Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 bedingungen eurer Nachkommen zu sorgen, denket am Wahltage an die Jugend! Aber nicht nur materielle Fragen sind es, die uns von den Jüdischnationalen trennen. Weit mehr noch wollen wir uns von ihnen unterschieden wissen in der ideellen Einstellung. Wir fassen die Mission des Judentums weit höher und heiliger auf, als in der Schaffung neuer national-chauvinistischer Keimzellen. Genug des Leidens und Kämpfens, genug des Haders und Hasses um kleinlicher, engbegrenzter Anschauungen willen! Die jüdische Jugend darf, soll und kann sich nicht länger blenden lassen von eitlem und schädlichem Nationalismus! Die Idee des Judentums liegt im Völkerverbindenden und die jüdische Jugend, begeistert und ideal, wie die Jugend immer und überall, will dieser Idee zum Siege verhelfen und mitarbeiten an der Gesundung der Menschheit vom Chauvinismus. Jüdische Eltern, erschwert uns nicht unsere Aufgabe, verhindert, daß der Wahltag die bedeutendste jüdische Gemeinde dem Nationalismus ausliefere, dem Nationalismus, der der Menschheit so viele schmerzvolle Opfer schon auferlegt hat, dem Nationalismus, der ein falsches Ideal uns vorgaukelt! Aber auch gegen jene müssen wir uns wenden, die in die Kulturstube den rauhen Lärm der großen politischen Arena tragen wollen, gegen jene, die vermeinen, ihre politische Einstellung im Staate auch in der jüdischen Gemeinde dokumentieren zu müssen. Jeder Jude, der den Glauben seiner Väter liebt, ihn ehrt und hochhält, wird sich fragen, was Vertreter jener Partei, die in ihrem innersten Wesen gegen die Religion eingestellt ist, in der Kultusgemcinde eigentlich wollen. In einem Wahlkampf zwischen jüdischen Parteien braucht man keine Vereinigung, die ihr soziales Programm erst von außen holen muß, denn dies beweist den inneren Widerspruch dieser Fraktion. Der Begriff des Judentums birgt in sich die höchste soziale Ethik. Auf unserer Fahne steht seit Jahrtausenden der Sozialismus in seiner reinsten, ursprünglichsten Form, diese Fahne muß darum nicht erst blutig rot gefärbt werden. Die Jugend hat auch hier großes Interesse daran, den Klassenkampf ausgeschaltet zu wissen aus der jüdischen Gemeinde, sie hat Interesse daran, die jüdische Gemeinde erhalten zu wissen als Institution ausschließlich für Zwecke des Judentums. Wir Jungen hoffen und erwarten, daß die jüdischen Eltern am 2. Dezember unsere Stimme nicht ungehört werden verhallen lassen, daß sie kämpfen und siegen werden, wie immer, wenn es um ihre Kinder geht. Die Jugend steht im schweren Kampf, umbrandet von den falschen Idealen des Chauvinismus und der Areligiosität. Jüdische Eltern, denket daran und mit diesem Gedanken tretet am Wahltag zur Urne! ]AC. MAVER Kleider- und OuiMitlmänteMiidiistfle Export nach allen Ländern Wien ll.v GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 VonlDeAexulDoAm Mandatssucht. Das polnische Volk gehört bekanntlich nicht zu den judenfreundlichen Nationen, im Gegenteil, mau kann ruhig sagen, daß die Polen beinahe zu den erbittertsten Feinden des Judentums zählen. Diese Tatsache hindert die jüdischnationale Partei Mährens und Schlesiens nicht, bei den am 2. Dezember stattfindenden Landesvertretungswahlen mit der polnischen Minorität zusammenzugehen. Warum? Nur weil die Jüdischnationalen bei den beiden bisherigen Wahlen stets mit Glanz durchgeflogen sind. Welche Konsequenzen zieht eine andere Partei aus solchen Niederlagen? Sie zieht sich beschämt aus dem öffentlichen Leben zurück. Nicht so die Jüdischnationalen. Sie gehen lieber mit Judenfeinden, als auf etwaige Mandate zu verzichten. Also auch in Mähren und Schlesien Mandatssucht der Jüdischnationalen am 2. Dezember. Die Adas Jisroel versendet ihren Rechenschaftsbericht. Derselbe gibt uns einen Ueberblick einer umfassenden Tätigkeit einer ansehnlichen, altjüdischen Gemeinde im wahrsten Sinne. Zur Bestreitung der Kosten ist ein Jahrescingang von mehr als 2,3 Milliarden erforderlich. Davon werden ein vollständiges Rabbinat erhalten, sämtliche Bedarfsgegenstände eines jüdischrituellen Haushaltes besorgt, ein Bethaus erhalten usw. Aber nicht damit erschöpft sich die Tätigkeit dieser Körperschaft. Sie entwickelt auch eine umfassende Fürsorgetätigkeit, die außer dem oben angeführten Betrage sehr ansehnliche Summen in Anspruch nimmt. vEs werden Unterrichtsanstalten erhalten, zum Teile reichlich' unterstützt, Stipendien an Talmudschüler an auswärtigen Jeschiwohs verliehen. Ueberdies hat die Vereinsleitung allemal, wenn der Versuch gemacht wurde, Kinder in der Schule zur Entweihung des Sabbat zu zwingen, mit vollem Erfolge interveniert und erklärt sich bereit, diese Intervention im Bedarfsfalle jedesmal zu wiederholen. Der Bericht weist auf die achtzigjährige Tätigkeit der Schiffschul zurück, die als kleines Bethaus in der Ankergasse begann, vor 64 Jahren in die Schiffschul sich umwandelte und vor 30 Jahren als Adas Jisroel sich organisierte. Er verweist darauf, daß die Arbeit nicht nur für die eigenen Mitglieder geleistet wurde, sondern daß alle Leistungen und Anstalt'M von allen Wiener Juden ohne Unterschied, die ihrer bedürfen, in Anspruch genommen wurden. Er rühmt, daß auch der Vorstand der Kultusgemeinde endlich für die idealen Bestrebungen der Adas Jisroel Verständnis gefunden hat. Das Ziel der Wünsche jedoch könne nur erreicht werden, wenn es gelingt, daß alle religiösen jüdischen Kreise zur Erfüllung der Aufgaben sich zusammenschließen würden. Die Generalversammlung findet Sonntag, den 25. November, um 3 Uhr nachmittags, im Tunisaale der Talmud Thorahschula, Wien IL, Malzgasse 16, statt Das Bet-Hamidrasch. Wien IL, Tempelgasse 3, dessen Kuratorium als Präsident Herr Dr. Jakob O r n s t e i n und als Schriftführer Herr Direkter Julius Haber angehören, hat BETT FEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wlea XIV., BrauuMncbomsfsse Mr. 2t Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. Aach Detail verkauf zu Fabrikpreisen I Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt ZeitgemSfie aahlungsbedlngiutaeiil Kftin Kaufzwang! Freie Beskhtl&uitgl