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Die Wahrheit · 1928-12-07 · Heft 49 (7.12.1928) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preisdieser Nummer 50 Groschen ^idimWoJmsJii^t J«* Sm Vertfffeftflldniiigt& 4er „Union denfediSaterr. Joden9 »Amfftdicn Verlautbarungen der IaraefitlMiics Ktdtusgemeinde Wien" Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße Nr. 13 — Telephon R 42-2-16 XL1V. Jahrgang Wien, 7. Dezember 1928 Nummer 49 Chanukahfest oder Makkabäerfest Eine Betrachtung zu Chanukah 5689. Von Rabbiner Dr. Armin Abeles.*) „Es gehört seit dem Chorban Habaith mit zur Tragik des jüdischen Volkes, die Verkörperung einer unlösbaren Antinomie zu sein." Der diese Worte niederschrieb, einer der hervorragendsten Talmudforscher der Gegenwart, wird in seiner gütigen Weisheit mir es sicherlich nicht nachtragen, wenn ich es wage, an diesem Ausspruch ein einziges Wort zu korrigieren und zu sagen: Es gehört seit dem Chorban Habaith mit zum Glück des jüdischen Volkes, die Verkörperung einer unlösbaren Antinomie zu sein. Wäre uns dieses Glück nicht beschieden, es würde uns vielleicht auch die Möglichkeit genommen sein, unser liebliches Chanukahfest so zu feiern, wie es der geschichtlichen Wahrheit gemäß gefeiert werden soll. Denn gerade bei dem Lichterglanz der Chanukahmenorah tritt diese unlösbare Antinomie grell in die Erscheinung. Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts haben bekanntlich die Jüdischnationalen und alle, die im Bannkreis ihrer Ideologie stehen, das Chanukahfest für sich und ihre Auffassung vom Judentum in Beschlag genommen. Mit Hilfe einer Namensänderung wurde aus Chanukah ein Makkabäerfest gemacht, das als das jüdischnationale Fest schlechthin zu gelten habe, als Erinnerung an jene Helden, die einst in heldenmütiger Todesverachtung in mehreren blutigen Schlachten ihr und ihrer Glaubensbrüder Leben für die Verwirklichung ihrer nationalen Ideale eingesetzt hatten. Die blutigen, von unerreichtem Heldentum auf den Schlachtfeldern zeugenden Makkabäerkämpfe, deren Erinnerung alljährlich durch das Chanukahfest in uns wacherhalten werden soll, zeigten klar und deutlich, daß das Judentum ein nationales Gebilde ist, national in dem Sinne, wie dieses Wort heute gemeiniglich verstanden wird. Es ist mit den nachfolgenden Ausführungen keineswegs beabsichtigt, zu dieser, leider schon so viel Verwirrung und Verbitterung hervorrufenden Frage irgendwie Stellung zu nehmen; bloß, daß in der genuinen En t- *) Es gereicht uns zur Freude, aus der bewährten Feder unseres langjährigen Mitarbeiters nach längerer Pause einen größeren Beitrag zu veröffentlichen. D„ Red; Wicklung des jüdischnationalen Gedankens im Judentum das Chanukahfest nicht als Ausgangspunkt betrachtet, oder, deutlicher gesprochen, daß Chanukah im Sinne und Geiste unserer geschichtlichen Tradition keineswegs als nationales Gedenkfest angesprochen werden kann und darf, soll hier in aller Kürze dargetan werden. Sicherlich, zur Zeit, als vor ungefähr zweitausend Jahren die Erhebung der Makkabäer gegen die syrisch-hellenistische Gewaltherrschaft einsetzte, war Palästina, besser gesagt, Judäa ein — wenn auch mit erheblichen Einschränkungen — politisch selbständiger Staat gewesen und alle Vorgänge, die sich innerhalb dieses Staates ereignet hatten, tragen in gewissem Sinne nationalen Charakter. Das ist aber auch alles! Wäre das Chanukahfest aber ein Makkabäerfest mit nationalem Hintergrunde, dann müßten doch die historischen Quellen, die ziemlich reichlich fließen, eine deutliche Spur davon aufweisen, während das Gegenteil der Fall ist. Und hätte bei denjenigen, die das Chanukahfest eingesetzt, die Absicht bestanden, die nationalen Momente der makkabäischen Erhebung in der Erinnerung für die Nachwelt festzuhalten, sie würden, um ihre Absicht zu verwirklichen, sicherlich denselben Weg eingeschlagen haben, den die Völker rings um sie her in solchem Falle beschritten hatten; man würde jenen Tag oder jene Tage als nationale Fest- oder Gedenktage bestimmt haben, an welchen in entscheidenden Schlachten solche nationale Errungenschaften mit dem Schwerte erfochten worden waren, wie etwa den Tag der Schlachten bei Emmaus, Beth-Zur, Beth- Horan, oder gar die Kämpfe, in welchem Janatan und Simon die Grenzen Judäas erweitert und die zeitweise politische Unabhängigkeit ihres Landes erkämpft hatten. Daß dies nicht geschehen, daß vielmehr als Höhe und Zielpunkt der makkabäischen Erhebung die von Juda Makkabi bewerkstelligte Wiedereinweihung des Tempels und Wiedererrichtung des Altars im Heiligtum zu Jerusalem bestimmt und zur dauernden Erinnerung dieses Ereignisses ein Vorgang aus dem täglichen Gottesdienste gewählt wurde,

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