Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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§eitt 8 mmmmsm oi£ WAHRHEIT Wahlkreis IV: 1. Adolf Hofmann, Privatier, Wien VI. 2. Dr. Ernst Frfedjung, Apotheker, Wien V. 3. Alfred ToneUes, Kaufmann, Wien X. 4. Dr. Adolf Petö, Zahnarzt, Wien V. 5. Benjamin Scher, Uhrmacher, Wien X. Wahlkreis V: 1. Leopold Waller, Lederfabrikant, Wien VII. 2. Dr. Salomon Löbl Arzt, Wien VI. 3. Josef Sonnenschein. Pelzwarenfabrikant, Wien VI. 4. David Mandl, Hutfourniturerzeugar, Wien VI. 5. Heinrich Bäck, Möbelfabrikant, Wien VII. 6. Adolf Taub, Galanteriewarenhändler, Wien VI. Wahlkreis VI: 1. Aren. Edmund Melcher. Stadtbaumeister, Wien IX. 2. Siesmund Kornmehl, Fleischhauer, Wien IX. 3. Otto lilawatsch, Ingenieur, Wien VIII. 4. Moritz Nasch, Tapeziererartikelhändlet, Wien IX. 3. Dr. Ernst Feldsberg. Bankbeamter, Wien IX. 6. Moritz Koblitz, Bankbeamter, Wien VIII. 7. Michael Max Weiß, Modewarenhändler, Wien IX. 8. Ignatz Walzer, Parfümeriewarenhändler, Wien IX. Wahlkreis VII: 1. Samuel Bernhardt, Qemischtwarenhändler, Wien XV. 2. Hermann Kuner, Zähntechniker, Wien XIII. 3. Heinrich Hahn, Kleiderhändler. Wien XIII. 4. Alois Stiaßny, Vorstand, Wien XIII. Wahlkreis VIII: L Ottomar Katz, Rauchrequisitenhändler, Wien XVI. 2. Siegmund Weiler, Kleiderhändler, Wien XVII. Wahlkreis IX: 1. Heinrich Glücksthal, Domänendirektor, Wien XVIII. 2. Eduard Rechnltzer, Börserat, Wien XIX. 3* Leopold Subak, Platzvertreter, Wien XVIII. 4. Komm.-Rat Philipp Kohn, Kleiderhändler, Wien XIX. Wahlkreis X: 1. Ignaz Freund, Gastwirt, Wien XX. 2. Gabriel Dukes, Holz- und Kohlenhändler, Wien XXI. 3. Heinrich Salomon, Pfaidler, Wien XX. 4. Leopold Weiß, Branntweinschenker, Wien XX. Der Bankerott der jüdisch nationalen Minderheiten in Polen. Von Binjamin Segel. II. Es geht die Sage um, daß Theodor Heir z l auf dem Totenbett seinen Jüngern das Vermächtnis hinterlassen habe: „Erobert die Kultusgemeinden!" Und auf Grund dessen sehen wir, so oft in einer großen Gemeinde Wahlen stattfinden, die geistigen Erben Herzls sich für eine Weile von der hohen Politik und der Weltdiplomatie zurückziehen und ihre ganze Kraft dem Kampfe um die kurulischen Sessel in der bescheidenen jüdischen Gemeindestube widmen, und der Kampf nimmt Dimensionen an und gewinnt eine Siedehitze, daß er die Wände dieser Stube zu sprengen droht Nennt mich einen Ketzer, aber ich kann an die Authenzität dieses Wortes nicht glauben. Vielen großen Männern werden „letzte Worte" angedichtet, die sie vor dem Tode gesprochen haben sollen, und nachher erweist die Forschung, daß sie unecht sind. Ich habe Theodor Herzl zwar Immer für das Gegenteil eines klugen, weitsichtigen, verantwortungsvollen Staatsmannes gehalten, und die hanebüchenen, sagen wir höflich: Kindlichkeiten, die seine Tagebücher aufweisen, haben mir recht gegeben. Aber so viel Verstand hat er doch gehabt, einzusehen, daß ein wilder Parteikampf in den jüdischen Gemeinden der Einigung der Kräfte für den Aufbau Palästinas — in seiner Sprache hieß das: „Judenstaat" — nur schaden kann. Wenn wir auf dem Wege nach dem Judenstaate in jeder großen Gemeinde halt machen und uns einstweilen auf die Ratssesseln niederlassen sollen, so wird dieser Gang sehr lange dauern. Mir kommt dann der ketzerische Gedanke, daß dieses Wort nachträglich von ehrgeizigen Jüngern geprägt wurde, denen die Zeit bis zur Herankunft des Charters und der Aufrichtung des Judenstaates viel zu lang war. und die es darnach dürstete, schon jetzt die Süßigkeit des Herrschens und Befehlens und die. heißen Emotionen von Wahlkämpfen zu genießen. Bis