Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Numm er 50 QrosAen. HeWahrhäti ^klimltUmsmtgt Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union deutschösferr. Juden' und den »»Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" iiiiiiniiiiiiiiiiiiiimiHiiiiiuiiiiitniiiiiiinHiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiii Redaktion und Administration: Wien IL. Heinestraße Nr. 13 — Telephon 42-2-16 XL1V. Jahrgang Wien, 10. Februar 1928 Nummer 6 "TSf^^" , : 'iäS ' *■ '?■#'> " &> .:, lichung der von der königlichen Regierung angeordneten Straimaßnahmen gewartet. Es ist vielleicht verfrüht, eine Meinung über die Zulänglichkeit dieser Strafmaßnahmen als solchen auszusprechen, besonders da im Augenblick, da dies geschrieben wird, eine große Zahl polizeilicher Verfolgungen und anderer Maßnahmen angezeigt sind. Jedoch unter dem Gesichtspunkt der freundschaftlichen Beziehungen, die lange zwischen diesem Komitee und Eurer Exzellenz bestanden haben, darf ich Eurer Exzellenz die bittere Enttäuschung nicht verhehlen, die durch die geringe Aussicht auf Erfolg der Maßnahmen in der gesamten Judenheit Platz gegriffen hat Während beschlossen wurde, bestimmte Verbrecher zu bestrafen und Pflichtverletzungen zu ahnden, bieten die Maßnahmen keine Garantie für eine dauernde Wiederherstellung der Ordnung, begründet auf einer durchgreifenden Verteidigung der Gleichberechtigung hinsichtlich der allgemeinen Lage der jüdischen Bevölkerung. Nach Meinung unseres Komitees kann das Ende, wie es die königliche Regierung wünscht — nämlich nach den Worten Eurer Exzellenz die Ausrottung jeder Möglichkeit zu einer Wiederholung dieser Zustände —, nicht erwartet werden durch Behandlung der Vorfälle von Oradea Mare und Cluj als vereinzelt und ausnahmsweise dastehende Vorfälle. Sie sind der Gipfelpunkt einer langen Kette von ähnlichen Ausschreitungen, und sie haben ihre Wurzel tief in einer ungewöhnlichen sozialen Situation, die während der letzten sechs Jahre entstehen konnte und die charakterisiert ist durch eine mehr oder weniger offizielle Aechtung der Juden. Gewissen Organisationen war es gestattet, eine heftige und aufreizende Hetze gegen die jüdische Bevölkerung und ihre Religion zu entfalten, das Land mit aufrührerischen Versammlungen in Aufregung zu versetzen und es mit aufreizender Literatur zu überschwemmen, in der die Juden als äußerst verabscheuungswürdig dargestellt werden und in denen die Vertreibung der Juden aus ihrem Keimatlande gefordert wird; selbst das Blutbad wird öffentlich von Regierungsbeamten befürwortet Diese Kampfesweise ist erst kürzlich von einer alle führenden Kirchen Amerikas umfassen- Im Namen aller Rechtschaffenen j Luden Wolfs Brief an den rumänischen Außenminister. Bekanntlich ereigneten sich vor wenigen Wochen furchtbare Pogrome in Jassy, QroßwäTdein, Kläusenburg und anderen Orten. Auch die englischen Juden haben gegen däiese Greuel scharfe Proteste erhoben. So hat, wie aus der Presse bekannt, die letzte Sitzung des Jewish Board of Deputies in London sich mit den Pogromen in Rumänien befaßt, die, wie es in dem ) Bericht heißt, nicht einmal an den schlimmsten ' „Pogromzeiten des zaristischen Rußland" eine Parallele gefunden haben. Auf die ersten Proteste der englischen Juden hatte der rumänische Minister des Aeußeren, M. Titulesco, ein Telegramm an Lucien Wolf, den Sekretär des Joint Foreign Committe in London gerichtet, in dem er Zusicherungen über die Vergeltung der Uebeltaten gemacht hat. Wir sind in der Lage, den Wortlaut eines Schreibens Lucien Wolfs an den rumänischen Minister des Auswärtigen wiederzugeben, in dem sich Lucien Wolf über die geringe Vergeltung der rumänischen Uebeltaten äußert. Der Brief lautet: 23. Finsbury Square, London EC. 2. den 12. Januar 1928. Herr Minister! Am 14. Dezember 1927 erwiesen mir Eure Exzellenz die Ehre, ein Telegramm an mich zu richten* in dem Sie mir den Abscheu der königlich rumänischen Regierung über die verabscheuenswürdigen Ausschreitungen rumänischer Studenten gegen die harmlose jüdische Bevölkerung von Oradea Mare und Cluj aussprachen und mir Kenntnis von dem Kabinettsbeschluß gaben, „sofort und energisch mit strengen Maßnahmen vorzugehen, um jede Möglichkeit auszuschließen, daß derartige Vorfälle sich in Zukunft wiederholen". Ich verfehlte nicht, diese angenehme Nachricht dem Joint Foreign Committee zu unterbreiten. Dieses Komitee beschloß aus dem Gedanken heraus, daß die königliche Regierung bei der Verwirklichung der schwierigen und notwendigen Aufgabe, die sie selbst sich gesetzt hat, nicht gestört werden dürfe, Kenntnis von den Versicherungen Eurer Exzellenz zu nehmen und im übrigen zu warten, wie sich innerhalb einer angemessenen Periode die Maßnahmen auswirken würden. Seitdem hat sowohl das Komitee als auch die gesamte Judenheit von Westeuropa und Amerika eifrig und mit nicht geringer Sorge auf die Verwirk-