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Die Wahrheit · 1928-06-01 · Heft 22 (1.6.1928) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT und München, woer Doktor wurde. Von Basel aus erhielt er den Ruf nach Rotterdam und dann an die aschkenasischeGemeinde in Sarajevo. Er wirkte dort nahezu dreißig Jahre segensreich. 1900 verehelichte er sich mit Paula Robinson, der Tochter des Privatgelehrten Isaak Robinson, Charlottenburg-Berlin, der aus angesehenster Rabbiner- und Gelehrtenfamilie stammte. Für seine schweren Berufsarbeiten in seiner Gemeinde, die ihm ihre gedeihliche Entwicklung verdankt, fand er bei seiner eigenen wie auch bei der sephardischen Brudergemeinde vollstes Verständnis. Aus seiner seelischen Reinheit, seiner warmen Ueberzeugungslcraft, seiner adeligen Seele, seinem angeborenen Taktgefühl entsprang sein . edles Wirken als aufopferungsvoller Rabbiner, Lehrer, Mensch, Gatte, Vater und Bruder. Als Gelehrten kannte man ihn durch seine reichen Geistesgaben, unter welchen hauptsächlich das „Targum zum Buche Rut h", die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bosnien in der „Jewish E n c y c 1 o p e d i e" zu nennen sind. Seine pädagogischen Erfahrungen gipfeln in dem „Allgemeinen Lehrplan für den jüdiscnen Religionsunterricht", den die Regierung in sämtlichen Schulen einführte. — Der Verblichene genoß nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession höchste Verehrung und Liebe. Die Anerkennung der höchsten Stellen fand ihren Ausdruck in der Verleihung des Sava-Ordens sowie durch die persönliche Gratulation des Königs Alexander anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums im Jahre 1923. Sein plötzlicher Tod rief nicht nur in Sarajevo, sondern weit über die Grenzen seines Wirkungskreises größte Bestürzung und Trauer hervor. An den imposanten Bestattungsfeierlichkeiten, die am ersten Tage Roschhodesch Ijar von der Vorhalle des Tempels, den er vor nahezu dreißig Jahren erbauen half, aus stattfanden, nahmen etwa 10.000 Personen teil, darunter die höchsten Würdenträger der militärischen, staatlichen und städtischen Behörden, des diplomatischen Korps, sämtlicher Schulen und Vereine, der gesamten aschkenasischen und sephardischen Gemeinden u. v. a. Ebenso wie an der Bahre im Tempel, nahmen am offenen Grabe die ersten Rabbiner des Landes, an der Spitze der Landesoberrabbiner Dr. Alkalaj aus Belgrad in ergreifendsten Worten vom Kollegen, Lehrer, Freunde Abschied. Zum Schlüsse sprach sein einziges Kind, Dr. Josef Weszel innige Dankesworte. Die Witwe Paula Weszel und der Sohn Dr. Josef Weszel eründeten eine „OheTrabbiner Dr. Samuel Weszel- Wohltätigkeitsstiftun g". deren t?tkräftige Unterstützung anempfehlenswert wäre. Beileidskundgebungen trafen aus ganz Europa ein, vor allem aus Jugoslawien, Oesterreich und Deutschland. ReL-Prof. Markus A. Landau, emeritierter Rabbi natsverweser der Gemeinde Wiener-Neustadt, der am 21. d. M. in Wien verschieden ist, wurde am 22. d. M. um %6 Uhr nachmittags, am Zentralfriedhof bestattet. Schlicht, wie er gelebt, war auch das Begräbnis. Fromme Männer betteten ihn auf dem Ehrenplatz der Frommen zur ewigen Ruhe. Seine tiefgebeugten Angehörigen und guten Freunde gaben ihm das letzte Geleite. Die Gemeinde Wiener-Neustadt war durch den Rabbiner und zwei Vorsteher, der Pazmanitentempel durch die Vorstände Leenmann und Niwes, der Bethausverein „Achwa we Reuth" durch den Gesamtvorstand und zahlreiche Mitglieder vertreten. Oberkantor Fränkel, ein guter Freund des Verblichenen, sang in ergreifender Weise die Trauerpsalmen, worauf Herr Rabbiner Prof. Dr. J. M. B a c h