Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 46 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 a^ÄfltMiiinifflwi™ f)jf? WAH^Hßlt 'kund und Literatur WC" £m literarisches Ereignis. Diese Bezeichnung verdient das Erscheinen der Encyclopaedia Judaica, die vom Verlage Eschkol in Berlin herausgegeben wird. Als vor einem Vierteijahrhundert Amerika uns mit einer „Jewish Encyclopedia" beschenkte, fand man es begreiflich, daß uns diese Üeberraschung aus dem Lande des Dollars kam. Wo hätte damals jemand an die Möglichkeit gedacht, daß sich die deutsche Judenheit zu einer solchen Tat aufschwingen könnte? Und nun stehen wir vor einer Leistung, die schon jetzt in mancher Hinsicht jenen ersten Versuch weit überflügelt. Nur die staunenswerte Energie Deutschlands, die sich jetzt in Werken des Friedens ebenso einzigartig betätigt, wie im Kriege in militärischen Rekorden, war eines solchen Unternehmens fähig. Dem Laien einen Begriff von dieser Riesenarbeit zu geben, braucht man nur den ersten Band dieser Darstellung des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart zu durchblättern und Proben auszulesen. Von Aaron ben Jona und Aaron Pumel, den Märtyrern von Krems (14. und 15. Jahrhundert), kommen wir zu Aaron von Lincoln, dem reichsten Juden Englands im 12. Jahrhundert, dessen Erbe nach damaligem englischen Gesetze dem Könige zufiel, der dafür eine besondere Schatzkammer mit zwei Schatzmeistern und zwei Schreibern einrichtete. Sein Haus steht heute noch. Wie alle jüdischen Häuser während des Mittelalters, hatte es, um gegen Ueberfälle besser geschützt zu sein, im Erdgeschoß keine Fenster. Von dem Sultan Abdul Meschid II. hören wir, daß, als er 1847 bei einem Besuche der militärmedizinischen Schule in Konstantinopel zu seinem Erstaunen keinen jüdischen Zögling vorfand und man ihm dies mit jüdisch-rituellen Schwierigkeiten erklärte, er sogleich verordnete, in der Schule eine rituelle Küche einzurichten, die jüdischen Schüler von Freitag morgen bis. Sonntag mittag vom Unterrichte zu befreien und in der Schule einen Rabbiner anzustellen, der den Gottesdienst zu überwachen habe. Daß Abdul Hamid II. bis zu seiner Absetzung 1908 alljährlich für die armen Juden seiner Hauptstadt -zu Pessach 8000 Francs gespendet hat, verdient Beachtung. Bei den Abessinieren hat sich aus dem jüdischen Altertum der kultische Tanz erhalten, wie auch in Spanien, vor allem bei unseren Chassidim. Ungemein lehrreich ist das Kapitel: „Abgaben und Steuern". Bis in die allerneueste Zeit hat der Judenhaß auf diesem Gebiete die abenteuerlichsten Blüten getrieben. In Preußen mußte der Jude nicht nur Porzellanaffen der Regierung abkaufen, sondern auch tihre gedruckten Kalender und ihr „Intelligenzblatt" abonnieren. In Rußland unter Nikolaus I. entfielen auf den* Kopf der jüdischen Bevölkerung an staatlichen Steuern 65 Rubel. Wer nicht zahlen konnte, wurde zum Militärdienst, d. h. zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, verurteilt Für das Tragen eines Käppchens mußte man 5 Rubel zahlen, für jedes Licht, daß aus religiösem Anlasse gezündet wurde, zahlte man dem Ministerium für Volksaufklärung — auch in Galizien, unter österreichischer Herrschaft, für jedes Chanukalichtchen einen halben Kreuzer —, für die nicht rituell Speisenden büßten die Frommen mit einer pauschalierten Koscherfleischtaxe, anstatt einer Junggesellensteuer gab es eine Heiratsabgabe, die in der Bukowina seit 1789 durch Vorweisung eines Schulzeugnisses abgelöst werden konnte. Abraham Gerschon, aus Kuty, berichtet in einem Briefe an den Beseht, den Begründer des Chassidismus, aus Palästina, wie dort Nichtjuden mit Juden friedlich leben, sogar gemeinsam Feste feiern. Abraham Hirschowitz, polni- JAC. MAYER Kleldar- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern