Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 50 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fvacftefntf Jetten &rei*ag ffireis «lies« Xutmmm: 5© DIE WAHRHEIT Cestmeidkisdke Wocfienstfirift für ßüdistfte Jnteressen VexöffentRdkunüen der „Union deutsdkösterr. Juden" Redaktion und Administration t Wien IL, Meinestraße Jl*. 13 Fernruf 43-2-16 XLIII. Jahrgang Wien, 9. Dezember 1927___Nummer 50 Ende der akademischen Hakenkreuzlerei! Die Frage des „Studentenrechtes" war nach der Verordnung des preußischen Kultusministers Dr. Becker wieder besonders aktuell geworden, namentlich durch die Praktiken der österreichischen „Deutschen Studentenschaft". Es seien vorweg nochmals kurz die bekannten Tatsachen festgestellt: Diese österreichische „Deutsche Studentenschaft", die nur einen geringen Teil der wirklich deutschen Studentenschaft an den österreichischen Hochschulen, nämlich allein den völkischen vertritt, gehörte bisher trotz ihrer hakenkreuzlerischen Einstellung der allgemeinen „Deutschen Studentenschaft" an. Nach dem erwähnten Erlasse durfte sich nun die preußische „Deutsche Studentenschaft" nicht mehr mit der österreichischen koalieren, denn es heißt dort: „Die (preußische) »Studentenschaft4 kann sich mit Organisationen, die an anderen deutschen Hochschulen bestehen, vereinigen, sofern diese Organisationen alle reichs- und auslandsdeutschen Studenten umfassen und so fern die Satzungen solcher Gesamtvereinigungen nicht im Widerspruch mit der preußischen Verordnung stehen." Als eine solche „Studentenschaft", die im Widerspruch zu dieser Verordnung „rassenrein" wirkt, wurde in der Begründung zu diesem Erlasse ausdrücklich die österreichische „Deutsche Studentenschaft" angeführt, da sie nicht „wie die geplanten preußischen .Studentenschaften' alle deutschen Studenten ohne Unterschied von Rasse und Konfession umfaßt". Die österreichische „Deutsche Studentenschaft" huldigt solchen wahrhaft staatsbürgerlichen Prinzipien nicht, sie verschuldete den bisherigen grotesken Zustand, der z. B. den deutschen Studenten jüdischen Glaubens, der in Deutschland Mitglied der „Studentenschaft" ist, an den österreichischen Hochschulen allein aus dem Grunde ausschließt, weil er „nicht-arischer Abstammung ist. Am 30. November fand* nun eine Abstimmung der preußischen Gesamtstudentenschaft statt über die Frage, ob die Einzelstudentenschaften ihre Selbstverwaltung auf Grand der neuen preußischen Staatsministerialverordnung vom 1. Oktober aufrecht erhalten wollen oder nicht. Hätte die Abstimmung eine Befürwortung der Staatsministerialverordnung ergeben, so wäre einem wahrhaften studentischen Arbeiten als Selbstverwaltungsorgan keine einseitig parteipolitische Bevormundung durch die noch völkische Ueberzahl im Wege, sondern allen Studenten, die sich zum heutigen Staat mit freudigem Herzen bekennen, die Möglichkeit eindeutig nationaler studentischer Arbeit gegeben gewesen. Aber das Referendum wurde von den Studenten abgelehnt. Darauf erließ der preußische Unterrichtsminister Becker am 1. Dezember eine Verordnung, durch die die Selbstverwaltung der Studentenschaft an allen preußischen Universitäten und Hochschulen aufgehoben wird. Den Studentenorganisatronen wird das Recht entzogen, m die Leitung und Verwaltung der Universitäten einzugreifen. Gleichzeitig hat Unterrichtsminister Dr. Becker an die Rektoren aMer preußischen Universitäten und Hochschulen dfie Weisung gerichtet, jede Berührung mit den Studentenschaften in allen Fragen, die die studentische Jugend betreffen, abzubrechen und die Einhebung von Mitgliedsbeiträgen für die „Studentenschaften" einzustellen, die hiermit aufhören, staatlich anerkannte Vereinigungen zu sein. Mit dieser Verordnung des preußischen Unterrichtsministers ist der Kampf der unter völkischer Führung stehenden „Studentenschaften" von Doktor Becker, der mit der Ablehnung des neuen Studentenrechtes durch die Hochschuljugend ihren Höhepunkt erreicht hatte, zugunsten der staatlichen Autorität entschieden. Aber auch für die demokratische Minderheit ist er nicht erfolglos geblieben. Nicht nur werden jetzt die beträchtlichen Geldsummen der Studentenschaft erspart bleiben, die zwangsweise bisher für unproduktive und leider auch unreelle Zwecke hingeworren wurden, es wird nun hoffentlich eine Zeit der Besinnung der Kreise des deutschen Akad'emikertums eintreten, die, bisher irregeleitet, aus Mangel an Kenntnis der tatsächlichen Zustände dem völkischen Fanatismus Vorschub geleistet haben. Der Kampf der jüdischen deutschen Studenten im besonderen galt einer Qesamtorganisation, die unter anderem bei dem diesjährigen Würzburger Studententag das Andenken der gefallenen jüdischen Soldaten durch Mißachtung der Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft auf das schimpflichste besudelt hat. An einzelnen Hoch-