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Die Wahrheit · 1928-09-14 · Heft 37-38 (14.9.1928) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 37-38 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 23 Die Einweihung der neuen Zeremonienhalle. Sonntag, den 9. d. M. vormittags fand auf dem neuen israelitischen Friedhof in feierlicher Weise die Schlußsteintegung der von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien errichteten monumentalen Zeremonienhalle, der Leichenhalle und des Administrationsgebäudes statt. Nebst den Vertretern der Regierung und der Behörden hatten sich in der Halle die Vorstände der in Wien bestehenden israelitischen Korporationen, der karitativen und der Bethausvereine und eine große Zahl angesehener Gemeindemitglieder aus den Kreisen der Industrie, der Gelehrten- und Künstlerkreise eingefunden, welche die Halle bis auf das letzte Plätzchen füllten. Der Präsident der Gemeinde. Generaloberstabsarzt Professor Dr. Alois Pick, mit den Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Löwenherz und den Amtsdirektoren Regierungsräten Dr. Adler und Fuchsgelb und Amtsleiter W. Frei Stadt begrüßte die Ehrengäste und geleitete sie zu den Plätzen in der Halle. Unter den Anwesenden befanden sich: in Vertretung des BundesmSnisteriums für Unterricht Ministerialrat Dr. Eberstaller und Konsulent Hofrat Professor Dr. Frankfurter, in Vertretung des Bundesministers für soziale Verwaltung Ministerialrat Nikolaus Nürnberger, in Vertretung des Polizeipräsidenten Schober Zentralinspektor Hofrat Tauber, in Vertretung des Stadtkornmandanten General Wiesinger Oberst M a r a u s mit einer Offiziersabordnting, dann Vizebürgermeister Emmer- 1 i n g mit den amtsführenden! Stadträten Professor Doktor Tandler und Linder, der Bischof der altkatholischen Kirche Dr. T ü c h 1 e r, für das Stadtphysikat Oberphysikatsrat Dr. G e g e n b a u e r, für das Stadtbauamt Bauoberkommissär Plachte und Oberbaurat Koblitschek, der Stadthauptmann von Simmering Regierungsrat Hoschek, der Bezirksvorsteher von Simmering Pantucek. Stadtbaudirektor a. D. Goldemund, in Vertretung des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Vizepräsident Doktor ReichmaniL, der Präsident der Börsekammer Julius Stern, die Bankdirektoren Wilhelm Kux, Siegmund Löwy, Ernst Garr und Schreyer, in Vertretung des Niederösterreichischen Gewerbevereines Vizepräsident Kommerzialrat Heinrich Rosenberg, für die Allgemeine Oesterreichische Baugesellschaft die Erbauer der Bauten Edmund M e I c h e r und Ing. Steiner, der Professor des städtischen Medikamentendepots Regierungsrat Rochmis: sämtliche Mitglieder des Kultusvorstandes, die Mitglieder des Bethausvorstandes unter Führung des Präsidenten Dr. E. Münz, der Gesamtvorstand der Chewra Kadischa mit Präsident Dr. Wilhelm Pappenheim und die Chewra-Delegierten, die Mitglieder der Bezirkskommissionen. Vertreter der B.-B.- Logen unter Führung des Herrn Dr. E. K o h n, eine große An- - zahl Wiener und auswärtiger Rabbiner und Kantoren, die Präsidenten und Vorstandsmitglieder sämtlicher Tempelvereine Wiens mit dem Obmann der Organisation Börserat Ignatz Glück, eine Abordnung der israelitisch-theologischen Lehranstalt mit dem greisen Rektor Hofrat Professor Dr. A. Schwarz und Professor S. Kraus, für die türkischsefardische Gemeinde Vizepräsident de Majo. zahlreiche Vertreter auswärtiger Gemeinden, für die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge Kommerzialrat Karl Klemperer, die Vorstände und Abordnungen vieler jüdischer gemeinnütziger und Frauenvereine, die gesamte Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeinde, Vertreter der Presse u. v. a. Ihr Fernbleiben hatten unter anderem entschuldigt: Bundespräsident Dr. H a i n i s c h, Bürgermeister S e i t z, Präsident des Landtages Dr. Danneberg, Polizeipräsident Schober, Magistratsdirektor H a r 11. Die Feier wurde vom Synagogenchor mit dem Vortrag des Psalm 23 in der Vertonung von Franz Schubert eingeleitet. Hierauf erfolgte die Uebergabe des Bauwerkes durch den Architekten Ignaz Reiser, nach dessen prämiierten Plänen die Bauten ausgeführt wurden, an den Obmann des Baukomitees für die Friedhofsbauten der israelitischen Kultusgemeinde, Baurat Ing. Wilhelm K e m p 1 e r. Anknüpfend an die Inschrift des Schlußsteines „Das ganze Werk ist vollbracht", führte Baurat Kempler in seiner Ansprache an die Festversammlung aus: „Im Schatten welterschütternder Ereignisse