Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 49 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIB WAHRHEIT ililllllllllM Seite 11 Dr. Qoldhammer imputiert wurde, eigens eine demokratische Partei zu schaffen, sondern nur mit den gleichgeslnnten christlichen Männern an ihrer Entwicklung teilzunehmen. Im nächsten Jahre finden die Wahlen in den Kultusvorstand statt, die jeden Einzelnen angehen, denn die Kultusgemeinde erfaßt die verschiedensten jüdischen Belange und greift daher in das Leben jedes Wiener Juden auf mannigfachste Art ein. In unserem Kultusvorstande sitzen fünf Sozialdemokraten und diese Partei geht jetzt daran, die Kultusgemeinde überhaupt zu „erobern". Dies beweist der bekannte Aufruf der „Werktätigen Juden", deren Name schon eine Falschmeldung ist, wie v/enn nur auf dieser Seite die Arbeiter und auf der anderen Seite die Faulenzer wären. Zu solchen „Drohnen" wird vor allem die „Union" gerechnet, der in diesem Aufrufe der Krieg erklärt wird. Es ist eine Unwahrheit, daß die „Union", wie es dort heißt, „von der Gegenwart überholt sei", wir hoffen, nach der Wahl frisch und gesund wieder dazustehen, v/enn uns unsere Freunde den geplanten Ansturm siegreich abzuschlagen helfen. Es ist auch unrichtig, daß die „Union den Armen feindlich, im besten Falle kalt gegenübersteht". Es gereicht unserem Kultusvorstand zur Ehre, daß die Armen und Entrechteten in der Wiener Kultusgemeinde stets Linderung ihrer Not und Elend finden. So sind wir „werktätig" im besten Sinne und nach den Kräften, die uns zur Verfügung stehen. Dr. Ornstein kam dann noch auf die sozialdemokratische Abfallprcpaganda und auf deren Forderung nach Erweiterung des Wahlrechtes zu sprechen, welche Themen wir in unserem heutigen Leitartikel behandeln. Als Kuriosum erwähnte er zu diesem Gegenstand, daß nach der Im Vorjahre im Kultusvorstand durchgeführten Debatte für das allgemeine Kultuswahlrecht sich im ganzen sieben Personen gemeldet hatten, um das Steuerminamum von 60 Groschen zu bezahlen und das Wahlrecht zu erringen. Er schloß rrrit den Worten: „Das Ziel der Kultusgemeinde ist es, daß kein jüdisches Interesse ihr fremd sein, jede judische Not Ihrer Teilnahme sicher sein soll. In diesem Sinne soll sie eine wahre Volksgemeinde sein." (Stürmischer Beifall.) Kommerzialrat Bernhard Buchwald unterstrich die trefflichen Ausführungen seines Vorredners mit der dringenden Aufforderung, schon jetzt füT die so wichtigen Kultuswahlen vorzuarbeiten, damit uns dieser Entscheidungskampf gewappnet findet. Obmann Karl Fröhlich schloß hierauf die schön verlaufene Versammlung. Demokratische Mitglieder des Skivereins! Jene Mitglieder des Oesterreichischen Skivereines, die mit der Aufnahme des Arierparagraphen in die Vereinsstatuten nicht einverstanden sind, werden ersucht, sich möglichst bald in eine Im Cafe Herrenhof. I., Herrengasse, anfliegende Liste einzutragen, damit auf Grund des auf diese Weise zustandegekommenen Mltgliederverzelchnlsses vom Vereinsvorstand die Abhaltung einer außerordentlichen Generalversammlung statutengemäß verlangt werden kann, in der die Reassumierung jenes Beschlusses zu beantragen sein wird. Sterbet (Sbonnrnten für „Die Wahrhcir44! §^Wagkwgk&item vom Jaatc^§ Se. Majestät Hitler. Im „Völkischen Beobachter" findet sich folgende Bekanntmachung: „Nachdem Pg. Hr. Dr. Dinter wegen beruflicher Ueberlastung nicht mehr in der Lage ist. sein Amt als Leiter des Gaues Thüringen zu versehen, so enthebe ich ihn, seinem Wunsche entsprechend und unter Anerkennung seiner Gründe hiermit dieses Amtes. Es ist mir ein Bedürfnis, Herrn Dr. Dinter bei seinem Ausscheiden als Gauleiter, für die der Bewegung in