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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1874-01-01 · 1874 · page 61

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089706--0468-3090270
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— 62 — Erlebnisse und Eindrücke seiner Jugendzeit wurden entscheidend für seine ganze Lebensanschauung: hier wurzelte seine Liebe zum Judenthum, dessen unvergänglicher ethischer Inhalt ihm Quelle und Antrieb edlen Wollens und Bollbringens wurde und der in der Form der Spruchweisheit, in welcher er in dem jüdischen Schriftthum auftritt, ihm durch sein ganzes Leben ein reicher Schatz blieb, aus dem sein treues Gedächtniß das gemüthvolle, belehrende Gespräch gern und oft belebte: hier wurzelte seine reine Menschenliebe, der nationale und confessionelle Unterschiede völlig fremd blieben — denn Lessing, dessen Nathan sein Lieblingsbuch war, war ihm nicht minder Lehrer und Prophet wie Jesajas — : hier sein Haß gegen Unduldsamkeit und die Begeisterung, mit der er sein Lebelang jeden Sieg des Humanitätsprincips, wo immer er zum Durchbruch kam, jeden Fortschritt der Wissenschaft begrüßte. Früh schon begann er seine kaufmännische Laufbahn und Niemand wird annehmen, daß die Begründung, das Emporbringen und Erhalten eines so weithin geachteten Hauses ohne rastlose Arbeit, ohne eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Begabung möglich wäre — aber seine Lebensthätigkeit erschöpfte sich keineswegs in den kaufmännischen Geschäften. Er liebte es einen Kreis wissenschaftlicher, idealen Bestrebungen zugewandter Männer in seinem Hause zu versammeln und niemals wohl hat er auf seinen Reisen an einem Orte länger geweilt, ohne die Bekanntschaft eines dort wohnenden Mannes der Wissenschaft gesucht zu haben, sei es zu belehrendem Gedankenaustausch oder um die Wissenschaft in ihrem Vertreter zu ehren. Angeboren war ihm die Neigung zur Wohlthätigkeit. Niemand hat so bereitwillig und mit so anmuthender Freundlichkeit gegeben wie er. Gern vor Allem diente er seiner Vaterstadt, die er von Herzen liebte; es giebt hier — wenn man von Veranstaltungen absieht, die tendenziösen consessionellen Zwecken dienen — kaum eine wohlthätige Anstalt, die er nicht reichlich bedacht hätte; manche sind durch seine hochherzige Betheiligung erst lebensfähig geworden. Insbesondere zählten der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen und die Waisenerziehungsanstalt des israelitischen Frauen-Vereins ihn zu ihren freigebigsten Gönnern. Keine Anstalt stand ihm aber näher als unsere Schule. Er selbst war in den Jahren 1809 und 1810 ihr Schüler und führte ihr nach einander fast alle seine Söhne zu. Wie er selbst in dem Jahre 1840 und 1841, so war später sein Sohn, Herr Leopold B. H. Goldschmidt, jetzt in Paris, Mitglied des Schulraths. Aber nicht diese Beziehungen allein begründeten seine Zuneigung, es war daneben auch der Antheil, den er dieser Schule an dem Aufblühen, an der Bildung und dem Wohlstande der hiesigen jüdischen Gemeinde zuschrieb, es war die stolze Meinung, daß seine Gemeinde es allen andern in Bezug auf Schulen zuvorthun müsse, die seinen Eifer wach erhielten. So war er denn als Mitglied der Gemeindebehörden ihr eifrigster Fürsprecher: für Schulen — das war sein Grundsatz — könne eine Gemeinde nie zu viel thun. Und er selbst war immer geneigt persönlich ihr jedes Opfer zu bringen. Als sein ältester Sohn im Jahre 1838 die Schule verließ, legte er, um den Lehrern seine Dankbarkeit zu beweisen, den Grund zu unserer Wittwen- und Waisenkasse, die unter dem Namen Creizenachstiftung ein Segen für unsere Schule geworden ist, deren Verwaltung er bis zu seinem Tode angehörte, die er bei jeder sich darbietenden Gelegenheit und auch noch in seinem Testamente reichlich bedacht hat. Er hat sich dadurch ein großes Verdienst um unsere Schule erworben, in welcher ihm für die Dauer das ehrenvollste, dankbarste Andenken gesichert bleibt. Im Jahre 1858 gründete er mit einem Grundkapital von fünfzigtausend Gulden die seinen Namen tragende Stipendienstiftung, welche „die Unterstützung befähigter und würdiger junger Leute jüdischer Religion zur Vorbereitung und Ausbildung für einen wissenschaftlichen oder technischen

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