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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1875-01-01 · 1875 · page 4

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
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— 5 — wie einst das Dessauer Philanthropin, Gesinnungsgenossen aus Nah und Fern zur Förderung der guten Sache mit Erfolg herbeirief. Dem Namen aber sollte auch die Sache entsprechen, denn die Anstalt bezweckte nach ihrem Prospectus nicht geringeres, als „die Veredlung des Menschen im Menschen und die Beförderung seines Glückes". Man ahmte die Einrichtungen des Basedowschen Philanthropin nach in der Methode der Belohnung und Bestrafung, in der Kleidung der Zöglinge, in der Besteuerung der bemittelten Schüler zu Gunsten der armen, in den breiten Schaustellungen der öffentlichen Prüfungen, in den den Geist der Loge athmenden, Tugend- und Menschenliebe verherrlichenden Gesängen bei den Stiftungsfesten. Das Philanthropin bestand schon einige Jahre und blühete eben auf, als Frankfurt in den souverainen Besitz des Fürsten Primas Carl von Dalberg überging. Dalberg hatte das lebhafteste Interesse für das Schulwesen,*) er war in Wirklichkeit ein Philanthrop. Das Vorhandensein eines Philanthropin in seiner Stadt Frankfurt gewährte ihm eine große Genugthuung. Sofort spendete er einen ansehnlichen Jahresbeitrag zu dessen Erhaltung und man kann sich denken, mit welchem Enthusiasmus dieses von den Juden aufgenommen wurde, denen Milde und Güte von Seiten ihrer Herrscher etwas durchaus Ungewohntes war. Dalberg's Büste wurde mit entsprechender Feierlichkeit im Versammlungssaale des Philanthropin aufgestellt und Geisenheimer, der Gründer des Philanthropin, hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, welche Dalberg als einen großen Mann und ein erhabenes Vorbild feierte.^) Die Beziehungen, welche auf diese Weise einzelne aufgeklärte Juden zu dem Fürsten Primas gewannen, wurden bald noch bedeutungsvoller: es ist notorisch, daß sie bei der Abfassung der „Neuen Stättigkeits- und Schutzordnung," welche der Fürst Primas am 30. November 1807 er- *) Um das Frankfurter Schulwesen hat er sich bleibende Verdienste erworben. S. Wedewer, Programm der Selektenschule 1868. Von seinen Schriften handelt eine: „Von Bildung des moralischen Charakters in Schulen" (im deutschen Merkur von 1773) eine andere „von Kunstschulen" (in Schillers Hören 1795.) S. Aug. Krämer, Carl Theodor, Reichsfreyherr von Dalberg. Regensburg 1617. S. 47. **) Die Rede wurde am 22. Februar 1807 gehalten, sie ist gedruckt und wurde von dem Verfasser dem Fürsten Primas überreicht. Hier einige charakteristische Stellen derselben: „Indessen laßt uns einen Theil unserer Dankempfindungen dadurch zu erkennen geben, indem wir bei unserm moralischen Lebenswandel diesen großen Mann zum Vorbilde wählen und durch Handlungen zeigen, daß wir dessen Milde und Gnade nicht ganz unwürdig seien. Die erhabenen Begriffe von Gott, von der Welt, von der Menschenseele, von der Tugend, von den geselligen bürgerlichen Pflichten, die aus Seinen Schriften so deutlich hervorleuchten, und die er noch mehr durch seinen heiligen Wandel beweist, mögen unser Leitfaden sein und wir werden gewiß nie in Gefahr gerathen, irre zu gehen . . . Doch was sind es für Pflichten, die wir tragen? Sind es wohl andere als jene, welche das Moralgesetz der ganzen Menschheit gebeut, und die seitdem es Menschen gab, die Weiseren gelehrt und die Besseren geübt haben. Hinweg mit einem Dasein, das auf Schmetterlingsflügeln zum kurzen Genüsse schwebt und thatenlos vergeht! Der Mensch muß Schönes hervorbringen, wenn er selbst wahre Seligkeit genießen will." Am Schluß ordnet der Redner an, daß zu Anfang jeder Woche die Schule mit einem Lobgesang auf den Fürsten eröffnet werden solle. — Auch Gruner, der Oberlehrer der Musterschule nannte Dalberg: „eine Sonne, die aufheiternd über dem Horizont dieser Anstalt aufging zc." Progr. der Musterschule vom Jahre 1806, S. 5. 55-*) Der Fürst Primas Carl von Dalberg gehörte dem Jlluminaten-Orden an, er fand in dem Inspektor und Oberlehrer des jüdischen Philanthropin vr. Franz Joseph Molitor, einen der katholischen Kirche angehörigen Ordensbruder. Molitor war auch bei der von dem Gründer des Philanthrop!», Geisenheimer, gestifteten Loge zur aufgehenden Morgenröthe, der ersten, deren Mitglieder zum weitaus größten Theile Juden waren und die eben den Kreisen angehörten, welche das Philanthrop!« stützten, thätig.

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