jahrelanger Kampfarbeit geleisteten Dienste meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen, gez. Hitler." — Die „berufliche Ueberlastung" Dinters ist ebenso interessant wie der huldvolle Herrscherton. mit dem Hitler die Demission seines Gauleiters entgegennimmt. Es fehlt nur der große Anfangsbuchstabe bei „ich", „mir", „mich", aber wir hoffen, Herr Hitler lernt auch diese feine Nuance noch. Das „jüdische" Palästina. Das Jerusalemer Oberrabbinat legte Protest ein gegen den Polizeihauptmann Ibrahim Ahbech, welcher den jüdischen Polizisten befohlen hatte, am JaumKippur zu arbeiten. Die HaifaerEisenbahndirektion bestand darauf, die Monatsgehälter an die Beamten am 2. Rausch Haschonoh- Tage auszuzahlen, ungeachtet der die Mehrheit bildenden jüdischen Arbeiter und Beamten. (So also wird der Sinn des „Jüdischen Nationalheims" aufgefaßt? Die Verwaltung Palästinas nimmt auf das Judentum weniger Rücksicht als irgendeine andere der Welt. D. ReH.) Das Sterbegebet als Lebensretter. Der in Amerika lebende bekannte Kantor Rot mann, der zu kurzem Aufenthalt in London angekommen ist. berichtet in der Londoner „Zeit" von seinen Erlebnissen zur Zeit der furchtbaren russischen Pogrome, die er, der ein russischer Jude ist, in ihrer ganzen Schrecklichkeit miterlebte und von denen er nur wie durch ein Wunder errettet wurde. Es war im Jahre 1918 in Elisabethgrad, einen Tag nach dem großen Pogrom in dieser Stadt. Die Leichen der massakrierten Juden lagen noch auf den Straßen, als Rotmarm ankam, um seine Familie zu holen. Gleich nach seiner Ankunft wurde er von den Heidamaken zusammen mit vielen andern Juden auf Befehl des Kommandanten unter Knutenhieben zum jüdischen Friedhof getrieben. Dort wurden sie in einer Reihe aufgestellt. Nachdem der Kommandant den Soldaten den Befehl erteilt hatte, sich schußbereit zu machen, trat Rotmann aus der Reihe und bat den Kommandanten, ihm zu erlauben, vor seinem Tode noch laut für sich und seine dem Tode geweihten Leidensgenossen die Sterbegebete zu verrichten. Der Kommandant erteilte die Erlaubnis und Rotmann trug weithin hörbar das Sündenbekenntnis und die übrigen Gebete in einer Weise vor, daß der Kommandant vor Rührung den Soldaten den Auftrag gab. ihre Gewehre zu senken. Als Rotmann fertig war, trat er wieder in die Reihe zurück und meldete: „Ja gotow!" („Ich bin bereit!") Der Kommanrtnnt klrr»fte dem i'm.een Chftsan auf dle Schulter und sagte: „Juneer Mann, du bist ein außergewöhnlicher Jude. Es wäre eine Sünde, dich zu erschießen. Geh und nimm die nnd^rr, min" Auf ^o<-e w^'se r^tt**«»n die Sterbegebete den gottesfürcM»sren Crnsan und seine Genossen F»ne "oth'scbnd-Snende m't Bedingungen. W'e die jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat sich Baron Edmond de Rothschild bereit erklärt, für das hebräische Schulwesen in Palästina die Summe von 18.000 KUte hier »b*utrenn»n und an die Qeschafts^lle d*r .Union deiit«c*rt«terreichi*cher Juden" Wfen IX.. R-rngan-ie Nr *. einsenden. I Ä u s i2 3 4) 4) <u *a ta T) 3 to »=-»«$ b£ § I - 2 ~ <u e g CQ r * & X o> — .22 i: c •O _a> 53 w O s£ C < Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zur „Union deutschösterreichischer Juden" mit einem Jahresbeitrag von.............. ...............................................................Schilling (Mindestbeitrag S 10.—) und zeichne für den Vortragsfonds .............................................................. Schilling Name: ......................................................... Stand: ............................................................................................. Genaue Adresse: ..............................................