Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 16 (18.4.1928)
- Date
- 1928-04-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064263--16207-3088944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
.....imi iiimiifiiiiim um Iii Iii I ^sasss*«^^ Seite 12 M^MflM^ 'Kund und Literatur Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 26. März Herr Dr. H. J. Z i m m e 1 s über R. M e i r b. Baruch aus Rothenburg. Der junge Gelehrte bot eine ausführliche Skizze aus seinem preisgekrönten Werke, das die historische Forschung über die hervorragende Persönlichkeit R. Meirs bereichert und erschöpft hat. Nach einer Einleitung über die durch die Kreuzzüge völlig aus der günstigsten in ihr Gegenteil gewandelten Lage der deutschen und französischen Juden besprach der Vortragende die Talmudverbrennung vom 17. Tamus 1242, und die von R. Meir verfaßte Elegie über dieses Ereignis und rezitierte einen Teil der poetischen Uebersetzung derselben von Geiger. Als Geburtsjahr R. Meirs glaubt Dr. Zimmels 1220 fixieren zu können. Als Geburtsstadt Worms. Es ist strittig, ob er in diain verschiedenen Städten seines Aufenthaltes auch als Rabbiner fungiert hat. Erstaunlich — bei den damaligen Verkahrsverhältnissen geradezu schwer erklärlich — ist die Inanspruchnahme von R. Meir seitens zahlreicher Gemeinden aus den entferntesten Weltgegenden behufs Entscheidung von Anfragen, die in den Responsen des großen Rabbis niedergelegt erscheinen. Wahrscheinlich, weil er die Summe, für die er Bürgschaft geleistet, die Judensteuer von beträchtlicher Höhe nicht aufbringen konnte, wurde er auf einer Reise in Oberitalien verhaftet. Auch für seine Enthaftung ist sicher eine für die damalige Judenheit zu große Summe von König Rudolf gefordert worden, so daß R. Meir sein Leben im Gefängnis enden mußte (1295). Da selbst für die Herausgabe seines Leichnams die „königlnchen Kammerkn echte" von den Juden ein horrendes Lösegeld forderten, erhielt er erst einige Zeit später, als ein gewisser R. Alexander b. S a 1 o m o die Zahlung gegen die Zusicherung leistete, daß er neben dem großen Rabbi begraben werde, eine Grabstätte in Frankfurt. In der auf den Vortrag folgenden Diskussion gab zunächst der Obmann des Vereines, Herr Professor Dr. S. K r a u s s, eine interessante Schilderung des Städtchens Rothenburg ais eines Schmuckkästchens aus dem deutseben Mitteflalter, zu dessen Ruhm neben seiner denkwürdigen Bauart auch der berühmte große Rabbi nicht wenig beigetragen, was in den Beschreibungen desselben auch anerkannt werde. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann reagierte auf die wirtschaftliche Lage der Juden im damaligen Deutschland, die durch die Herrschaft des kanonischen Rechtes und die Konsolidierung der Macht sich so tragisch gewendet hatte, daß aus freien Bürgern von Reichtum und Ansehen wahre Leibeigene gemacht wurden. Auch d5e den Juden, die man zum alleinigen Gelderwerb durch Wucher gezwungen, zum Vorwurf gemachte hohe Zinsnahme erscheint durch die Rechtsunsioherheit ihrer Lage den Schuldnern gegenüber nur gerechtfertigt und wird durch die im der Inflationszeit in Uebung gewesenen hohen „Taggeldern" der Banken sicher weit übertroffen. Eine weitere interessante Debatte knüpfte sich an die von einem der Zuhörer aufgeworfene Frage, ob das in diesen Zeiten der Verfolgung so oft geübte freiwillige Martyrium, namentlich seitens der jür dischen Ehefrauen, in religionsgesetzlicher Beziehung gerechtfertigt sei, worüber Herr Rabbiner Dr. A. K a m i n k a befriedigenden Aufschluß gab. Es war ein in höchstem Maße anregender Abend des Vereines. Med.-Rat Dr. H. H a a s e. 80. Geburtstag. Samson Rothschild, der bekannte Historiker des Wormser Ghettos, hat vor einigen Wochen seinen 80. Geburtstag vollendet. „Die Wormser Zeitung" vom 11. Jänner d. J. feiert den würdigen Jubilar als den verdienten Pädagogen, den Geschichtsschreiber und nicht zuletzt den edlen Menschen. 50 Jahre hat er an der Wormser jüdischen Gemeinde gewirkt, die ihm außer anderem die Einrichtung ihres wertvollen Archivs verdankt. Auch wir senden dem trefflichen Manne nachträglich unseren herzlichsten Glückwunsch. Q- Der Wiener Jüdische Gesangverein plant in der kommenden Herbstsaison die Aufführung des Oratoriums „Samson" von G. F. H a e n d e 1. Stämmbegabte und sangesfreudige Damen und Herren, die bei dieser Aufführung mitwirken wollen, werden gebeten, ab Mittwoch, den 18. d. M., um 7 Uhr abends, im Vereinssaal des Wiener Konzerthauses sich melden zu wollen. Hermann Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte. Herausgegeben von A. Görland und E. Cassirer (Veröffentlichung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Berlin 1928, Akademie-Verlag. 