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Die Wahrheit · 1928-11-16 · Heft 46 (16.11.1928) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 IllllllllPlllllllillllllllllllllllf. DIE WAHRHEIT Präsident der Kultusgemeinde Dr. Klein der Leitung der Chewra für ihren rühmlichen Eifer und übernahm den herrlichen Bau in die Obhut der Gemeinde. Die vielen Teilnehmer begaben sich nun zu den Grabstätten der heimgegangenen zwei Kultusbeamten, des Oberkantors Adolf Schwarz und des Lehrers David. S i n g e r, deren von der Kultusgemeinde in Gemeinschaft mit der Chewra Kadischa gestellten Grabsteine vom Oberrabbiner Diamant mit ergreifenden Reden eingeweiht wurden. Antisemitische Exzesse an der Universität. Hakenkreuzler schänden die Feier der .Republik. Die Heldentaten der ungarischen Studenten ließen denen 4er Wiener Universität keine Ruhe. Sie wählten den Tag der Republikfeier, um wenigstens zu versuchen, es ihren „erwachenden" Kollegen gleichzutun. Die sattsam bekannten Ffowdystudenten leisteten sich einige Sfflcke, über die ihnen selbst die Schamröte in die Wangen steigen müßte, hätten sie es nicht schon längst verlernt, sich über ihre Schandtaten zu schämen. Kurz bevor die Ehrengäste eintraten, erschollen aus dem Vorraum des Festsaales die Rufe: „Pfui die Judenrepublik! Pfui die Republik!" So begann die Republikfeier der Wiener Hochschulen. Das Oesterreich eine Republik ist, ist den Herren mit den bunten Kappen höchst unangenehm; daß die Republik an der Universität, die nach ihrem Willen ein Hort der Reaktion sein sollte, offiziell gefeiert wird, noch anangenehmer; daß aber Juden an der Feier teilnehmen wollen, am unangenehmsten. Und da die Herrchen die Republik ja doch nicht so schnell abschaffen können und es auch schwer wäre, den Präsidenten Hainisch und Dr. Seipel an der ' Feier zu verhindern, so entschloß man sich, die Juden hinauszuwerfen, Mit herrlichem Mut und teutscher Entschlossenheit ging man an die Tat. Und wirklich gelang es. das kleine . Häufchen unbewehrter Juden und Sozialisten aus der, Universität zu vertreiben. Einer der wichtigsten Lernbehelfe der Hakenkreuzler. die unsere Hochschulen unsicher machen, ist ^bekanntlich der„Stock. Mit unglaublicher Feigheit gingen "die nationalistischen'Stüden^eK mit ihren Stöcken vor. wobei ' sie auch auf Mädchen keine Rücksicht nahmen. Binnen kurzen); waren die Hakenkreuzler die Herren der Aula. Der Polizei ist leider das Betreten der Universität verwehrt und die kleine \ Anzahl von Pedellen ist natürlich nicht imstande, den Tniellektrüpeln entgegenzutreten. Und während der Bundes- > : känzler, im Festsaale seine Rede über die wahre Republik> hielt, setzten es die Stockhelden durch, daß die iüdischen und : sozialistischen Studenten dem Fest der Renublik fernbleiben; mußten. Als nach der Feier die hohen Persönlichkeiten durch' das Spalier der Studenten die Universität verließen, wußten > sie wahrscheinlich nicht, daß dieses Snalier von Leuten ge-» '.