Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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seitdem Sacharja, der fünfte König aus dem Hause Jehu, den Thron des israelitischen Reiches bestiegen hatte, begann daselbst die allgemeine Zerrissenheit und Auflösung, welche durch unablässige Parteizwiste, nach innen und abschwächende Kämpfe nach außen hervorgerufen, schon lange das Leben des Staates unterwühlt hatte, in den verderblichsten Folgen hervorzubrechen. Wenn wir aus den Schilderungen der Propheten, die mit wehmüthigem Herzen die Gebrechen ihrer Zeit empfunden und mit sinnreicher Rede sie blosgelegt und gegeißelt haben, uns ein Bild von den Zuständen entwerfen wollten, wie sie in dem Zehnstämmereiche von da ab bis zur Vernichtung desselben sich entwickelten, so würde dieses in der That nur lauter düstere Züge bieten. Der bürgerliche Gemeingeist, welcher den Organismus eines Staates belebt und zusammenhält, schwand allmälig dahin, Verrath und Bosheit trugen das Gift der Auflösung immer weiter und tiefer durch alle Kreise des Volkes. Aus dem sich zusehends steigernden religiösen und sittlichen Verfalle, herbeigeführt durch den Götzenmltus des Baal und der Astarte, erzeugte sich die heilloseste Verkehrtheit im Familien- und Staatsleben; Unordnung herrschte in den gesellschaftlichen Einrichtungen, Unsicherheit im öffentlichen Verkehre, Recht und Herkommen wurden mit Füßen getreten, Meineid, Mord, List und Lug nahmen überhand, die Habsucht und Ueppigkeit der Vornehmen rieb die Kräfte des Volkes auf, die königliche Macht verlor immer mehr an Ansehen und Bedeutung, das Schwert bahnte den Weg zum Throne, und der Mörder des Königs wurde gewöhnlich auch sein Nachfolger. Umsonst erhoben die Propheten, das nimmer rastende Gewissen des Volkes, ihre Donnerstimme, als sie Israel auf dem Gipfel seiner Entartung und am Rande seines Verderbens sahen. Ihre Worte, die dem Sturme gleich einherbrausten und wie zuckende Blitze die Finsterniß durchrissen, waren nicht im Stande dem Untergange Einhalt zu thun, der durch die inneren Schäden nur desto schneller und sicherer hereinbrechen sollte. Für die Reiche Vorderasiens und namentlich für Israel waren damals Zeiten schwerer Prüfung gekommen, vom Norden aus den Euphrat- und Tigrisländern und vom Süden aus Aegypten her, denn diese beiden kühnstrebenden Mächte richteten ihre gierigen Blicke und ihre gewaltigen Arme nach den gesegneten Ländern zwischen dem Euphrat und dem Mittelmeere. Israel konnte nur dadurch eine leidige Existenz behaupten und den unvermeidlichen Untergang um ein Weniges hinausschieben, daß es sich je nach dem augenblicklich gebotenen Vortheile, bald an diese, bald an jene Großmacht lehnte und anschloß. i