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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 6

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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— 7 - Nein, dieser mein dem Schöpfer ähnlich erschaffenes Geschlecht entwürdigenden Meinung bin ich nicht! Den Trieb, die Fähigkeit zur Sprache, das Verlangen und die Notwendigkeit derselben hat Gott in unseren Geist gelegt, nicht aber die Sprache selbst. Wird je einer behaupten wollen, Gott habe den Menschen das Essen, Schlafen u. s. w. gelehrt?... Was hat nun den Menschen auf die Erfindung der Sprache geleitet?"... Die Antwort ist: „Das Bedürfuiß war die erste Veranlassung, die jene hohe Fähigkeit bei den Menschen geweckt hat." „Wie nur drückten sich unsere Ureltern aus? Wahrlich eine gewichtige Frage, schwer zu entscheiden und von Niemandem wird sie wohl mit Gewißheit beantwortet werden können. Ich bitte Euch wiederholt, Ihr die Ihr vielleicht spottend auf dies, das Werk eines dreizehnjährigen Schülers herabseht, die Ihr vielleicht über die Verwegenheit zürnet, daß ich bis zn jenem Knoten vordringe, den so viele ausgezeichnete Sprachkundige, so viele scharfsichtige Gelehrte nicht zu lösen vermochten — ich bitte Euch wiederholt, seht in diesem unbedeutenden Versuche nicht mehr, als die Befriedigung meines eigeuen Vergnügens! Nur in der Hoffnung, daß meine geneigten Leser diese Bitte berücksichtigen, getraue ich mich in der Auflösung meiner Fragen fortzufahren. — Zuerst muß ich jetzt die Art und den Geist der Nrweltsprache betrachten. Der Anfang dieser werden wahrscheinlich Ans rufungcn (Juterjectioneu) und Empfindungsausdrücke gewesen sein, welche man ja auch beim Thiere findet; so mögen z.B. die hellen Töne wie e, 1, a, ei, Iia. u. s. w. die freudigen — die tiefen Töne hingegen 0, au, u, 01, ui, Imi die traurigen Gefühle ausgedrückt haben. Gewiß hat man auch schou frühzeitig Naturlaute nachgeahmt, wie das Donnern durch Dorrrrrrr uud dergl. Dann ist man vielleicht einen Schritt weiter gegangen. Man nannte die Dinge nach dem Schalle, den sie hervorbringen, und so giebt es ja auch iu ueucrcu Sprachen solche Anschaunngswörter, wie im Deutschen: Klingel, Donner, Kuh, brummen, zischen und viele andere. Aber bald mußte auch das nicht hinreichend gewesen sein und so war man denn gezwungen, znm Ausdrücken dessen, was man durch einen Schall nicht bezeichnen konnte, der Zeichen sich zn bedienen. Davon mag die Bezeichnung der Zahlen durch Finger, ferner der Körpertheile u. f. w. der Ansang gewesen sein. — Wenn auch eine solche Sprache keine geistreiche Unterhaltung gewähren konnte, so war sie doch bei den wenigen Bedürfnissen und kindischen Kenntnissen der ersten Menschen damals hinreichend, mußte aber natürlich dann auch mit diesen sich vergrößern; ein wiederholtes Bedürfniß nach einer vergrößerten Sprache stellte sich ein. Bis jetzt — es sei mir erlaubt von nun an in der Form der Gewißheit doch wenigstens zu reden — war dieselbe einGemis ch v 0 nZei ch e n - undLaut s p r ache, gewiß aber war diese vorherrschend. Man hatte sich schon gewöhnt, solche Dinge, welche einen Laut von sich geben, nach diesem zu benennen und bald nannte man auch Dinge anderer Art nach dem Eindruck, den sie bei uns hervorbringen: etwas Düsteres mit dunkeln, etwas Freundliches mit hellen Tönen. So im Deutschen schwarz, grau, düster, dunkel, Trauer, und dagegen: hell, licht, schön — und solche Wörter finden sich in allen (Ur- oder Stamm-) Sprachen mehr oder weniger. Aber solche einfache Natnrlaute konnten gewiß nicht lang sein, sondern höchstens aus einem oder zwei Buchstaben bestehen. Solcher Bezeichnungen waren vielleicht: rr, die Kraft, Stärke. (Man vergl. Kraft, stark, Herr, griechisch u. s. w.) So z. B.: H (hebr. ari, aHe, der Löwe als das stärkste Thier, ramstark, mächtig) —11, das Nichts, Leere, lallen (Vergl. los, leer, lassen. Wie in 1 (0) nicht, deli mit Nichten, diltki allein, al nicht) — Zill die Härte, Rauheit, besonders mit r (vergl. Kraft Kerl) z. B. keren Horn (nach der Aussprache der Alten wahrscheinlich Chorn) lat. eoruu, griech. kera., franz. eonie, engl. Korn. Aber auch solche Wörter mußte Adam schon nöthig haben, welche Dinge bezeichneten, die weder

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