Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 29 (22.7.1928)
- Date
- 1928-07-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite U iiilitiiliM^ DIE WAHRHEIT nun in seinem Blatte sehr interessante Beobachtungen. Er kam an einem Freitag morgens in Lancaster an, als die Sabbatarier bereits begannen, ihre Vorbereitungen für den Empfang des Sabbat zu treffen. In dem großen Volkshaus, wo die Schüler und Schülerinnen der Volks-, Mittel- und Hochschulen sowie viele andere Bewohner der Stadt versammelt waren, hielt einer der Hochschulprofessoren einen Vortrag über den Sabbat der Juden und die Bedeutung seiner Heiligung. Zum Schlüsse gab er bekannt, daß der Sabbateingang mit dem Untergehen der Sonne an jenem Tag um fünf Uhr und einige Minuten nachmittags eintrete, und er mahnte die Zuhörer, rechtzeitig die Vorbereitungen für den heiligen Sabbat zu beenden. Der Journalist nahm dann an einer Konferenz des Lehrkörpers teil, im Verlaufe deren die Professoren mit Stolz darauf hinwiesen, daß sie die einzige Gruppe unter den Christen seien, die die zehn Gebote und ganz besonders das vierte Gebot über die Sabbatheiligung genau einhalten. Sie tun das Menschenmögliche, um sich an die Lehre Moses zu halten, denn sie betrachten den Sonntag als einen Ruhetag, den die Christen von den heidnischen Götzendienern übernommen haben. Vom Vorabend am Freitag bis zum Abend des Sabbats verrichten die Sabbatarier keinerlei Arbeit. Sie besuchen weder ein Theater noch ein Kino. Den Studenten und Studentinnen von Lancaster ist übrigens auch an Wochentagen der Besuch von Theatern, Tanzsälen und Unterhaltungen verboten. Ueberhaupt führen die Sabbatarier ein durch strenge Gesetze und Verordnungen geregeltes Leben der Reinheit und Enthaltsamkeit. Am Sabbat halten sie sich streng an die biblische Vorschrift, daß keiner seinen Ort verlasse. An diesem Tage werden nur religiöse Bücher gelesen. Sie sind auch durchwegs Vegetarier und genießen nichts von einem Lebewesen. In Lancaster gibt es — so erklärt der Journalist — kein einziges Restaurant oder Hotel, in dem Fleischspeisen zu bekommen wären. Sehr interessant ist. was einer der Führer der Sabbatarier über die Haltung der Juden zum Gesetze der Sabbatweihe sagte: ..Es tut uns Sabbatariern besonders weh. wenn wir sehen, wie die Juden am Sabbat in ihren Geschäften und Werkstätten arbeiten. Die Juden hätten uns als Beispiel nehmen müssen für die Sabbatheiligung, in Wirklichkeit aber betrachten sie uns als absonderliche Menschen, die um ihren Verstand gekommen sind." Die Sabbatarier unterhalten in der ganzen Welt eine sehr ausgedehnte Propaganda ihrer Ideen. Sie haben in Amerika fünf eigene Hochschulen mit über 5000 Hörern und Hörerinnen, einige medizinische Fakultäten, Spitäler und Sanatorien und auch eine Missionsorganisation. Viele hunderte junger Missionäre werden nach Asien und Afrika geschickt, um dort die Lehre zu verkünden. Verlobung. Herr Emil Richter. Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde Baden b. Wien, verlobte sich mit Fräulein Szerenke Birnbaum in Svolava (C. S. R.). Oberkantor Arnold Grußmann, der zuletzt in Subotica zur großen Zufriedenheit seiner Gemeinde wirkte, wurde von der Askenasischen Kultusgemeinde in Beograd (S. H. S.) zum Oberkantor für den neuerbauten Tempel bestellt. Die Beograder Askenasische Gemeinde ist zu ihrer Wahl zu beglückwünschen, denn Oberkantor Grußmann, dessen Talent wir schon während seiner Wirksamkeit in Mödling wiederholt zu würdigen Gelegenheit hatten, hat eine wunderschöne Tenorstimme und hohe musikalische Begabung. Residenz-Atelier für moderne I*lftOtfOfir€lI»lfti€5 Wien I., Fleischmarkt 1 — Tel. 79-2-80 Aufnahmen taglich 9—6 Uhr, Sonntag 10—5 Uhr Tempelkonzert in Marienbad. Kürzlich fand in def Marienbader Synagoge unter der künstlerischen Leitung des Öberkantors Max Feder ein Tempelkonzert statt, welches einen überaus weihevollen Eindruck auf die andächtig lauschenden. Zuhörer machte. Herr Oberkantor Feder ist ein ausgezeichneter Sänger, dessen modulationsfähige Tenorstimme durch ihren edlen Klang zu Herzen spricht. Prächtige Bel-Canto-Schulung verbindet sich in seinem Kunstgesang mit virtuoser Technik. Der vortreffliche Chor, sowie die feine, künstlerisch durchgeführte Orgelbegleitung durch Herrn Direktor Knauscher und das seelenvolle Cellosolo des Herrn Hummel ergänzten wirkungsvoll das schöne Konzert. Professor Roderich Baß, Wien. Der neue Oberkommissär von Palästina. Das britische Kolonialamt hat soeben die Ernennung von Siir John Robert Chancello r, dem bisherigen Gouverneur und Oberbefehlshaber von Süd-Rhodesien, zum Oberkommissär von Palästina an Stelle des im Herbst dieses Jahres aus seinem Amte scheidenden Feldmarschalls Lord Plumer offiziell bekanntgegeben. Lt.-Colonel Sir John Robert Chancellor steht jetzt im 58. Lebensjahre. Seit 1920 ist er Gouverneur und Oberbefehlshaber von Süd-Rhodesien. 1896 trat er den Royallngeneers bei, machte 1926 die Dongola-Expedition, 1879 bis 1898 die Trrih-Expedition mit. Er zeichnete sich aus, wurde in mehreren Telegrammen erwähnt und mit der Medail with three clasps und dem Distinguished Service Order ausgezeichnet. Er wurde dann Stabskapitän des Nachrichtenamtes des Kriegsministeriums, dann Assistent Secretary beim Komitee für Reichsverteidigung, dann Sekretär beim Colonial Defence Committee. später Gouverneur und Oberbefehlshaber von Mauritius, darauf von Trinidad und Tohago. Ein jüdisches Städtchen überschwemmt. Das meist von Juden bewohnte Städtchen Bausk in Lettland ist zum großen Teile durch Ueberschwemmung zerstört worden. Der alte Beth- Hamidrasch wurde weggespült, die Thorarollen konnten geborgen werden. 200 Familien sind obdachlos. Das Rote Kreuz sorgt vorläufig für die Ernährung der Unglücklichen. Die jüdische Gemeinde wandte sich telegraphisch an die jüdischen Sejm-Abgeordneten mit der Bitte, für schnelle Hilfe zu sorgen Hygienisches Hönigslicht Seit vielen Jahren das anerkannt beste M^-riöt^ Man achte auf die ges. geseh. Marke ,Hygien. Königslicht* und Name Schulz Fabrik und Büro; Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon 83-1-87 mm