Aufenthaltsorte Samaritaner genannt werden. Diese neuen Völkerschaften waren, wie wir aus den Quellenschriften ersehen, aus den verschiedensten Gegenden zusammengeworfen, einander unähnlich in religiösen Vorstellungen und nationalen Sitten. So verehrten die aus Babel Eingewanderten eine Gottheit Succoth-Benoth (Mylitta), den Nergal (Mars) die Chuthaeer, die Bewohner von Hamath den Aschima (Esmun), den Tartak (Atergatis auch Derketo) die Avvim und die von Sepharvaim Eingewanderten verbrannten sogar ihre Kinder den Gottheiten Adramelech und Anamelech (Moloch) zu Ehren. Der Eingewanderten Sprache war eine semitische. Die Verschmelzung dieser ungleichen Volkselemente konnte ohne die Vermischung ihrer geistigen Güter, ihrer historischen Erinnerungen, wie ihrer religiösen Vorstellungen nicht vollzogen werden. Nur eine bis dahin ganz unbekannte religiöse Anschauung, von Allen gemeinsam empfangen und angenommen, war im Stande, die alten Gewohnheiten mit neuem Geiste zu durchhauchen, den herkömmlichen religiösen Uebungen eine gleiche Färbung zu geben. Die Ueberreste des Zehnstämmereiches, die aus zurückgebliebenen Ackerbauern, Winzern und Hirten bestanden — denn der Adel an der Gränze Judäas hat sich gewiß dahin geflüchtet und gewiß mit dazu beigetragen, neue Verbindungen zwischen dem Reiche Inda und den Resten Israels anzubahnen — waren am besten dazu geeignet, mit ihren religiösen Anschauungen und Gewohnheiten, die wohl durch die harten Schicksalsschläge geläutert und gereinigt wurden, vermittlend und einigend auf die verschiedenen fremden Völkerschaften einzuwirken. In jenen Tagen, da ganz Vorderasien von assyrischen Heereswogen überflutet war, konnten auch die Strafreden der Propheten, unter denen gerade der zu Herzen dringende, hinreißende Jesaia der vori*