Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 45 (9.11.1928)
- Date
- 1928-11-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT iMinffiiiiM^ Seite 13 Unterstützung finden. Die Erhaltung unserer Anstalt ist ja nicht nur ein Werk der Nächstenliebe, sondern auch ein Werk des Patriotismus. Unsere Anstalt ist längst ein Wahrzeichen Wiens und Oesterreichs geworden, sie hat zum Ruhm unseres Landes beigetragen. Mit dieser Gründung unseres unvergeßlichen, vorbildlichen Wertheimer hat Oesterreich wie in so manchem anderen der Welt ein gutes Beispiel gegeben. Indem wir in unseren kleineu Schützlingen unsere Zukunft aufbauen helfen, pflegen wir zugleich eine Pietät, die unsdit der großen Vergangenheit Wiens und unserer Gemeinde verbunden hält. Im Vorräume unseres Hauses sehen Sie heute zum erstenmal zwei Ehrentafeln, von denen die eine aus Dankbarkeit dem früheren Vorstande der Anstalt, die andere zur Aneiferung dem gegenwärtigen gewidmet ist. Es sind zwei Tafeln des Bundes, des Bundes zwischen Vergangenheit und Gegenwart, von dem wir hoffen wollen, daß aus ihm uns allen eine gedeihliche Zukunft erblühen wird. Wir brauchen diese Tafeln nicht feierlich zu enthüllen, der Geist, der aus ihnen spricht, soll sich selbst enthüllen in den Leistungen unserer Anstalt, Leistungen, die uns nur möglich sein werden, wenn wir zählen dürfen auf das zahlungsfähige und zahlungswillige goldene Wiener Herz, das hier so stattlich vertreten ist. Lange Zeit hat man es bezweifelt, daß ein Mensch fliegen könne. Man nahm an, der Mensch brauche zu seiner Fortbewegung zwei Elemente, von denen das eine helfen muß, die Widerstände des anderen_zu überwinden, entweder Luft und Erde oder Luft und Wasser. Und er bewegt sich doch, der sieghafte Mensch, in der Luft allein ohne Hilfe eines anderen Elementes, emporgetragen und in der Höhe erhalten durch Luft, durch Gas. So glaubten auch wir nichts leisten zu können ohne zwei Elemente, die Kraft des Inlandes und die Hilfe des Auslandes. Die Hilfe des Auslandes fällt jetzt für uns weg; jetzt bleibt uns mehr eines, die Kraft und Hilfe des Inlandes, Ihre gütige Unterstützung. Helfen Sie uns, uns die Begeisterung zu erhalten, die uns Antrieb, Mut und Kraft gegeben, uns zu solchem Unternehmen aufzuschwingen! Helfen Sie uns, uns und unsere Anstalt auf der Höhe zu erhalten, uns zu bewahren die Freude an der Arbeit und die Zuversicht, die wir ausströmen lassen in den Ruf: Wohlfahrt unserer Kinderbewahranstalt für alle Zeiten!" Bevor der Obmann dem nächsten Redner das Wort erteilte, verlas er einige eingelangte Schreiben, und zwar: von der Präsidentschaftskanzlei, Bundesminister Dr. R e s c h. der sich vertreten ließ, vom Polizeipräsidenten, der durch Stadthauptmann Oberpolizeirat Dr. W e y b o r a vertreten war. vom Präsidenten des Stadtschulrates..Otto Glöckel, vom Polizeivizepräsident Dr. P r a m e r, vom Rabbinerverband, vertreten durch Rabb. Dr. Frankfurter, von Frau Baronin Charlotte Königs warter und Herrn Ernst P1 a t z k o. Zum Schlüsse sprach der Redner Herrn Börserat I. Glück anläßlich seines 70. Geburtstages die herzlichsten Glückwünsche des Vereines „Wohlfahrt" aus. Herr Professor Dr. Alois Pick. Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, hielt sodann folgende Ansprache: „Meine Damen und Herren! Es ist mir eine besondere Freude, im Namen der israelitischen Kultusgemeinde dem Verein und allen jenen, die sich um die Wiedereröffnung verdient gemacht haben, den herzlichen Dank und Glückwunsch zu überbringen. Es ist ein Beweis für die soziale Fürsorge, die immer im Judentum vorhanden war. Dieses Heim besteht seit 1843. Es wurde gegründet von einer Reihe hochherziger Männer und Frauen, um jüdische Kinder zu erziehen nach dem Fröbelschen System. Dieser Verein hat Jahre hindurch Hervorragendes geleistet. Ich brauche nur auf die ausgezeichnete Leistung des Herrn Direktor Fischer hinzuweisen, sowohl im Fürsorgewesen, als auch in der Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Es wurde mit großen Opfern der Verein aufrecht erhalten. Es wurden Testamente und Stiftungen gemacht. Mit der allgemeinen Entwertung sind alle diese Stiftungen entwertet worden. Das Heim drohte zusammenzubrechen. Aber es haben sich neue Männer gefunden, die das Heim wieder eröffnet haben. Es ist mir eine Freude, eines der ältesten Mitglieder, Hofrätin Gomperz zu begrüßen und an die Verdienste der Frau Baronin Königswarter zu erinnern. Wir hoffen und wünschen, daß das Haus gedeihen möge, zur Ehre des Judentums, zum Nutzen der Kinder, die hier erzogen werden." BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Scliotten§ Wien XIV., Braunblnchengmsse Mr. 29 Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filia«e: VII., Barggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■RMHUMV Es ergriff hietaut Komm.