tüten II-, GlOCkengaSSe 24 Telephon R 48-4-79 BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo SehoUen, Wien XIV., Braunhirschengasse Nr. 2t Telephon R38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland._ scher Hoffaktor, verlangt 1791, daß jede jüdische Gemeinde ein Spital besitze. Von dem Wiener Steinschneider Philipp Abraham besitzt unser kunsthistorisches Museum eine Kanne mit dem Brustbilde Maria Theresias, von seinem Sohne zwei ähnliche Stücke, von einem Jacob Abraham Medaillen das staatliche Münzkabinetts in Berlin und die Eremitage in Leningrad. Abraham, der Kabalist, Freund und Lehrer des Thomas Campanella, wird mit diesem gemeinsam von der Inquisition verbrannt. Abraham Maimoriides, der Sohn des „großen Adlers", arbeitet im; Krankenhause zu Kairo gemeinsam mit arabischen Aerzten und wird von einem dieser Kollegen gerühmt. Abraham beh Nathan erwähnt als auffallend, daß die Juden in Spanien aus Anstand bedeckten Hauptes gehen. Er erinnert an das Vorrecht der Granden, vor dem Könige bedeckten Hauptes zu bleiben, sowie anderseits so manches noch im heutigen Volksleben Spaniens an jüdische Bräuche gemahnt, so z. B., wenn der junge Mann auf der Straße das Mädchen begrüßt: „Glücklich die Mutter, die dich geboren!", oder wenn der Soldat ein Ständchen singt: „Es streiten die Steine um die Ehre, von deinen Füßchen betreten zu werden", oder wenn man zur Feier des Osterfestes für eine Woche im Freien kampiert wie wir am Sukkot oder, wie Ibn Esra im Kommentar zum Exodus von den Ketzern von Ouargla in Afrika berichtet, daß sie im Monat Nissan ihr Land verlassen, um den Auszug aus Aegypten in der Wüste zu feiern. Wir lesen, daß die Berliner Akademie der Künste schon 1792 ein jüdisches Mitglied (Abramson) hatte, daß Isak Abravanel, der Großbankier und Freund eines Prinzen, es bedauert, sich nicht nach Herzenslust den jüdischen Studien widmen zu können, daß die Juden in Aden, wenn ein Kind geboren wird, eine Ziege, am ersten Hochzeitstage eine junge Kuh schlachten, wozu zu bemerken wäre, daß auch in Jerusalem noch vor einigen Jahrzehnten beim Eintritt eines neuvermählten Paares in ihr Heim man ein Lamm schlachtete. Wir lernen die jüdischen Hofnarren Peters der Großen (Acosta) kennen und finden unter den Wappen der geadelten Juden das der Kornfelds mit dem Bilde des Pelikans, der mit seinem Blute seine Jungen speist. Dieses Symbol weist bekanntlich auch das Wappen der Amsterdamer Portugiesengemeinde auf, ferner ein Parocheth, das auf der diesjährigen Marburger Ausstellung kirchlicher Kunst in Hessen zu sehen war. Es ist ein christliches Symbol und bezeichnet die Auferstehung. Ephraim Syrus vergleicht die Auferstehung mit der Sage, ein Pelikan habe den Tod seines eigenen Jungen verschuldet und mit seinem Herzblut geatzt und so lange gewärmt bis es am dritten Tage wieder zum Leben kam. Man sieht, wie belehrend und wie anregend die Lektüre dieser Encyklopädie ist und wie sie verdient, in allen jüdischen Häusern, die für ihr Judentum etwas übrig haben, Eingang zu finden. Daß sie in nichtjüdischen Kreisen schon jetzt hohes Ansehen genießt, dafür mehren sich die Beweise von Tag zu Tag. Dr. M. Grunwald. Hagsada de Pessach, Paris. Les textes sacres. 73 Rue des Saints-Peres. Frcs. 80.— Eine glänzende Leistung vollbrachten hier Rabbiner Back, der den hebräischen Text revidierte und einige deutsche Redewendungen, die offenbar die französische Haggada immer aufwies, stehen ließ, Edmond Fleck, als Uebersetzer ins Französische, an sich schon die beste Bürgschaft für meisterhafte Arbeit und Janin Aghion, als Illustrator. Wir empfehlen dieses Werk allen Freunden der Haggada auf das Wärmste. Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ . „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!