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Die Wahrheit · 1928-07-13 · Heft 28 (13.7.1928) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 ii!i!i!i!iri)i)MlM DIE WAHRHEIT Vorsitzende der Kommission, die sich von der Vorbereitung bis zur Vollendung mit dem Werke befaßt hat, führte aus, es bestehe nach den neuesten Forschungen die berechtigte Annahme, daß schon mit den ersten Römersiedlungen Juden nach dem aiten Colonia gekommen seien und luer ihre Kultstatten aufgerichtet haben. Jüdischer Patriotismus. Der jüdische Industrielle Isaia Levi in Rom spendete eine Million Lire zwecks Restaurierung des alten königlichen Palastes „Madama" in Turin und stiftete eine weitere Million Lire für. die zukünftige Instandhaltung des Palastes. Er wurde dafür mit dem höchsten Italienischen Orden, dem Orden des Groß-Kavaliers der italienischen Krone, ausgezeichnet und der Adeäsklub veranstaltete ihm zu Ehren ein Festbankett. Der König und der Kronprinz von Italien sowie der Kultusminister Senator Fedele sandten zum Bankett Begrüßuugstelegranune fiu* Isaia Levi. jüdischer Wohltätigkeitssinn. Der vor kurzem in London verstorbene Herr Lestie John Friedländer aus Harley House, Regent's Park, hat 100.000 Pfund für allgemeine Wohlfahrtszwecke hinterlassen. Die Hälfte ist für englische Hospitäler, die andere Hälfte für Wotalfahrtsanstalten zugunsten von Personen jüdischen Glaubens bestimmt. Die Jeschiwa van Hebron kommt nach Haifa. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die Uebersiedlung der in Hebron (Palästina) bestehenden Jeschiwa, einer Tochteranstait der berühmten Jeschiwa zu Slobodka in Litauen, nach Haifa in Erwägung gezogen wird. Leiter der Hebron- Jeschiwa ist der Gaon Mosche Mordechai' Eppstein, das frühere Oberhaupt der Slobodkaer Jeschiwa. Rabbi Israel Hurwitz aus Polen begibt sich demnächst nach Amerika zur Durchführung einer Sammelaktion für die Jeschiwa. Ein IQ-MilHonen-Budget der Berliner jüdischen Gemeinde. Die Repräsentantenversarnmüiung der Berliner Jüdischen Gemeinde beriet am 28. Juni abends den Etat für das Jahr 1928, der in einer Höht; von 10 Millionen Mark balanciert. Den stärksten Anteil am Gesamtetat hat das Wohlfahrtsamt. Die Deckung, welche durch Steuern eingebracht werden soll, beträgt etwa 6 Millionen Mark. Die Steuerquote für das laufende Jahr ist wie im Vorjahre mit 10 Prozent der Reichseinkornmensteuer festgesetzt worden. Der Etat, der schließlich in beiden Lesungen mit Einstimmigkeit zur Annahme gelangte, sieht unter anderem die folgenden Hauptausgabenposten vor: Kultus und Ritual 2,763.815 Mark, Unterrichts- und Bibliothekswesen 1,126.639 Mark, Wohlfahrtswesen 3,886.090 Mark, allgemeine jüdische Angelegenheiten 415.000 Mark, Verwaltung 1,787.943 Mark, Vermögensverwaltung 779.258 Mark. Bemerkenswert ist, daß zum erstenmal ein Posten für Jugendpflege, und zwar in der Höhe von 30.000 Mark, eingesetzt wurde. Vom liberalen Judentum. In der vom 18. bis 20. August in Berlin stattfindenden Tagung der „World Union for Progressive Judaism" (Weltverband für religiös-liberales Judentum) werden von der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" insgesamt zehn Delegierte ernannt. Als solche sind gewählt worden: Doktor B1 u m e n t h a 1 (Berlin), Dr. Dienemann (Offenbach), Dr. G a 11 i n e r (Berlin), Dr. Italiener (Hamburg), Doktor Norden (Elberfeld), Dr. Salomonski (Berlin), Dr. Samuel (Essen), Dr. Wiener (Berlin), Dr. Wilde (Magdeburg), Dr. Wo4ff (Dresden). Ferner nehmen in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der World Union an der Tagung die folgenden Herren Rabbiner teil: Dr. Baeck (Berlin), Dr. Seligmann (Frankfurt, a. M.), Dr. Vogel st ein (Breslau), schließlich Prof Dr. El bogen (Berlin). Die „Vereinigung für das liberale Judentum e. V." hat 15 Delegierte zu steälen, deren Namen aber noch bekanntgegeben werden. Im ganzen stellt Deutschland 25 Ddegierte, zu welchen noch die acht Mitglieder des W'eltverbands-Vorstandes hinzukommen. 