-Rat Karpcles das Wort und führte aus: „Ich ergreife das Wort als der verantwortliche Leiter des Vereines „Zukunft". Der Verein „Zukunft" gratuliert der nur wenige Jahre älteren Schwester zu der so hervorragenden Entwicklung, die sie genommen hat. Ich möchte feststellen, daß dieser neue Aufschwung gewissermaßen symbolisch ist für die Jugendfürsorge in Wien, daß die alten Vereine mit Kraft daran arbeiten, das Alte neu zu gestalten, und betone, daß auf diese Art und Weise die Arbeit, die nach dem Zusammenbruch gelebtet wurde, von den Wiener Juden gefördert werden muß.!cli freue mich, daß der Verein „Wohlfahrt" dieses Werk vollbringen konnte. Namens des Vereines „Zukunft" beglückwünsche ich den Vorstand und wünsche ich, für den weiteren Weg viel Glück." Namens des „Allgem. Verbandes für freiwillige Jugendfürsorge" beglückwünschte Dr. Paradeiser den Verein und sagte: „Es ist eine Reihe von Adaptierungen vorgenommen worden. Es ist keine Kleinigkeit, wenn sich ein privater Verein zu solcher Leistung entschließt, um so mehr in dieser Zeit. Dieser Verein hilft die Anstalt erhalten, die ja seit 85 Jahren alle Fährnisse überstanden hat, er ist ein Musterbeispiel, wie die freiwillige Jugendfürsorge auch noch heute neben der öffentlichen sehr Ersprießliches leisten kann. So wünsche ich, daß dieses Heim auch künftighin in harmonischer Schönheit sich fortenwickeln möge." Als nächster Redner sprach Herr Prof. Dr. Zappert: „Es ist eine doppelte Eigenschaft, in der ich spreche: Als Vertreter der jüdischen Jugendfürsorge: ich spreche auch als langjähriger Anstaltsarzt, weil ich in dieser Eigenschaft den Betrieb der Anstalt kenne und weiß, was im Laufe der letzten Jahre geschaffen wurde. Ich habe manche Erfahrung auf dem Gebiete der Fürsorge, und ich muß sagen, ich bin überrascht und begeistert von dem, was der Verein „Wohlfahrt" geschaffen hat. Schon früher war dieser Verein auf vornehmer Höhe: aber in den letzten Jahren — was mein Herz und Verstand erfreut — ist in unserer Anstalt durch ihr auch in hygienischer Hinsicht viel Neues geschaffen worden. Ich kann, der ich an den früheren und jetzigen Leitern, Familie Fischer, mit vollem Herzen hänge, mich freuen an der Arbeit, die hier geschaffen wurde." Komm.-Rat Klemperer, der für die „Jüd. soziale Fürsorge" erschienen war, sagte: „Ich war gestern bei der 70jährigen Geburtstagsfeier des Herrn Börserat Glück. Der gestrige Wochenabschnitt und die Haftara enthalten Worte, wie eigens für die heutige Feier geschrieben. Ich wünsche dieser Anstalt weiteres Gedeihen, als einen Segen nicht nur für den Bezirk, sondern tür Wien und die ganze Jugendfürsorge." Ais letzter Redner sagte Börserat Glück folgendes: „Bis jetzt haben offizielle Persönlichkeiten gesprochen, jetzt spreche ich nur im eigenen Namen, als 70iähriger Greis, um mich zu bedanken, besonders beim Vorsitzenden. Ihr Aufruf zur Mitarbeit ist für mich einer großartige Genugtuung. Aber ihre Vorstandsmitglieder machen ja alles aus Egoismus, denn wenn man selbst das Vergnügen hat, die Augen der Kinder leuchten zu sehen, dann ist es keine Kunst, ihnen Gutes zu erweisen. Ich beneide nicht die reichen Leute, die dieses Gefühl des Wohltuns nicht kennen. Sie haben an mir gesehen, wie Leute geehrt werden, nur weil sie ihre Pflicht getan haben. Ich rate Ihnen, geraten Sie mir nach, dann werden Sie auch noch im Alter eine große Freude daran haben." Weiters liefen u. a. noch folgende Gratulationen ein: Von Sr. Exzellenz dem Herrn Bundeskanzler Dr. S e i p e 1, Frau Marianne H a i n i s c b. Präsidium der Kultusgemeinde. Dr. Rudolf S c h \v a r z - H i 11 e r, Komm.-Rat Artur J a f f. Kleiderkredit2aMbar •*•» Sämtliche Herren« und Damenkleider Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., Telephon A 21-501 OttafexingerstraBo 17 Telephon A 21-501