ist dieser neue israelitische Friedhof erstanden. Er mußte seiner Bestimmung zugeführt werden, ehe es möglich war, ihm jene Ausstattung zu verleihen, welche unserem Pietätsempfinden, den modernen Anforderungen der Hygiene und der Zweckmäßigkeit, aber auch der Größe und Bedeutung unserer Gemeinde angemessen ist. Heute erst, ein Jahrzehnt nach dem Erlöschen des unglückseligen Weltenbrandes ist es uns gegönnt, eine Verpflichtung erfüllt zu sehen, die uns schwer bedrückte, eine Verpflichtung gegenüber den dahingeschiedenen, aber auch den lebenden Mitgliedern unserer Gemeinde." Namens des Baukomitees stattete Baurat Kempler allen, die an dem Werke mitgearbeitet hatten, seinen wärmsten Dank ab und schloß seine Rede mit dem Ersuchen an den Präsidenten der Kultusgemeinde, als dem Oberhaupt der gesetzlichen Repräsentanz der Wiener Judenschaft, nunmehr die Schlußsteinlegung zu verfügen. Nun folgte während der Absingung eines Sulzerschen Psalmes durch den unter Leitung des Chordirektors Z e 11n i k stehenden Chor die Einmauerung des Schlußsteines, in welchen, in einer Kupferkapsel verwahrt, die Schlußsteinurkunde versenkt wurde. Der Präsident, General-Oberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick, begrüßte nun die Festversammlung in einer Rede, in welcher er unter anderem ausführte: „Dem Allmächtigen gilt das erste Wort meines Dankes, daß er uns diesen Tag hat erleben lassen, an welchem die altehrwürdige Wiener Israelitischen Kultusgemeinde den Kreis ihrer der Ehre Gottes, der Hilfe für Kranke und Bedürftige, der Pietät für die Dahingeschiedenen gewidmeten Institutionen durch dieses schöne Werk ergänzen konnte. Wärmsten Dank sage ich namens des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wiens Ihnen allen, die Sie gekommen sind, unserer heutigen Feier Glanz und Weihe zu verleihen. Lassen Sie mich aber auch an dieser Stelle den herzlichsten, innigsten Dank all jenen abstatten, wefche sich um das glückliche Gelingen dieses Bauwerkes in liebevoller Hingebung, mit rastlosem Eifer und durchdrungen von hohem Verantwortungsgefühle mühten." Besonders warme Dankesworte widmete der Präsident dem Obmanne des „Spezialkomitees für die Friedhofbauten", Herrn Baurat Kempler. und schloß seine Dankeskundgebungen mit den Worten: „Wer als aufmerksamer Beobachter unsere Stadt durchwandert, dem kann es nicht entgehen, daß hier durch den traditionellen, nie versagenden Opfersinn der jüdischen Bevölkerung, welche allezeit mithilft, das Gute, Edle und Schöne zu fördern, imposante Bauwerke erstanden sind, die nicht nur durch ihre äußere Gestaltung, sondern auch durch ihre Zweckbestimmung und ihr Wirken unserer engeren Gemeinde und unserer Stadt zur Zierde gereichen. Ich weise nur auf unser mustergültiges Spital, auf unsere Versorgungs- und Siechenanstalt, unsere Waisenhäuser und Kinderheime hin, die zu erhalten und auszugestalten uns ebenso die Erfüllung unserer religiösen Pflichten wie Herzensbedürfnis bedeutet. Was wir in diesem Belange von unseren Vätern ererbt, wir haben es bewahrt, um es zu besitzen. Heute mehren wir diesen Besitz durch ein Werk, das der Ehrung jener gilt, die abberufen wurden in das Reich des ewigen Friedens." Mit dem Wunsche, daß Gott das geschaffene Werk schützen möge, führte Herr Pick die üblichen Hammerschläge auf den Schlußstein. Nunmehr hielt Gemeinderabbiner Dr. Israel T a g I i c h t die Weiherede. Sie schloß sich an den eben verklungenen Psalm an: „Wenn ich auch wandle im Tale des Todesschattens, ich fürchte nicht, denn Du. mein Gott, bist bei mir." Erhebender Gedanke für alle, die gebeugten Gemütes hierherkommen. Tröstendes Bewußtsein, daß die Verstorbenen in Gottes Hut sind und daß sie auch weiter mit uns in uns leben, da das Göttliche in ihnen nicht untergehen kann. Leben und Tod sind zwei vollständig getrennte Welten. Gott schließt <Mn Bündnis mit dem israelitischen Volke. Inbegriffen sind alle, die noch nicht ihre Augen dem Lichte geöffnet, wie jene, die längst im Staube schlafen. Der Tod ist nicht ein Auslöschen, nicht ein Verschwinden. Er ist. nach der Lehre des Judentums, der Uebergang zu einer neuen Form des Lebens. Und was die Seele der früheren erfüllte, lebt in den Nachkommen als Keim S. Grüner Restaurant 3*2 II., Zirkusgasse 34 Telephon^; 43-1.60 VorzQgl. Wiener, ungarisch« und orientalisch« (rumänische) Köche. Mittag und Abend Menö nach Wahl. Erstklassige Getränke.

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