wir zur Wahl eines Präsidenten und eines Parlaments in Jerusalem schreiten, kann es ja ein ziemlich geraumes Weilchen dauern. Wie wäre es nun, wenn wir einstweilen hier in dieser traurigen Diaspora, bevor wir ihren Staub von unseren Pantoffeln abschütteln, uns im Ausüben von Souveränitätsrechten üben, als da sind: Versammlungen einberufen, Reden halten, Programme verfassen, Forderungen stellen, Lärm machen, Demonstrationen veranstalten und so weiter, was alles dazu gehört, die Funktion einer Nation betätigen. Um ein Schlagwort sind wir nicht verlegen: „Unterstützung von Palästina!" Zwar haben alle großen Gemeinden seit jeher Palästina unterstützt, dort Krankenhäuser, Schulen, Bibliotheken unterhalten, ein Sekretär der Wiener jüdischen Gemeinde hat in Jerusalem eine Schule gegründet und das Buch, in dem er seine Reise nach dem Lande der Väter beschreibt, gehörte auch in der hebräischen Uebersetzung zu den meistgelesenen Büchern seiner Zeit. Wir können uns auch nicht ausmalen, daß irgend eine Jüdische Gemeinde, an die man herantritt, damit sie jüdische Landwirte, Handwerker, Schulkinder, Lehrer, gemeinnützige Anstalten fördern solle, dies verweigern könnte, wenn es sich gerade um Palästina handeln würde. Aber uns kommt es gar nicht materieM auf die Gabe an, sondern auf die Gesinnung, in der das geschieht. Was nützen uns die paar Tausende oder Zehntausende, wenn die Gemeinde sie nur gibt, um Arbeit und Kultur unter den Juden zu fördern. Sie muß das tun, um den Judenstaat in Palästina aufzubauen. Und wenn die Gemeinde es willig tut, hat zwar Palästina den Nutzen davon, aber der Kampf um die Idee und die Kämpfer haben nichts davon. Widerwillig soll sie es tun. So ists recht. Entreißen wollen wir unseren Feinden die Gabe. Wir packen unsere Gemeindegewaltigen beim Kragen und setzen ihnen den Revolver an die Brust. Und wenn wir nach hartem Kampf, Schweißtropfen an der Stirn, mit roten Backen und heiserer Stimme das Schlachtfeld verlassen, haben wir gesiegt! Der Feind ist für fünf Minuten zerschmettert und wir haben einen Vorgeschmack von den Wonnen, die uns im eigenen Staat erwarten. Was macht es uns dann, daß viel kostbare Kräfte und Zeit der positiven Aufbauarbeit verloren geht, daß der unnütze Streit Unzählige abstößt, die gerne am Aufbau mitarbeiten, andere, die ihn mindestens nicht hindern würden, gar ins feindliche Lager treibt. Die Idee in ihrer Reinhet muß siegen. Die künftigen Historiker werden sich den Kopf darüber zerbrechen, ob schon Theodor Herzl Erfinder der genialen Idee war, daß es den Juden nicht erlaubt ist, nach Palästina zu gehen, ehe sie nicht in der ganzen Welt als Nation anerkannt sind. Aber sicher ist, daß die Engländer diese Idee gierig aufgriffen und sie als Ergänzung der Idee vom Nationalheim dazu benutzten, um den Juden gegenüber den großen Bluff zu verüben, auf den die Juden auch tatsächlich hereingefallen sind. Das jüdische „National-Heim" in Palästina soll ein Stützpunkt für die britische Herrschaft im Kampfe gegen die Araber bilden. Die jüdische Nation wiederum sollte sich in jedem der neuen Staaten Europas als Minderheits-Nationalität deklarieren, die mit ihrem Staat auf ewig auf Kriegsfuß lebt und jedesmal den Völkerbund in Genf, also mittelbar London, zu Hilfe ruft. Welch ausgezeichnete Stützpunkte englischer Oberhoheit über diese neuen Staaten Europas in politischer und wirtschaftlicher Beziehung, analog den zahlreichen Stützr KleiderkreditSWUbar Jgg*» ■ Sämtliche Herren- und Damenklelder 5 Nor Qualitätsware! Bach Maß sowie fertig lagernd. 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