in herzergreifender Weise das Leben des Mannes schilderte, der seinen erhabenen Beruf in vorbildlicher Weise erfüllte, obgleich er vom Schicksal schwer geprüft wurde. Herr Josef P e r 1b e r g e r, ein Jugendfreund Prof. Landaus, sprach innige Abschiedsworte in reiner hebräischer Sprache. Beim offenen Grabe entwarf Oberrabbiner Weiß aus Wiener-Neustadt ein Lebensbild des langjährigen, pflichttreuen Kultusbeamten und überbrachte die Grüße der Professoren und Lehrer. Schüler und Schülerinnen und aller Mitglieder der Gemeinden in der Herr Landau sein halbes Leben verbrachte. Zum Schluß sprach noch tief gerührt der Präsident der Misrachi, Herr M. D. Groß, der Herrn Landau als warmen Förderer der misrachistischen Bewegung schilderte — und dann rollten die Schollen herab auf den Sarg, in dem ein edler, herzensguter Mensch, „ein aufopfernder Vater, ein treuer Freund und Gottesdiener ewige Ruhe finden möge. Trauung. Sonntag, den 3. Juni, um 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel, II., Leopoldsgasse 29, die Trauung des Frl. Stella Wechsler, Tochter des Herrn Friedrich Wechsler (Wien 1.) mit Herrn Willy P e c z e n i k statt. Todesfälle. Am ersten Tage Schewuoth ist hochbetagt Herr Samuel U11 m a n n gestorben. Er war ob seines lauteren Charakters allgemein geehrt. Er stammte aus der bekannten jüdischen Gelehrtenfamilie Uli mann aus Lackenbach und befaßte sich auch selbst viel mit hebräischen Studien. Nach fünfzigjährigem Aufenthalte in Gloggnitz mußte er vor zirka drei Jahren zu seiner Tochter nach Wien übersiedeln. Sein Andenken wird bei seihen Angehörigen und seinen vielen Freunden ein dauernd gesegnetes sein. — Am 20. Mai starb nach kurzem schweren Leiden Frau Malwine D o n a t, Gattin des geachteten Kaufmannes und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes des Vereines zur AussDeisung armer israelitischer Schulkinder Herrn Emanuel D o n a t, in Wien XVI. Die Verblichene erfreute sich wegen ihrer vortrefflichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung, die auch in der großen Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck kam. Vom Verein zur Ausspeisung waren die Vize-Präsidenten J. SaJamon und S. Deutsch mit mehreren Vorstandsmitglieder anwesend. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt der Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf. (Briefkasten. Auswanderer. Es gibt in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Chile, insbesondere in Argentinien (hauptsächlich in der Provinz), genug Möglichkeit für jüdische Einwanderer, insofern sie Fachleute, Handwerker oder Landwirte (in letzterer Beziehung ist Uruguay ausgenommen) sind. Für Leute ohne Fachkenntnisse und für Angehörige freier Berufe bestehen jedoch keinerlei Aussichten, in diesen Ländern unterzukommen. >MrWA (( „Jübisdje Gartendauunterneßmung Wien, 13- "Bez., WragQigasse 7!r. 55 Zei. Hr. fy-t-go übernimmt Zempelaussdjmactung, 'Balkon und Tleuantagen, %mgestaUumgen, Renovierungen, Pflege von Garten, Tari- und Sportanlagen, Grä6eraussc$mücGung Sa66at§ und Feiertage 7lr6eitsru§e! Tirma nimmt CeQrlinge auf! wwvwwwwwwwwvwy? I Konkurs Der Tempelverein für den VIII. Bezirk, Neudegqergasse 12, benötigt einen Jtushitfsdienew C&liames) der auch befähigt ist, vertretungsweise an Wochentagen vorzubeten und zeitweilig auch als Bai Koreh zu fungieren. Intelligente Bewerber, nicht über 45 Jahre alt, die einen religiös einwandfreien Lebenswandel nachweisen können, mögen ihre eigenhändig geschriebenen Offerte an den Vorstand obgenannten Tempelvereines richten. DER VORSTAND

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