2 Bde. — Was Cassirer in seiner hier abgedruckten Rede am Grabe Cohens Über die Eigenart dieser seltenen Erscheinung gesagt hat, wird iBMM Qi£ WAHRHEIT durch die Sammlung seiner Schriften vollauf bestätigt. Man lese nur seinen Aufsatz über Mozarts Opern texte und man staunt über diese Vielseitigkeit des Geistes und die systematisierende Kraft, mit der er selbst in einem, wie es scheinen möchte, dem Philosophen so fernliegenden Gebiete neue Entdeckungen für die Aesthetik macht und Liebgewohntes in ganz neuer Beleuchtung zeigt. Ebenso sind für einen weiteren Kreis fruchtbringend und anregend die beiden Abhandlungen „Mythologische Vorstellungen von Gott und Seele, psychologisch entwickelt" und „Die dichterische Phantasie und der Mechanismus des Bewußtseins" für den Folkloristen und Religionspsychologen von besonderem Werte. Der Mensch Cohen tritt uns in den hier gedrucktem Biographien sympathisch entgegen. Die beiden Bände verdienen den Dank aller seiner Verehrer. Dr. G. Mich. Guttmann, Das Judentum und seine Umwelt. I. Band, Allgem. Teil, Berlin 1927, Philo-Verlag. Dieses Buch ist ein Erlebnis. Man ist glücklich, Zeitgenosse einer solchen Leistung zu sein. Fragen, die uns der Kampf mit unseren äußeren Gegnern täglich aufdrängt, wie theologische Probleme, an denen jede taeferdringende Beschäftigung mit dem Judentum nicht vorübergehen kann, werden hier mit umfassender Sachkenntnis, mit vorbildlicher Klarheit und mit wohltuender Objektivität und Milde im Urteil behandelt. Das Verhältnis zum Fremden, das Proselytentum, die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum und der Auffassung der Toleranz und Nächstenliebe, Partikularismus und Interkonfessionalismus, Angriffe auf das Judentum seit dem Altertum bis auf die Gegenwart, alles wird in diesem ausgezeichneten Werke mit einer Gründlichkeit behandelt, daß wir das Buch als ein Meisterwerk unserer jüdischen Apologetik bezeichnen dürfen. Nicht nur zur Selbstbelehrung, sondern auch zur Selbstverteidigung wird es jeder bewußte Jude nicht entbehren können. Dr. G. Schiller im hebräischen Gewände. Die stattliche Liste von hebräischen Schiller-Uebersetzern, welche in den letzten zwei Nummern der „Wahrheit" aufgezählt wurden, bliebe unvollständig, wenn nicht auch Gabriel Süd fei d, der Vater Max Nordaus, darunter figurieren würdie. Max Nordau hat mir vor dem Kriege ein hebräisches Manuskript seines Vaters geliehen, das* etwa 32 Oktavseiten stark, die vollständige Uebersetzung von der „G1 o c k e", „Der Tauche r", „Die Teilung der E r d e", „An die Freud e", „Meine R u h' i s t hin" (F a u s t) und auch von Geliert enthalten hat. Die Uebersetzung scheint noch in der vormärzlichen Zeit gemacht worden zu sein. Einige Strophen sind1 'in der Nummer 7 des Jahrganges 1914 dler „Ungarl. Jüd. Zeitung", mit einem' Faksimile der Uebersertzung dler „Glocke", abgedruckt, und auch in meinem Buche „Zurück zur Bibel" enthalten. Gabriel Südfeld war auch Mitarbeiter von hebräischen Zeitschriften, wie „Bikkure haittim". Wie in den eben erschienenen „Erinnerungen" von Max Nordau mitgeteilt wird, besStzt das British Museum und die Bodleyana-Bibliothek einige hebräische Werke Südfelds. Sonst war Gabriel Südfeld das Schulbeispiel eines verkannten Genies, der seine Fähigkeiten und sein gründliches Wissen nicht einmal ins tägliche Brot umsetzen konnte. Aber seinem kleinen Sohne imponierten die geistigen Schöpfungen seines Vaters so gewaltig, daß er feierlich versprach: „Auch ich werde Bücher schreiben wie mein Papa". Dieses Resultat allein waren die jahrzehntelangen Kämpfe des frommen Südfelds um literarische Anerkennung wert gewesen. S. BetteOheim, Budapest. Maimonides-Institut, Wien. Sommersemester 192S. Der Wiederbeginn der Universitätsvorlesungen ist f§ir den 30. April in Aussicht genommen. Es sollen im Sommetsemester „Apokryphen und Pseudepägraphen". ferner „Traktat. Aboth" behandelt werden. Im Vortragssaal IL, Zirkusgasse 33: Jeden Dienstag, Rabbiner M. Horowitz, 6—7: Midrasch; 7—8: Das Buch Kusari. Jeden Donnerstag: Rabbiner Dr. A. Kaminka, 6—7: Der Prophet Maleachi (dann Ezechiel); 7—8: More Nebuchim (dritter Teil). Jeden. Samstag, Dr. N. GoldsteSn, 4—5: Midrasch; 5—6: Talmuidlisches Erbrecht. 1EHREIMG! Israelit, kräftig, womöglich vom Lande, wird für ein S : Kaufhaus in Reichenau gesucht. j Offerte an L. HOLZER & SOHN, Reichenau, Spezerei-, » : Manufaktur- und Modewaren ■