Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-08-24 · Heft 34 (24.8.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064281--16504-3089259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Preis dieser Nummer 50 Groschen. jntt 4m Veröffenfiicfifuigefi der „Union dettfschösterr. Juden41 and den »Amtlichen Verlautbarungen der IsraeBüadien Kulfusgemeinde Wien" kUHiuiiintiiHiiiiniiiHiiHuiuiiiiiiiiiiiiiiiiuitiuuuiiuiiitiiiinuimiiiiiiuiiiiiUiiiJLiiuiiJ Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße Nr. 13 — Telephon 42-2-10 XLIV. Jahrgang Wien, 24. August 1928 Nummer 34 Wahlpräludien. Ii. Wir haben im leitenden Aufsatze unserer letzten Nummer eingangs von den großen Ereignissen gesprochen, die der Wiener Judenschaft bevorstehen. Aber auch kleine, man kann sogar sagen^ ganz kleine und kleinliche Ereignisse spielen sich zur Zeit, wenn auch für weitere Kreise unsichtbar, auf Wiener jüdischem Boden ab. Diese Unsichtbarkeit braucht niemanden Wunder zu nehmen, denn die Vorgänge, um die es sich hier hanidielt, betreffen nur die „V e reinigung werktätiger Juden", also eine Gesellschaft, die trotz aller Ruhmredigkeit doch den breiteren Schichten der Wiener Judenschaft nach wie vor völlig unibekannt ist. Wir wollen aber heute der Entwicklung der „Werktätigen" etwas zu Hilfe kommen und unseren Lesern, sicher zu ihrem größten Erstaunen, die Vorfälle zum besten geben, die sich in jüngster Zeit im Schöße der „Vereinigung werktätiger Juden" abgespielt haben. Begonnen hat die Sache am 23. Juni, dem „denkwürdigen" Tage der „Delegiertenversammlung" der „Werktätigen". Ort der Handlung: unbekannt, denn zum Unterschieid von allen anderen Wiener jüdischen Vereinigungen zogen es die auf ihre angebliche Offenheit sonst so stolzen Genossen diesmal vor, den Beratungsort geheim zu halten und, wie es in der Voranzeige hieß, „den Ortsgruppen separat bekanntzugeben". Die Vorsicht war hier Mutter der Weisheit. Denn wienn es auch in dem vor dem „Delegiertentag" erschienenen Aufsatze der „J ü dl isehen V o 1 k s z e i t u n g" (Nr. 6 vom 4. Juni) geheißen hatte: „Da in allen prinzipiellen Fragen in den Ortsgruppen und der Exekutive Einigkeit herrscht, wird der Delegiertentag über die so wichtigen organisatorischen Fragen in voller Ruhe beraten können", so hatte sich der Artikelschreiber hier als sehr schlechter Prophet erwiesen. Die „E i n i g k e i t" bestand in einer Spaltung, die „R u h e" in einem fürchterlichen Krach auf dem „Delegiertentag", auf dem sich die Herren Genossen untereinander fest in den Haaren lagen. Und das kam so: Zuerst herrschte noch allenthalben eitel Wonne und Frieden,. Der Vorsitzende Dr. Edwin B o d e r faselte etwas von einem „möglichst innigen Kontakt zwischen den Juden und der übrigen werktätigen Bevölkerung", welchem Zwecke die „Vereinigung werktätiger Juden" am besten diene. Dr. Glanz wurde die Ehre zuteil, den Bericht der Kultusmanid'atare zu erstatten, und donnerte natürlich gegen „den reaktionären Geist in der Kultusgemeinde" los,-den „zu vertreiben die Mandatare sich redlich bemüht", aber bei der erdrückenden Minorität voii 31 :5 ist dies — wie Dr. Glanz kleinlaut zugeben mußte — ausgeschlossen gewesen. Die Fortsetzung des „Delegiertentages" fand am 24. Juni statt; es ist erstaunlich, wieviel Zeit die Herren Genossen dieser Parlamentspielerei opfern. Kultusrat Gustav M o r i z ritt sein beliebtes Steckenpferd, das allgemeine Kultuswahlrecht, und leistete sich dabei folgernden Satz: Der Kultusvorstand sei, solange er nicht auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes gewählt wurde, nicht die Vertretung der Gesamtjudenschaft Wiens, sondern ein Rumpfparlament, das nur einseitigen Interessen diene. Hört! Hört! Auf Antrag Dr. L ö w y s wurde hierauf — immer nach dem Berichte der „Jüdischen Volkszeitun g" (Nr. 7 vom 6. Juli; man beachte den einmonatigen Intervall seit dem letzten Erscheinen!) — der abtretenden Exekutive das Absolut o r i u m erteilt. So weit war, wie gesagt, alles in schönster Ordnung. Nun aber kam das Tohuwabohu undl nun ist es auch schwer, sich an den Versammlungsbericht der „Jüdischen Volkszeitun g", des „Organs der Vereinigung werktätiger Jude n", allein zu halten. Wir müssen vielmehr einen zweiten Bericht zu Rate ziehen, und zwar den des „Jüdischen Arbeiters". des „Organsdersozialdemokratischen P o a 1 e Z i o n" (Nr. 11 vom 13. Juli), wenn er auch dem erstgenannten stellenweise direkt ins Gesicht schlägt. Der geschätzte Leser wird gebeten, sich aus diesen beiden Kriegsberichten das richtige Bild zu machen, was zwar nicht leicht fällt, aber dafür recht lustig wirkt. Also: Mendel Singer (P o a 1 e Z i o n) legt einen Programmentwurf für die Vereinigung vor. Das tut die „Volkszeitung" mit einem Satz ab, der „Arbeiter" aber lobpreist das Referat was weiter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.