Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 14-15 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 bwwm^^ WahkUmrcrnKvc Poincare über den Zionismus. Der „Club du Fauburg" hat vor kurzem eine Umfrage über jüdische Probleme veranstaltet. Der französische Ministerpräsident Raymond Poincare gab seine Ansicht über den Zionismus in den folgenden Zeilen kund: „Ich persönlich habe dem Zionismus stets meine Unterstützung zuteil werden lassen, da ich stets der Ansicht war, daß diese Bewegung in gewissen Ländern eine sehr natürliche Grundlage habe: ich glaube aber, daß diese Bewegung in Frankreich, wo die Juden seit langer Zeit mit der Nation verschmolzen sind, keine Begründung ha t." Numerus clausus für Schächttiere? Der landwirtschaftliche Ausschuß dies Preußischen Landtags hat beschlossen: „Das Staatsministerium wird ersucht, geeignete Maßnahmen zu treffen, daß 1. das Schlachten von Tieren durch das rituelle Schächten nicht über den Bedarf der jüdischen Bevölkerung an geschächtetem Fleisch hinaus erfolgt und das Verbot des wilden Schächtens streng durchgeführt'wird; 2. das Schächten ordnungsgemäß ausgeführt, ferner bei der Vorbereitung des Schächtens, insbesondere bei der Niederlegung des Tieres, Vorkehrungen getroffen werden, die geeignet sind, die Schlachttiere vor unnötigen Aengstiguiigen und Schmerzen zu schützen; 3. beim Schlachten überhaupt die vorhandenen technischen Verbesserungen in humanitärer Hinsicht angewandt und alle Rohheiten verhindert werden; 4. das Schächten zukünftig erst nach genügender Betäubung mittels Elektrizität vorgenommen werden darf, wenn die Staatsregierung auf Grund des Urteils maßgeblicher Sachverständiger die zur Zeit schwebenden Versuche als auch im Sinne des israelitischen Rituals zweckentsprechend abgeschlossen betrachtet." Ueber die galizischen Juden plaudert E. Paraquin im ..D ü s s e 1 d;o r f e f TagcbAat V\ Nachdem er einen geschichtlichen Exkurs über die unireiwilligen Wanderungen der Juden im Mittelalter gegeben und festgestellt hat, daß im 14.—17. Jahrhundert die (meist deutschen) Juden in Polen gastfreundlich aufgenommen wurden, fährt er fort: Nur wer diesen geschichtlichen Werdegang kennt, wird in den heutigen Zuständen Galiziens noch die Vorgänge des Mittelalters durchschimmern sehen. Er wird überrascht erkennen, wieviel von deutschen Gepflogenheiten diese Fremdstämmigen unter den Slawen bewahrt haben. Ihre auffallende und oft zu Unrecht verspottete Kleidung, der lange schwarze Rock und der runde schwarze Schabbeshut sind die deutsche Bürgertracht der mittelalterlichen Städte. Wenn sich in Richard Wagners Meistersinger der Vorhang hebt, sehen wir die Handwerker Nürnbergs in dem gleichen Anzug über die Bühne wandeln, in dem uns heute in den Straßen Zborows oder Tarnopols der jüdische Händler am Sabbath begegnet. Viele ihrer verlachten Namen, wie Selig, Gumbrecht, Henech, Wolf, Hirsch, Bär und Löb sind altes deutsches Erbgut, das sie in ihrem zähen Beharungstriebe auch in der slawischen Fremde festhielten. Ihre Sprache gar, das Jiddische oder Judendeutsche, ist nichts anderes als ein mit hebräischen und slawischen Brocken versetztes Mittelhochdeutsch, wie es vor einigen hundert Jahren am Rhein und in Franken allgemein gesprochen wurde. Diesem Umstand allein verdankt es der deutsche Reisende, wenn er ohne besondere sprachliche Schwierigkeiten durch die östlichen Lande Europas wandern kann. Denn überall, wo Juden wohnen — und das ist an allen Handelsplätzen der Fall — wird dieser deutsche Dialekt gesprochen und verstanden ... Die Synagoge von Tsitsikar, einer Stadt an der ostchinesischen Eisenbahn, 300 Kilometer von Charbin entfernt, ist durch eine unaufgeklärt gebliebene Explosion vollkommen zerstört worden, wobei der Hauswart, ein Nichtjude, den Tod fand. Man nimmt an, daß-r us sis che Monarchisten, die im Fernen Osten eine gefährliche antisemitische Propaganda betreiben. Urheber der Tat sind^ Ein jüdischer Bürgermeister. Ueber den Bürgermeister von Magdeburg, Professor Dr. Landsberg, schreibt das „Jüdische Wochenblatt": Der erste besoldete Stadtrat in Preußen war Professor Dr. Landsberg, der