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Die Wahrheit · 1928-06-15 · Heft 24 (15.6.1928) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Orosdien. WlDahrkdti Erscheint jeden Freitag lüdidelihJmdu$ psit den Veröffenfliditingen der »Union deutschester*. Juden" und den „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitlsdien Kultusgemeinde Wien" Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße Nr. 13 — Telephon 42-2-16 XLIV. Jahrgang Wien, 15. Juni 1928 Nummer 24 Isop. Die Jüdische Sonderschau au! der „Pressa". Von Gemeinderabbiner Dr. Kober (Köln). Arn 15. Mai ist die Jüdische Sonderschau der Internationalen Presse- Ausstellung Köln in Gegenwart des Vorsitzenden des Präsidiums derselben, des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer und der Vertreter der staatlichen und kirchlichen Behörden sowie der Synagogengemeinde feierlich eröffnet worden. Daß eine Jüdische Sonderschau ijtn Rahmen der großen Ausstellung stattfindet und bei ihrer Eröffnimg Männer von dem Range eines Oberbürgermeisters Dr. Adenauer und des Rektors der Universität, Professor Dr. Walb, mit warmherzigen Ansprachen ihre Sympathie hierfür zum Ausdruck bringen, ist an und für sich ein deutliches Zeichen, wie das Judentum im Rheinland» gewertet wird. Daß aber das Judentum der Umwelt noch etwas zu sagen hat, beweist der Inhalt der Jüdischen Sonderschau. Nicht nur das Vorbild der katholischen und evangelischen Kreise war maßgebend dafür, daß das Schrifttum in den Mittelpunkt der Ausstellung in den achteckigen, mit dem herrlichen Bilde von Lesser Ury, kostbaren Wandteppichen mit deutscher und hebräischer Inschrift, mit ehrwürdigen Thora-Vorhängen und Bildern der Großen Israels geschmückten Ehrenhof gestellt wurde, sondern die klare Erkenntnis, daß auch der Ausgangspunkt für den geistigen Prozeß, wie er in der vielsprachigen und vielgestaltigen jüdischen Presse zutage tritt, die Lehre Israels ist. Das Sinnbild hierfür — eine alte Wormser Thora-Rolle in Barock — steht aufgerollt in einer Glasvitrine im Mittelpunkt des in dunkelroter Farbe gehaltenen Raumes und weist auf die alte Fahne Israels hin. Sie wind umgeben von kostbarem Thora-Silber, einer Mischna-Handschrift des 32. Jahrhunderts und seltenen Inkunabeln. In d»en Vitrinen rings an den Wänden des Ehrenhofes und im angrenzenden Lesesaal sind alle Gebiete des jüdischen Schrifttums, Bibel. Bibelübersetzungen, Talmud, Codices, Midrasch—Literatur, Religionsphilosophie, Mystik, Streitschriften durch Inkunabeln, Erstdrucke und seltene Ausgaben vertreten. Die althebräischen Inschriften Ypn Sinai, die Professor Dr. Grimme durch Schriftproben erläutert hat, die Siloahinschrift, der Mesa-Stein und andere hebräische Schriftproben zeigen, wie weit der Weg zur Kunst Gutenbergs und zur jüdischen Zeitung gewesen ist. Auch die eigentliche Presse repräsentiert sich nicht nur in ihren Anfängen. Die Uebergänge vom Brief zur Zeitung, vom Einbilattdruck und den Flugblättern bis zur „Gazeta de Amsterdam" von 1674, der „Dyhrenfurter Zeitung" und dem „Measses" Mendelssohns haben ihre Darstellung gefunden. Und nun entfaltet sich der reiche jüdische Blätterwald bis zur Gegenwart, teils nach Sprachen und Staaten, teils nach seinem Inhalt geordnet und gibt einen Gradmesser für*das in den einzelnen Ländern jeweilig pulsierende jüdische Leben. Zur Publizistik gehört jedoch auch jene mit der „Pressa" verwandte Literatur, in der das Geschick der Juden seinen Ausdruck gefunden hat. Hiefür haben insbesondere Holland, Frankreich und Deutschland in reichem Maße beigesteuert. So ist es möglich, ein Bild von der Geschichte der Juden während der letzten Jahrhunderte zu gewinnen. Wir können fast lückenlos von etwa 1500 an bis zur Gegenwart aus den Flugblättern, Edikten^ Judenordnungen und sonstigen Veröffentlichungen die Geschichte der Juden in deutschen Landen ablesen. Mit dem Reuchlin—Pfefferkomschen Streite beginnend, sehen wir zum Beispiel Verordnungen über das Tragen des gelben Ringes an den Kleidern, über Austreibung der Juden aus manchen Gegenden, erfahren wir aus bunten Drucken das Geschick des Juden Süß, sehen dann weiter den Umschwung in der Reformgesetzgebung des Kaisers Josef II. und als Pendant dazu das Dohmsche Buch über che bürgerliche Verbesserung der Juden, sodann die innere Emanzipation der deutschen Juden in den Tagen Moses Mendelssohns, die äußere Befreiung in Preußen in dem Originaledikt vom 11. März 1812, die Reaktion in der Publizistik eines Fries und eines Rühs, in den Kämpfen der Frankfurter Gemeinde um ihre Gleichberechtigung, das Jahr 1848 und das Ringen um Glaubensfreiheit und Bürgerrechte, bis zur Gegenwart. Das hierbei in den letzten Jahrzehnten Führer des Berliner Centraivereines an der Spitze dieses Kampfes gestanden haben, bedarf kaum der Erwähnung. Bekundet dieses. Material, das sich in demselben Räume findet, in dem der Centraiverein seine glä-

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