Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis «Heser Nummer 50 Orotdiea. WoJmsaaA jKdt des Veröffentlichungen der „Union deutsdiftster*; Juden* and den »Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" linHnHiiMiiiiiiiiiiiilllllllllHIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllllllilllHIIIIIllllH Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 — Telephon 42-2-16 XLIV. Jahrgang Wien, 31. August 1928 Nummer 35 :>,t\ ... Wahlpräludien, f 1 in. Mir ist eine besondere Ehre widerfahren. Die jetzt so kampflustige „S timm e" hat sich in ihrer letzten Nummer eingehend mit meinen Ausführungen in Nummer 33 der „W a h r h e i t" („W a h 1präludien" I.) beschäftigt. Das ist eine besondere Ehre. Denn bisher unterließ es „Die Stimme" seit ihrem Erscheinen geflissentlich, auf Artikel der „W a h r h e i t", die sich mit der österreichischen jüdischnationalen Organisation befaßt hatten, zu reagieren. Eine Höflichkeit ist die andere wert. Deshalb soll auch „Die Stimme" nicht ohne Antwort bleiben; sie muß im übrigen auch eine bekommen, denn ihr Aufsatz, der „G e m e i n d e v o r s t a n d oder Vereinsvorstand?" betitelt ist, strotzt von Behauptungen, die nicht unerwidert bleiben dürfen. Deshalb will ich, den „Die Stimme" recht liebevoll mit dem taxfreien Titel eines „P r e s s e b e a m t e n" belegt, mich heute der unangenehmen Aufgabe unterziehen, den Artikel der „Stimme" etwas nachzuprüfen. Gleich die einleitenden Zeilen enthalten eine, gelinde gesagt, Entstellung. Es steht nämlich zu dem Bemühen, einen mehr als zweispaltigen Aufsatz gegen einen jüdischen Verein loszulassen, ihm also immerhin angesichts des kostbaren Raumes der „Stimme" so viel Bedeutung beizumessen, in einem krassen Widerspruche, daß dieser Verein, nämlich die „Union deutschösterreichischer Juden" in den Augen der von so viel Wortschwall geblendeten Lesern der „Stimme" herabgesetzt werden soll. Diesem Versuche mit untauglichen Mitteln dienen Behauptungen wie „ein Verein von einigen hundert Mitgliedern", „fragwürdige Anschauungen eine Vereines, der, hoch genommen, ein Viertel Prozent der Juden Wiens an sich zu ziehen vermochte". Der gute Mann, der auf seine innerjüdischen Kenntnisse so stolz zu sein scheint, ist bei seinen Angaben über die Stärke der „Union" sehr schlecht informiert gewesen. Aber seit wann rechnet man überhaupt die Stärke eines politisch aktiven Vereines nach seiner allen möglichen, insbesondere wirtschaftlichen Momenten unterworfenen Mitgliederzahl? Wenn man diese Methode gerade bei unseren Zionisten anwenden würde, müßten sie sehr schlecht abschneiden. Wir besitzen nämlich zum Unterschied von den vagen Angaben der „Stimme" faktische Ziffern. Das wichtigste Ereignis im zionistischen Getriebe sind bekanntlich die Wahlen zum Zionistenkongreß. Bei dieser Gelegenheit versuchen die verschiedenen sich bekämpfenden zionistischen Gruppen alle ihre Anhänger aufzubieten, um für ihre Partei möglichst viel Stimmen herauszuschlagen. Im Vorjahre fanden in Wien solche Wahlen statt. Sechs Parteien traten auf den Plan und betrieben eine Agitation gegeneinander, die ihresgleichen suchte. Und was war das Ergebnis? Sage und schreibe: 17S1 Stimmen! Dieses beschämende Faktum konnte auch die „W i e n >e r Morgenzeitung" s. A. nicht beschönigen; sie schrieb damals furchtbar entsetzt: „Die Gesamtziffer von 17S1 Stimmen ist ein sehr bedauerliches Symptom für den Zustand der österreichischen Landesorganisation. Sie beweist nicht nur den organisatorischen Rückgang, sondern auch einen Mangel an Interesse für die zionistischen Lebensfragen." Wir aber können unter Beweis stellen, daß d i e geradeinletzterZeitstarkgestiegene Mitgliederzahl der „Union" diese von sechs zionistischen Parteien mit aller Kraft aufgebrachte Stimmenanzahl bei weitem übertrifft. Dabei ist zu bedenken, daß die Wahlen zum Zionistenkongreß erst vor einem Jahre stattfanden, und man geht gewiß nicht fehl in der Annahm^, daß sich seither viHes zu Ungunsten der jüdischnationalen Partei geändert hat, sie hat — nur zum Beispiel — inzwischen ja auch ihr Tagesblatt verloren. „Die Stimme" tut also nicht gut daran, solche Verkleinerungsversuche vorzunehmen, die bei einer konformen Anwendung sich nur gegen ihre eigene Partei kehren müssen. Sie sollte aber auch nicht immer wieder den „gesunden jüdischen Verstand der Kultus wähl erschaff und die „politische Reife der Wiener 'Judenschaft" zitieren, denn diese Vor-