im Mai 1917 zum Stadtrat in Magdeburg gewählt wurde. Auf seine Wahl hatten die Juden keinen Einfluß; denn Magdeburg hat immer nur einen geringen Prozentsatz Juden gehabt, zur Zeit etwa 0,8 Prozent. Ende 1927 wählte die Stadtverordnetenversammlung den Stadtrat Professor Dr. Landsberg zum Bürgermeister. Selbst die deutschvölkischen Stadtverordneten erklärten, daß sie gegen seine Person und seine Leistungen keine Einwendungen hätten und nur aus „Weltanschauungsgründen" gegen ihn stimmen würden. Landsberg ist am 29. Mai 1865 in Breslau geboren; seine Fächer sind Mathematik, Nationalökonomie und Statistik. Als Bürgermeister ist er der Finanzminister Magdeburgs. Landsberg ist auch seit einigen Jahren der Vorsitzende des israelitischen Witwen- und Waisenvereines. Von der palästinensischen Polizei. Nach einer Statistik gibt es unter den 1200 Offizieren und Mannschaften der Polizeimacht Palästinas im ganzen 110 Juden. Die Benachteiligung des jüdischen Elementes in der Polizei- und Grenzschutzmacht Palästinas ist seit langem Gegenstand von Beschwerden seitens der Judenheit Palästinas und ihrer Vertreterschaft, des Waad Leumi. So hat dieser in einem umfangreichen Memorandum an die Mandatskommission des Völkerbundes darüber Beschwerde geführt, daß die Juden, die in der Zeit der Okkupation Palästinas durch' die Engländer in der Landespolizeimacht stark vertreten waren, wegen der dort herrschenden Zustände gezwungen sind, in immer größerer Zahl diese Körperschaft zu verlassen. Das Gehalt der Polizei steht tief unter dem Minimum der betreffenden Sätze in Europa. So kommt es, daß sogar in rein jüdischen Städten und Vierteln die jüdischen Polizisten allmählich verschwinden und arabischen Polizisten Platz machen. Die zwischen der Regierung und dem Waad Leumi getroffene Abmachung, daß die Polizeitruppe mindestens zu einem Drittel aus Juden bestehen soll, wird nicht eingehalten. Die hebräische Sprache, eine der offiziellen Landessprachen, wird in der Polizeiverwaltung nicht respektiert. Wie in Wien. In Berlin hat sich vor einigen Monaten eine „g roßdeutsche" (lies deutschnationale) Bühne gebildet. Als erstes Stück ist das Andreas Hofer-Drafna des biederen Tirolers Krane.witter in Szene gegangen. Die „Vossische Zeitung" hat in ihrer Kritik dem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß die Wahl des rechtsorientierten Kollegiums just auf ein Drama fiel, dessen Held sich wegen des verlorenen Krieges und unnütz vergossenen Blutes die bittersten Selbstvorwürfe macht, statt, wie es deutschvölkischer Gepflogenheit entspricht, die Schuld den Juden und Freimaurern zuzuschreiben ... Noch heiterer als diese vielbelachte Kritik ist aber das Schicksal dieses Theaters. Daß es sich nicht halten konnte, ist einem österreichischen Publikum nach den Erfahrungen mit ähnlichen Wiener Gründungen wohl nicht erst besonders zu erklären. Originell war aber die Rettungsmethode, die das Bühnenvölklein — pardon, das völkische Bühnlein — anzuwenden suchte. Als die Kassen leer und immer leerer wurden, da lud man das H e r r n f e ld- Ensemble zu einem Gastspiel ein. Das Herrnfeld-Ensemble ist eine Berliner Epigonin der — Budapester Orpheumgesellschaft seligen Angedenkens. Also jedenfalls ein drastisches Symbol für den Entwicklungsgang völkischer Kunstbegeisterung ... Dr. H>. Sp. Redeverbot für Hitler. Unter Hinweis auf die einsetzende Vorbereitung der kommenden Wahlen wurde das Preußische Staatsministerium von einem nationalsozialistischen Landtjagsabgeordneten ersucht. Hitler das Reden in öffentlichen Wahlversammlungen in Preußen „wenigstens während der Zeit der Wahlvorbereitungen" zu erlauben. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, lehnte der Minister des Innern die Aufhebung des Redeverbotes für Hitler ari; — Die Gauführung Berlin-Brandenburg der Nationalsozialistiisohen Arbeiterpartei hatte ferner gegen das Verbot der Partei in Berlin, das der Polizeipräsident von Berlin ausgesprochen hatte, beim Oberpräsidenten der Mark Brandenburg' Beschwerde eingelegt. Diese Beschwerde ist auch vom Oberpräsidenten zurückgewiesen worden. Weibdflbcniwtmfu&k Wci/wkeU!