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Die Wahrheit · 1928-02-24 · Heft 8 (24.2.1928) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen. mit den Veröffentlichungen der „Union deutschesten*. Juden* und den k*Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" iuiiuituuiiiuiuiiuiuuiüiuiuiuiuuiut imiHiiwwiWiiBHnmiiHmHmaB ilillllllllllliiiiillllUilliilllUl.illlliliiillinilillllllii; Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 Telephon 42-2-16 XLIV. Jahrgang Wien, 24. Februar 1928 Nummer 8 Neutralität im inner jüdischen Meinungskampf. Nun ist auch Oesterreich am vergangenen Donnerstag mit einem „P r o - P a 1 ä s t i n a - K om i t e e" beglückt worden. Es hat lange gedauert, bis es dazu kam — die Konstituierung des deutschen Komitees, das dieser Tage schon seine 1. Generalversammlung abhielt, erfolgte bereits am 15. Dezember 1926, also vor mehr als einem Jahre — und die Gründimg scheint auch im zionistischen Lager auf große Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Denn erst hieß es am letzten zionistischen Parteitag, W e i z m a n n selbst werde nach Wien kommen, und nun mußten wir uns auf einmal mit Sokolow begnügen. Die Entsendung dieses immerhin prominenten Führers der Zionisten beweist aber zugleich die Unmöglichkeit seiner eigenen Worte, die in einem Interview mit ihm in der an der Angelegenheit schon durch ihren Herausgeber und Chefredakteur interessierten „Neuen Freien Press e" enthalten waren. Sokolow sagte dort: „Ueberau ist die Anregung zur Gründung solcher Komitees nicht von zionistischen Kreisen ausgegangen, sondern diese haben sich erst später, als die Bewegung bereits im Gange war, um die Durchführung gekümmert." Wenn dies, was zu bezweifeln ist, „überall" der Fall war — vom deutschen Pro-Palästina-Komitee wissen wir positiv das Gegenteil —, in Oesterreich dürfte die Sache doch etwas anders gewesen sein. Dies beweisen die seit dem oben erwähnten. Parteitag im Gange gewesenen unermüdlichen Bemühungen unserer Zionisten um Gewinnung von prominenten Nichtjuden für ihre Zwecke, dies beweist nicht zuletzt die Anzahl führender Jüdischnationaler in diesem Komitee, es sind ihrer nicht weniger als mindestens zehn, während der nichtnationalen Richtung bestenfalls drei Herren angehören. Und nun die Nichtjuden?! Aus der mit großem Applomb in der „Stimm e" angekündigten Gewinnung „führender Persönlichkeiten auf a 11 e n Gebieten des politischen Lebens" scheint es auch nichts geworden zu sein. Es figuriert im Komitee auch nicht ein prominenter sozialdemokratischer Politiker, es fehlen völlig Männer der großdeutschen Couleur. (Diese letzte Bemerkung ist durchaus nicht ironisch gemeint, im deutschen Komitee sitzen tatsächlich Führer aller großen politischen Parteien, von dem Sozialdemokraten Breitscheid ange bis zu dem Mitglied der deutschnationalen Reichstagsfraktion Prof. Dr. Hoetzsch.) Dafür erscheinen in unserem Komitee einige Prominente der christlichsozialen Partei, so Vizekanzler a. D. Dr. B r e i s k y und Bundesminister a. D. Nationalrat Heini. Besonders dieser ist sehr interessant, er ist eines der angesehensten Mitglieder jener Partei, die sich den Kampf gegerfdie „Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses" zur Aufgabe gemacht hat. Auch Bundeskanzler Doktor S e i p e 1 sagte in einem Briefe an Sokolow seine Förderung zu. Dann figurieren noch einige Männer der Wissenschaft im Komitee, so der Rektor der Technik, Prof. Dr. O e r 1 e y, der neuestens den demokratischen und sozialistischen Hochschülern das Anschlagsrecht auf der Technik entziehen will, weil sie ihre politischen Tendenzen in ihren Vereinsnamen ehrlich aufzeigen, der aber der antisemitischen „Deutschen Studentenschaft" ihre stets zu Judenfeindschaft mißbrauchten Anschlagsprivilegien nicht antastet, weil sie, vorsichtiger als ihre Gegenorganisationen, sich in ihrem Decknamen „unpolitisch" gebärdet. Es erscheinen dann noch einige Persönlichkeiten des kulturellen und Wirtschaftslebens oder zugleich beider Kategorien, wie z. B. Chefredakteur Doktor Ernst Benedikt, der lauteste journalistische Rufer im Streite für die famose „Einheitsfront". Es finden sich sogar einige Dichter und Schriftsteller und solche, die es zu sein glauben. Immerhin, es sind tatsächlich einige führende österreichische Männer im Pro-Palästina-Komitee, und da entsteht die erste Frage: Warumhaben sich dieselben Männer bisher niemals ebenso einmütig gegen den österreichischen Judenhaß zusammengeschlossen? In dem Komitee befinden sich, wie ausgeführt, einige christlichsoziale Politiker; wäre es nicht richtiger gewesen, daß diese Männer zunächst einmal in ihrer eigenen Partei darauf gesehen hätten, daß der Anspruch der österreichischen Juden auf Gleichberechtigung in Oesterreich nicht durch den ominösen Punkt 8 des christlichsozialen Parteiprogramms verkümmert wird? Nun, diese Männer haben es vorgezogen, anstatt eine solch mutige Haltung zu zeigen, den leich-

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