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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · page 3

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089696--0155-3089953
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— 4 — Wendungen, Härten oder Weichen bestimmt........Jeder Deutsche, der sein Deutsch schlecht und recht weiß, d. h. ungelehrt, darf sich, nach dem treffenden Ausdruck eines Franzosen, eine selbsteigene lebendige Grammatik nennen und kühnlich alle Sprachmeisterregeln fahren lassen. Gibt es folglich keine Grammatik der einheimischen Sprache für Schulen und Hausbedarf, keinen seichten Auszug der einfachsten und ebendarum wunderbarsten Elemente, deren jedes ein unübersehliches Alter bis auf seine heutige Gestalt zurückgelegt hat, so kann das grammatische Studium kein anderes als ein streng wissenschaftliches und zwar, der verschiedenen Richtung nach, entweder ein philosophisches, kritisches oder historisches sein." Es gibt Dinge, welche, mit so scheinbar überzeugenden Gründen sie auch vertheidigt werden, doch sofort in dem natürlichen Gefühle einen Widerstand finden, der sich vielleicht nicht ebenso schlagfertiger Gründe bewußt ist, aber meistens in der Folge als vollkommen rechtmäßig erkannt wird. So geht es uns auch mit dem angeführten Ausspruche Grimm's. Soll es wirklich keine Grammatik der einheimischen Sprache für Schule und Hausbedarf mehr geben, vielmehr jeder Deutsche sich eine selbstständige, lebendige Grammatik nennen dürfen, und sollen also grammatische Fehler überhaupt nicht mehr zu befürchten fem? Das Leben widerspricht solchen Ergebnissen zu laut, als daß die Schule sich nicht seinen praktischen Forderungen hätte fügen und noch immer wenigstens Einiges von dem hätte lehren müssen, was, nach den Anschauungen Grimm's, nicht nur überflüssig, sondern selbst schädlich und gefährlich wäre. Auch hat die Berechtigung einer anderen von Grimm unterschätzten Seite der Sprachlehre besonders in einigen vortrefflichen Abhandlungen Rudolf von Raumer's ihre Vertretung gefunden, die ich bei dem folgenden Versuche, meine Ansicht über diese Gegenstände zu begründen, namentlich was die Geschichte der deutschen Grammatik betrifft, vor Allem mit Dank erwähnen muß. Doch pflichtet selbst Raumer der, meiner Ueberzeugung nach, irrigen Ansicht bei, daß „deutsche Grammatik kein selbstständiger, im Zusammenhange und systematisch gelehrter Unterrichtsgegenstand der Schule bleiben soll." Wie berechtigt und heilsam der Standpunkt Grimm's seinen Vorgängern gegenüber gewesen ist, wird man leicht zugeben, wenn man die Grundansichten bedenkt, von welchen vor ihm ein Mann wie Adelung geleitet ward, ein Mann, dessen höchst verdienstvolle Behandlung des deutschen Sprachschatzes in seinem Wörterbuch doch selbst für unsere Zeit noch keineswegs werthlos ist, und der zugleich eine Uebersicht über die gesammte Sprachwelt der Menschheit erstrebte und in einem für die damaligen Hilfsmittel bewundernswerten Umfange erreichte. In seinem „Mithridat oder allgemeine Sprachenkunde", einem Buche, das, nach Adelung's Tode von Johann Severin Vater fortgesetzt, freilich in vielen Einzelheiten jetzt veraltet, in manchen aber eine noch jetzt unersetzte Quelle Md in seiner Gesammtanlage überhaupt noch einzig in seiner Art ist, spricht er sich auch weitläufig über den Ursprung der Sprache aus. Die Sprache in ihrem modernen Zustande ist ihm ein Product allmählicher Verfeinerung; ihre Anfänge vergleicht er mit „dem armseligen Floße oder hohlen Baumstamme, in welchem sich der erste Wilde zitternd dem nassen Elemente anvertraute", ihre ausgebildete Gestalt um seine Zeit (die Mitte des vorigen Jahrhunderts) dagegen mit einem „Schiff von hundert Kanonen, welches auf dem unermeßlichen Meere des menschlichen Wissens und Nichtwissens mit allen Winden selbst der Speculation und Abstraction segelt." Er hielt es sür die Ausgabe des Grammatikers, über das,

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