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Die Wahrheit · 1927-12-02 · Heft 49 (2.12.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 49 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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efrscft ein* Jeden 5firdfiig ftete eBe^eg Xumammmz 30 Staosdate» £)/£ WAHRHEIT Cesterweidkiscne. Wodkensdkrift für ßüdisdke Jnteresscn Veröffentfi€nim$en der „Union deuts&östen. Juden*' Maktlon und Administration: Wien ##., Jte&nGStKOße JTlf. 13 Fera/uf 42-2-16 X.'^';,. XLIII. Jahrgang__Wien, 2. Dezember 1927___Nummer 49 Die Frucht des Hasses. Wir haben erst vor kurzem an dieser Stelle auf die Gefährlichkeit der Haßbewegung hingewiesen, die unser armes Oesterreich in zwei feindliche Lager spaltet. Wir haben damals als vergleichendes Bild jene gereizte Stimmung gewählt, die vor dem Ausbruche des schrecklichsten aller Kriege die Welt beherrschte. So wie damals den Anlaß zu der Entfesselung des Völkermordens ein blutiges Attentat gab, das lediglich der Haßpsychose entsprang, so ist auch jetzt das glücklicherweise mißlungene Attentat auf den Wiener Bürgermeister Karl Seitz nur aus jener gefährlichen Mentalität zu erklären, vor der eben unser damaliger Leitartikel eindringlich warnte. Wir waren also keine falschen Propheten und alle anständig denkenden Menschen, die jeden politischen Mord verurteilen, können heute nur froh darüber sein, daß die wahnsinnige Tat eines Fanatikers ohne irgendwelche Folgen geblieben ist. Denn wäre ihm sein mörderischer Plan gelungen, wer weiß, ob wir nicht schon heute mitten im blutigsten Bürgerkrieg stünden. So ist uns das drohende Unheil diesmal erspart geblieben, es ist aber leider noch nicht abgewendet. Wohl mahnje^der sofort nach dem Attentat herausgegebene" Auf ruf der Sozialdemokraten zur Ruhe ' und ^Besonnenheit. Wohl hat es allgemein Beifall gefunden, daß unter den ersten Gratulanten der schon einmal gleicher Gefahr entronnene Bundeskanzler Dr. Seipei gewesen ist, der dem Gegner die Hand drückte. Aber Unverantwortliche sind da und dort noch immer am Werk, die dringend notwendige Konsolidierung zu verhindern. Auf der einen Seite heißen sie „Frontkämpfer", zu deren -Mitgliedern der Attentäter zählte und in deren Versammlungen er sicherlich Anregungen gefährlicher Art erhalten haben mag. Auf der anderen Seite aber gibt es auch solche Schürer und Hetzer, denen die Ruhe wider den Strich geht. Diese Kreise bekümmern sich in letzter Zeit auch um Angelegenheiten, die eigentlich fernab von ihrem Interesse liegen sollten, nur um Unfrieden zu stiften. Es mag unangebracht erscheinen, jetzt, wo in Wien alles unter dem Eindrucke des veräbscheuungswürdigen Attentats steht, auf diese Dinge einzugehen, aber es ist unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß auch im Judentum sozialdemokratische Hetzer am Werke sind. Wenn der Haß abgebaut werden soll, so muß dies überall geschehen, deshalb sei offen gesprochen. Wenn die folgenden Ausführungen sich nun mit einer Erscheinung der letzten Tage befassen, bei der Antireligiosität im krassesten Sinne des Wortes zum Ausdrucke kommt, darf es nicht verwunderlich erscheinen, daß die Urbeber des Vorfalles, da er sich in Wien abgespielt hat, Sozialdemokraten sind, denn es ist eine bekannte Tatsache, daß diese Partei, obwohl sie den Grundsatz „Religion ist Privatsache" zu ihrem Dogma gemacht hat, seit Jahr und Tag nichts unterläßt, um diese Privat* sache gläubiger Menschen zu einer Parteisache ungläubiger Fanatiker herabzuwürdigen. Mit dieser Mission beglückt sie in letzter Zeit auch das Judentum und wurden erst in unserer vorletzten Nummer diese Methoden von einem ausländischen jüdischen Politiker gegeißelt. Wir haben mit Absicht unseren Lesern gerade seine Ausführungen zur Kenntnis gebracht, da die Erfahrung lehrt, daß die Ansichten eines Außenstehenden gewöhnlich mehr Eindruck machen als noch so bewegliche Klagen von Leuten, die mitten im innerpolitischen jüdischen Leben stehen. Wir hoffen in diesem Sinne, daß sein Mahnruf in letzter Stunde den gewünschten Eindruck nicht verfehlt hat, und sind in der Lage, einen neuen Beweis dafür zu erbringen, daß tatsächlich nur die Herren Genossen schuldtragend an der in letzter Zeit erstarkten Abfallbewegung sind. Nach der agitatorischen Hetze der sozialdemokratischen Freidenker bei der älteren Generation kommt nun als besonders leicht erringbare Position die Schule daran, d. h. unsere Sozialdemokraten gehen darauf aus, die kindliche Seele zu gewinnen, richtiger zu verseuchen. Gerichtliche Entscheidungen der letzten Zeit in bezug auf den Religionsunterricht von Kindern konfessionsloser Eltern, die zu Ihren Gunsten entschieden wurden, haben ihnen den Kamm gestärkt und nun geht das Kesseltreiben gegen den Religionsunterricht überhaupt los. Vor uns liegt ein gedrucktes Formular, das sozialdemokratisch organisierten Eltern mit der dringenden Aufforderung zu baldigem Gebrauch in letzter Zeit zahlreich zuging, wobei die Konfession der Eltern unberücksichtigt bleibt, d. b. auch Juden das Zirkular bekamen. Es hat folgenden Wortlaut: Geehrte Schulleitung! Ich bitte zur Kenntnis nehme» zu wollen, dal! ich nicht einverstanden hin. mein Kind.....Scbfltertln) der ....Klasse, am christUefces ReticJottsunterrtcht teHnehmen zn lassen.

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