37 neue Synagogen in Amerika. In den letzten zwölf Monaten wurden in Amerika 25 neue Synagogen eingeweiht und zu zwölf weiteren Synagogen der Grundstein gelegt, die zusammen 18 Millionen Dollar kosten werden. Darunter befinden sich zum Teilt sehr kostspielige Bauten, für die bedeutende Spenden gemacht wurden. Den Erinnerungstempel der Mizpah Congregation in Chattanooga ließ Adolph S. Ochs, Herausgeber der „New York Times", auf eigene Kosten errichten. Eimer der größten uindl modernsten Synagogenbauten ist der Tempel Emanu El in New York, der 2500 Sitzplätze erhalten wird und mit 8 Millionen Dollar veranschlagt wird. Präsident der Gemeinde Emanu El ist Louis Marsha 11. Instruktionen für den rabbinischen Statuts in Litauen. Der Ratgeber für religiöse Angelegenheiten beim Unterrichtsministerium, Dekan Miro na s, hat im Auftrage der Regierung Instruktionen über eine sogenannte „Rabbiner-Verwaltung" ausgearbeitet. Sie soll durch die Rabbinerveisamtulung für die Zeitdauer von fünf Jahren gewählt werden und von der Regierung als offizielle Institution anerkannt sein. In den Instruktionen weiden die Rabbinerqualifikationen festgelegt. Die bereits amtierenden Rabbiner werden amtlich anerkannt, in Zukunft sali nur der Rabbiner bestätigt werden, der von der Bevölkerung gewählt und von der Rabbinerverwaltung bestätigt ist. Die Rabbinerverwaltung wird die rabbinischen und auch gewisse religiöse Angelegenheten zu verwalten haben. Ein eigenartiger Unfall. Auf dem Warschauer jüdischen Friedhof ereignete sich ein eigenartiger Unfall, der tragische Folgen hatte. Di© 58jährige Witwe Rosa Lichten holz besuchte mit ihrer Tochter das Grabmal ihres verstorbenen Mannes, um für die Wiedergenesung eines sehr schwer erkrankten Enkels zu beten. Plötzlich wurde die alternde Frau von Ueblichkeiten befallen, klammerte sich an den Grabstein, der aber nicht feststand und sich nach vorn zu neigen begann. Bevor noch die Tochter der Mutter zu Hilfe eilen konnte, war die Frau von dem über si<: faxenden Stein zu Tode erdrückt worden. Die Tochter wurde an den Füßen schwer verletzt. Tragisches Schicksal jüdischer Soldaten. Bei einer Uebting des 87. rumänischen Infanterieregiments in Satul Marc wurde der jüdische Soldat Jakob Engler, Sohn einer angesehenen jüdischen Familie aus Czernowitz, durch einen vom Soldaten Oriceac Petru abgegebenen Schuß getötet. Von der gleichen Kugel wurde der jüdische Soldat S i m o n schwer verletzt. Es steht nicht fest, ob die Schüsse mit Vorbedacht abgegeben worden sind. Unter der Ueberschrift: ,.Ein gequälter Soldat begeht Selbstmord", meldet „Dimineatza": Der jüdische Soldat Salomen H'endelmann aus Focsani wurde mit durchschnittener Kehle in das Militärspital von Jassy gebracht. Er diente bei der Artillerie in Buzeu und erhielt einige Tage Urlaub. Seinen Eltern sagte er, daß er als J u d e s o g e q u ä 11 werde, daß er eher sterben als zu seinem Regiment zurückkehren wolle. Am Tage, als er wieder einrücken sollte, durchschnitt er sich die Kehle. Sein Zustand ist hoffnungslos. Gegen die Schechlta. In der Hamburger Bürgerschaft beantragten die Nationalsozialisten, den Senat zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Schlachttiere vor der Tötung betäubt werden. Der Antrag wurde abgelehnt. Das Problem der Staatenlosen. In der Aula der Münchner Universität hielt die Kaisei- Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften ihre 15. Hauptversammlung ab. Den Mittelpunkt bildeten drei wissenschaftliche Vorträge, darunter einer des hervorragenden Rechtslehrers Professor Dr. Triepel (Berlin) über „Internationale Regelung der Staatsangehörigkeit". Triepel beschäftigte sich mit den Schwierigkeiten, die gerade in jüngster Zeit dadurch entstanden wären, daß zahlreiche Staaten ihre Stiaatsangehörigkeitsgesetze ohne Rücksicht auf andere Länder ausgebaut hätten, was für unendlich viele Menschen entweder eine mehrfache Staatsangehörigkeit oder vollkommene Staatenlosigkeit zur Folge habe; er bsrichtete dann über die Versuche, diese Gesetze durch inter-r nationale Vereinbarung zu überbrücken, und namentlich über die auf Veranlassung des Völkerbundes in dieser Richtung ge-~ tanen Schritte.

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