Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 21 (25.5.1928)
- Date
- 1928-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Oroachen. MMMi Erscheint jeden Freitag lüdimlüJimiJici/t ßOt d« Veröffenfttdumgen der „Union deufschftsferr. Jaden" «nd den »»Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" tHiiiiiiüwninHinmnimiiuunimMtmuiiiutiriiiiniiiHiiiiinnuiJimiJimmutiiminiimjiBtnnimuflug Redaktion und Administration: Wien II., fleinestrafie Nr. 13 — Telephon 42-2-16 XL1V. Jahrgang Wien, 25. Mai 1928 Nummer 21 Vorbereitung. Eine Betrachtung zum Schowuothfeste. Von Dr. V. K u r r e i n, Linz. In dem Berichte, den die Thora über die Offenbarung am Berge Sinai verewigt hat, gleitet das Auge des Lesers leicht an jener Stelle achtlos vorüber, an der es heißt: „Gott sprach zu Moses: Gehe zu dem Volke und heilige sie!" Ein so großes Ereignis wie die Offenbarung, ein Augenblick, da die Gottesstimme einem ganzen Volke ertönt, muß Herz und Seele der Menschen höher schwingen machen. Ein solcher Eindruck muß das Innenleben tief und nachhaltig berühren, das Erlebte die heilige Stimmung schaffen. So verstockt und verhärtet können Menschen nicht sein, daß das Ganz-Große, das wahrhaft Erhabene sie kalt und nüchtern läßt. Trotzdem befiehlt Gott dem Moses: „Du sollst sie heilig machen", die Israeliten sollen für den dritten Tag vorbereitet sein und Moses hat seinen Auftrag ausgeführt, das Volk geheiligt, ihm die Pflicht der Vorbereitung ans Herz gelegt und zur Tat und Ausführung empfohlen. Dieses Wort des Führers „Seid vorbereitet" bedeutet eine schöne Lehre, die sich jeder zu eigen machen muß, der Großes und Erhabenes auf sich einwirken lassen will. Gott, der Herr, so sagen unsere Alten, hätte Israel schon damals, als es aus Aegypten zog, seine Thora geben können, aber er tat es nicht, denn „aus einem niedrigen Dienste in Lehm und Ziegel sind sie ausgezogen", sprach Gott, „und ich sollte ihnen meine Thora geben?" Lehm und Ziegel ist der Erdenschmutz, der uns vom Leben und Daseinskampfe anhaftet und nicht nur die Hände unrein, sondern auch die Seele niedrig macht. Vorbereitung braucht der äußere und innere Mensch, damit sich die Seele aufschwinge und aus den Niederungen des Lebens zu dessen Höhen emporsteige. Was das Wort von der Vorbereitung beinhaltet, ist leichter gesagt als getan. Jede Fertigkeit und Leistung, jede Arbeit und jeder Beruf verlangt eine Vorbereitung, ob es sich um den Körper oder den Geist, hochwertige oder geringfügige Werke handelt. Soll irgendetwas gut und richtig getan sein, so darf in der Regel nicht der Zufall, sondern muß die Vorbereitung Werkmeister sein. Auch Gott hat seine Welt nicht ohne Vorbereitung geschaffen, wie unsere Weisen sagen, sondern gleich einem Baumeister erst seine Pläne, Grundrisse und Vorlagen verfertigt, erst in seiner Thora nachgeschaut und danach die Welt erschaffen. Das Geistes- und Seelenleben eines jeden Menschen ist eine Welt für sich, eine kleine Schöpfung; soll diese wie die große Welt Zufriedenheit und Lob ihres Meisters, daß sie gut, sehr gut sei, finden, so muß auch die Schöpfung der menschlichen Geisteswelt, die Vollendung menschlichen Innenlebens wohl vorbereitet, keinesfalls dem Zufalle überlassen werden. Was man Erziehung, Schule, Bildung, Kultur und Religion nennt, ist die unausgesetzte, planmäßige Vorbereitung zu wahrem inneren und äußeren Menschtum, zur Höchstentwickelung des Göttlichen in uns. Aufgabe und Ziel der Religion ist allen voran, Keduscho, Heiligung, in unser Leben zu bringen, uns derart vorzubereiten, daß wir trotz Erdennot und irdischer Triebe Göttliches empfinden und erleben können. Sie ist es, die den Menschen lehrt: „Du sollst, du mußt, du darfst nicht!" und ihn befähigt, sich diesem Worte zu unterwerfen. Die zehn Worte sind nicht das ganze Geschenk, das Israel und die Menschheit vom Sinai erhalten hat. Durch ihre Lehre von dem „Du sollst — du sollst nicht!" haben sie die ganze Thora vermittelt und sehr geistvoll haben unsere Weisen darauf hingewiesen, daß diese zehn Worte vom Sinai 613 Worte erhalten, entsprechend der Zahl von Geboten und Verboten unserer ganzen Thora. Und geflissentlich bezeichnet man alles, was in unserer Religion lebt, in unserer religiösen Uebung besteht und wofür doch kein Beleg und Beweis in der Schrift steht, als „Gesetz von Moses vom Sinai her". Religion und Sinai ist gleichsam eines geworden. Die Thora ist Moses und Moses ist die Thora — Ziel und Zweck beider ist und bleibt: „Heilige!", Heiligung in uns hineinzutragen; aber ebenso ewig und unzerstörbar besteht die Wechselwirkung zwischen dem, was wir selbst an Heiligung in uns schaffen, und dem, was die.Religion an Heiligung uns gibt, und hängt immer und überall von dem Zustande unserer Vorbereitung ab. Die dreitägige Wartefrist, in der sich einst Israel am Sinai vorbereitet hatte, hat es befähigt, begeistert zu erklären: „Wir wollen tun und gehorchen," hat eine Bereitschaft und Bereitwilligkeit zu Tat und Gehorsam geboren, für die ihm Gott, zum Lohne für dte beiden Wörter na'asse