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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ÜKSitik&imt Jeden Sfreitotf Cfgeis dieser Jlummea: 30 Shrosdfiteii DIE WAHRHEIT Cesterreidktscne WoffienS€ftriftfihp> jüdisdie Jnt* VecöffenMdkuniien der ..Unionäfeutsfääösten. Juden" (v^ Redaktion und Administration: 3fie¥I II.. Jtehk^tmße Jim. 13 Fernruf 42-2*16 ■- > A . ■ *~ Nurome; 5t XLIII. Jahrgang Wien, 16. Dezember 1927 ____*_*_^äS_ Lichtblicke. Ein Chanukka-Gedanke. Wir Juden begehen unsere Feste intim. Auf Haus und Hof beschränkt. Nur eines feiern wir „zum Fenster hinaus": Chanukka. Ans Fenster stellen wir die Lichtchen an jedem der acht Abende. „Mischum pirssum ha-ness", „um das Wunder zu verbreiten", wie unsere Alten lehrten. Welches Wunder? Daß „wenige vielen die Stirn boten!'? Das taten auch Leonidas und seine Getreuen, Winkelried inmitten der Helden von Sempach, Garibaldis Tausend bei Marsala und so viele andere. Daß ein einzelner, wie Juda Makkabi, ein ganzes Volk mit sich fortreißt? Ein Alexander, ein Hannibal, ein Cäsar, ein Prinz Eugen, ein Napoleon, ein Hindenburg wirkten nicht minder suggestiv. Oder war bei Mizpah und Emmaus, bei Bethzur und Betchoron d a s die Besonderheit, daß nicht Landhunger, nicht Heimatliebe, nicht Ruhmgier, nicht Ritterstolz, sondern Glaubenseifer Wunder der Tapferkeit vollbrachte? Auch die Scharen Mohammeds wie die Kreuzritter, die Hussiten wie die Covenanters und einen Gustav Adolf trieb Begeisterung für ihres Gottes Ehre. War es denn wirklich ein Glaubenssieg, den die Makkabäer erfochten? Ein Triumph der „rechten Lehre"? Bedurfte die Thora der Verteidigung mit Feuer und Schwert? Der Propaganda der Tat? Sie, die selbst der Propaganda des Wortes entraten kann? Sie, von der man mit den Worten jener klugen Jüdin, der Mutter Paul Heyses, sagen darf: „Ihre Reden sind nicht so schwach, daß sie gehalten werden müßten", ihre Argumente nicht so brüchig, daß sie gar der äußeren Stütze „schimmernder Wehr" bedurften? „Lau wechajil welau wechauach!" Nicht durch Mittel der Gewalt und durch die Macht des Wortes braucht zu wirken, was durch die Kraft der Idee Welten stürzt und neue an ihre Stelle setzt. Was also war das Wunderbare in der Erscheinung jenes schlichten Landpriesters Mattathias und seiner Löwenbrut? Diese geraden, reinen Bauernseelen empfanden instinktiv den unversöhnlichen Zwiespalt, der die Menschheit in zwei Lager scheidet. „Baiomim hohem-basman haseh", wie einst, so jetzt. Hie Judenernst! — Hie Griechentand 1 Wie in den Büchern, die ihren Namen tragen, zu lesen, sahen sie mit unbestochenem Blicke hinter „all dem Gold und Silber, dem Hyazinth und Purpur und all dem "anderen Prunk", den der Feind entfaltete, eine seelische Hohlheit, die „bar der Wahrheit und des Rechtes", der diese heiligsten Angelegenheiten der Judenseele nur Na - men, nichts als Floskeln waren. Wahrheifund Recht! Eine Wahrheit, die nicht eine andere für den Freund ist und eine andere für den Feind! Ein Recht, das nicht an einem gebrochen werden kann, ohne sich an allen zu rächen! Wahrheit und Recht! Diese Sirenenlockungen für jene reinen Toren, jene selbstvergessenen, verstiegenen Schwärmer, die an der rauhen Spröde der Wirklichkeit ihr Persönliches zerschellen lassen. Ist es nicht verwunderlich, daß für solche Traumgebilde, Sternengrüße aus einer lichteren Welt, erdgebannte Menschen aus freiem Herzensantrieb ihr Leben opfern? Menschen, selten freilich und seltsam in den Augen der anderen und darum von ihnen beargwöhnt und gehaßt. Menschen, so rar, daß sie nur um so abstoßender auf uns die wirken lassen, die nicht so sind. Wie die matten Flämmchen der Menorah uns um so empfindlicher machen für das Düstere, das ihren bescheidenen Lichtkreis rings umdrängt. Solche Lichtblicke in der gram- und grausverworrenen Nacht, die wir Menschheit nennen, diese Blutzeugen für Wahrheit und Recht der Welt zu geben, das war die Sendung des Volkes, dessen Blut in den Helden von Modiim rollte. Und sie soll es bleiben! Diesen festen Willen eines Volkes, dem man die Wahrheit verwehrt und das Recht verkümmert, ihn leuchten unsere Chanukkaflämmchen in das Düstere der Welt zum Fenster hinaus. Sie sollen es wissen und wahrnehmen, all die Hämlinge und Neidlinge da draußen: dieses Volk lebt und stirbt für Wahrheit und Recht! Und es glaubt an ihren Sieg! Das ist ein Wunder! Das Wunder, das wir „verbreiten", bezeugen sollen durch unsere Tat, so wahr wir Erben der Makkabäer sind. Sie werden, sie müssen es endlich glauben lernen, sie alle, das Chanukkawunder, daß es auch im Nebel düsterer Zeit Lichtblicke gibt, reine, edle, sittlich starke Menschen, Kämpfer für Wahrheit und Recht, Männer, wie sie das Judentum in der Vergangenheit erzeugt hat. Und dieselbe Kraft, die einst

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