< bildet wurde, die nur die Autonomie der Hochschule davor; schützte, als Ruhestörer und Gewalttäter in den sicheren' -Gewahrsam gebracht zu werden, in den sie gehören. Man wird es sich merken, daß die akademischen Bürger den Staats-, ieiertag mit dem Rufe „Pfui die Republik!" begrüßten. Den -iSdischen Studenten aber haben sich ihre Kollegen wieder '.einmal von der schönsten Seite gezeigt. Leider werden die, ."akademischen Bürger auch einmal Staatsbürger sein... Vom Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer > ^israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Beziirk (XVI.. -Hubergasse 8), erhalten wir folgende Mitteilung: Eine Flugschrift, die im 16. und 17, Bezirke verteilt wurde, behauptet,. rS^B'^äische"Prole^arferkiiider zum Religionslehrer mit zerf^umpten Kleidern und: zerrissenen Schuhen kommen und fie- Mhemfich "uni ein Kleidungsstück bitten. Warum diese Schriften' in unserem Viertel kolportiert werden, ist uns ganz unklar,* f-denn seit 47 Jahiren wissen es die -jüdischen Re-; /;Iigionslehrer. wissen es die armen Eltern, id aß unser Verein dafür sorgt, daß kein armes. ^i<3diVches S^cbulkind unserer Arbeiterbezirke •Ifr^rend ztfV Schule geht. Alljährlich gibt es in Bet-' ^häusern. Anstalten und Kultuskanzleien Publikationen, in denen ' Vzur Vorlage der Bekleidungsansuchen aufgefordert wird. Alle ^'Gutgesinnten werden es bestätigen — und die Generalversammlungen sind voll des Lobes für unser wahrhaft humarii- ^täres Wirken, daß unser Verein verschämte Arme auf-;?sucht und in diskreter Weise seine Gaben verteilt..; -iSoHen wir den Drahtziehern der Agitation Einblick gewähren! , .in herzbewegende Dankschreiiben und sollen wir ihnen be-^ -."weisen, von welch edlem Sinn Vereinsleitung und Mitglieder? erfüllt sind? Wollen wir etwa darauf verweisen, daß auch: :*heuer vorläufig gegen 160 arme Kinder der Be-^ 'kleidu.ng zugeführt werden und daß es am "^V^fwtttfc'gi' de? £5. November Mn Gscfcwandners Sälen jubelnde Kinder und glückliche Eltern geben wird? ... Möge davon Abstand genommen werden. Unruhe zu stiften und mögen alle Kreise dafür sorgen, daß uns r ei ch lieh Mittel zufließen, auf daß der Segen werde unseren armen jüdischen Schulkindern! S. S. Aus Susak (S. H. S.) meldet man uns: Am Sabbath „Vaera" ereignete es sich zum erstenmal, daß hier ein Gottes- 'die'nst abgehalten wurde. Die Barmizwah-Feier des Sohnes des bekannten Weingroßhändlers Edmund Bier fand mit Rücksicht darauf, daß der Großvater Oberrabbiner Doktor Julius Diamant aus Vukovar den weiten Weg bis zum Tempel in Fiume zu Fuß nicht zurücklegen konnte, im Hause statt. Zum Gottesdienst erschienen außer den hier wohnhaften Juden und mehreren angesehenen hiesigen Nichtjuden auch viele Repräsentanten der Fiumaner Glaubensgenossen. Der Barmizwoh hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende Ansprache, worauf der Großvater Herr Oberrabbiner Doktor Diamant eine wirkungsvolle Rede hielt. Trauung. Sonntag, den 11. November, fand im Zeremoniensaale des Müllnertempels die Trauung des Herrn Martin N e u m a n n, Sohn des Herrn Philipp N e u m a n n, mit Fräulein Babette M ay b au m, Tochter des Herrn Max Mayb a u m, unter großer Beteiligung seitens der Verwandten und Freunde der beliebten Familien statt. Herr Rabbiner Doktor Schwarz hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor S. Postolow. Lichtbildervortrag. Herr Dr. Salomon Lieben aus Prag hält Sonntag, den 18. November, 3 Uhr nachmittags, im Zentralkino, IL. Taborstraße 8. einen Lichtbildervortrag über das Prager Ghetto. Das ReinerträgnJs fließt dem , Krankenbesuchsverein „Bikur", (J„ Seitenstettengasse 2) zu. Grabsteinsetzung. Sonntag, den 11. November, hat das Ehepaar Moritz und Hermine B i ß ihrer ein/igen in der Blüte ihrer Jahre entrissenen Tochter J e s s a am Neuen Friedhof zum ersten Todestag einen Grabstein gesetzt. Die so schwer heimgesuchten Eltern gedenken hier zugleich auch ihres einzigen Sohnes Hans, der im Weltkriege im Jahre 1917 an der Piave seinen Heldentod fand. Wochenspielplan Im Jüdischen Künstlerkabarett (iL, Praterstraße 60). Freitag, den 16. November: Erstaufführung von „Oofer der Liebe". Lebensbild in 3 Akten von Z. Libin, Musik von Sch. Sekunde. Die Novität wird Samstag. Sonntag und Montag wiederholt. — Dienstag, den 20. November: „Mosel Tow", Mittwoch, den 21 November: „Die Brillanten da me" Donnerstag, den 22. November: „Zur'ück zu Gott". Aus völkischen Zeitungen zwanzig Ueberschriften. Auch ein Beitrag zur deutschen Literatur- und Sittengeschichte. Blutmord von Dobrzyn. Die geschächtete Lucie Tomanow. (..Der Stürmer". Nr. 51. Dezember 1927.) — Der Mord im Schwarzwald. (Entblößt, beraubt und geschachtet.) („Der Stürmer". Nr. 27. Juli 1928.) — Der Vater heiratet seine Tochter und der Bruder seine Schwester. (So etwas ist nur bei Juden möglich.) (..Der Stürmer". Nr. 35. August 1928.) — Der Judenfluch über Schillers Gebeine. (Deutsche Wochenschau". Nr. 33, August 1928.) — Ostjude Linner und seine 30 Dienstmädchen. (..Der Stürmer", Nr. 24. Juni 1928.) — Jüdische Sexualverbrecher und ihr Verteidigungssvstem. (..Der Stürmer". Nr. 24. Juni 1028.) — Jüdische Tierschinderei. (..Der Stürmer". Nr. 24, Juni 1928.) — Der Weizen der Bankiuden blüht. (..Der Stürmer". Nr. 25. Juni 1928.) — Der .Tndeneid. (Die große Lumperei.) (..Der Stürmer". Nr. 26, Juni 1928.) — Der Jude Schnitzer und der Rlutmord im Scbwarzwald. (..Der Stürmer". Nr. 34. August 1928.) — Das Sektgelage des Juden Bernbeim. (Blonde deutsche Angestellte werden betrunken gemacht.) (..Der Stürmer". Nr. 34, August 1928.) — Jude — Arzt — Mädchenschänder. Die Lennrelloliste des iüdischen Wüstlings. („Berliner Arbeiterzeitung", Nr. 26. Juni 1°28.) — Die Schandtat des Juden Wassermann. (..Der Stürmer". Nr. 22, Mai 1928.) — Der totgefahrene Nichti'ide. (Wie .Tnd Adler aus Gnodstadt den iun^en Berkmann ums Leben bracMe.) (.Der Stürmer". Nr.??. Mai 1928.) — Das K"»nd im Keller. (Ein geheimnivolles Sirth'chkeitsverbrecben zu Breslau.) (..Der Stürmer". Nr. 22. Mai 1928.) — Jüdische Aerzte. " (MassenVergiftungen durch Chromonalkuren.) (..Der Stürmer", Mr. 11. März 1928.) ^- D?e indische Weltnest. (..Der Stürmer". Nr. H. Märr 1928.) — Christnsmörder in Schwand^rf. (..Der Stürmer". Nr. 15. Anrfl 1928.) — Das aussätzige Geschlecht. (..Der Stürmer". Nr- .10. März .1928.) — Der *üd««cb.e MÜKardenbetrug. („Berliner Arbeiterzeitung"/ Nr. 31. 5. August 1928.)

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