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Die Wahrheit · 1928-01-20 · Heft 3 (20.1.1928) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 3 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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m DIE WAHRHEIT Seite 13 herbei, um dann den Jugendgottesdienst auch in ihren Gemeinden einzuführen. Bis nach Jerusalem erstreckte sich Baumgartens Wirken, er hatte die Fürsorge für die Lämmelschule und die dortigen jüdischen Waisen sich zur Hauptaufgabe gemacht. Im Landesschulrat war er sehr angesehen und beliebt. Ueber sein Leben ließe sich ein großes Buch schreiben. Er erfreute sich besonderer Liebe und Hochachtung und als er den 80. Geburtstag feierte, wurde dieser als Freudentag begangen. Rührend war eine Deputation Schuljugend, die den Dank tausender Knaben und Mädchen dem verdienstvollen Vorsteher überbrachte. Dr. Markus Spitzer, Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, war später im Sinne Baumgartens für den .Tugendgottesdienst, die religiöse Belehrung der Jugend, aber auch für die philanthropischen Bestrebungen unserer großen Gemeinde besonders warm eingetreten. . . Wenige Monate nach seinem 80. Geburtstage schloß Emanuel Baumgarten seine Augen für immer. Was er ins Leben rief, hat sich In , unserer Mitte erhalten und bildet den Glanz unserer Großgemeinde. Wir ehren und segnen an seinem Zentenarium voll Dankbarkeit sein Andenken, das die dankbare Gemeinde ins große Maskirbuch aufgenommen hat. Prof. Moritz Anscher 1. Falsche Gerüchte. Eine Wiener Lokalkorrespondenz, die sich Oesterrejchischer Pressedienst nennt, versandte vorige Woche an die Zeitungen eine Mitteilung, daß der Oberrabbiner der Stadt Warschau, Professor Dr. Moses Schorr, von der Wiener Kultusgemeinde eingeladen worden sei. als Nachfolger des Oberrabbiners Dr. Chajes, die Würde des Wiener Oberrabbiners anzunehmen. Oberrabbiner Dr. Schorr werde diese ehrenvolle Berufung annehmen. Diese Mitteilung ist, wie von der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien mitgeteilt wird, vom Anfang bis zum Ende eine dreiste Lüge. Professor Schorr könne die Berufung schon deshalbnichtannehmen, weil sie überhaupt nicht ergangen sei. Es sei schon aus rituellen Gründen vollkommen unstatthaft, vor Ablauf der dreißig Trauertage sich nach einem Nachfolger für Dr. Chajes umzusehen. Der Stadtschulrat für Wien hat mittels Dekret vom 3. Jänner 1928 Herrn Religionslehrer Rudolf Müller in Kenntnis gesetzt, daß derselbe laut Zuschrift des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde vom 28. Dezember 1927 als Vertreter des mosaischen Glaubensbekenntnisses im Sinne des § 9 des Schulaufsichtsgesetzes vom 25. Dezember 1904, L.-G.-Bl. Nr. 97, in den OrtschuJrat des XVII. Bezirkes entsendet wurde. Verein „Wohlfahrt". Der rührige Verein zur Erhaltung der Kinderbewahranstalt in der Schiffamtsgasse veranstaltete Sonntag, den 8. d. M., eine äußerst gelungene Aufführung des Lustspieles von Verneuil, „Kopf oder Schrift", im Deutschen Volkstheater, die bei den zahlreichen Besuchern wegen der großartigen Darstellung und Gediegenheit des Stückes großen Gefallen fand, aber auch dem Vereine einen schönen Reingewinn brachte. Nach der Vorstellung versammelte sich der Gesamtvorstand im Cafe Müller, Sehottenring, um dessen Besitzer Isak Müller und seiner Gattin Therese eine Gratulationsadresse anläßlich ihres dreißigjährigen Hochzeitsfestes zu überreichen. Herr I. Müller ist eines der trefflichsten Vorstandsmitglieder des Vereines, dem er in bescheidenster Weise dient, und seine Beliebtheit ist wegen dieses seines Wirkens, das nur der Sache gilt, eine besonders große. Der innigen Gratulation des Vereinsvorstamdes schließen auch wir uns herzlich an. Frauensektion des Bethausvereines Emunas Aves. Sonntag, den 8. Jänner fand in den neurenovierten Lokalitäten des orthodoxen Bethausvereines Emunas Aves. XIV., Storchgasse 21, die Gründungsfeier der Frauensektion des Bethausvereines statt. Das große Interesse, welches dieser neugegründeten Sektion entgegengebracht wird, gab sich durch zahlreichen Besuch kund. Um die Gründung haben sich die Herren Emanuel Weiß. Obmann, Emanuel Schulz, Vizepräses, und Artur K r e i n e r. Schriftführer des Bethausvereines, große Verdienste erworben. Von dem Ausschuß haben die Damen Frau Schulz, die Gattin des Vizepräsidenten E. Schulz, und Frau Gisela W i n k 1 e r als Schriftführerin es verstanden, einen Stab von sehr tüchtigen Damen um sich zu sammeln. Die Gründungsfeier begann mit einer Ansprache des Obmannes, der die Frauensektion im eigenen Heim begrüßte. Hierauf erfolgte die Begrüßung der Festgäste durch die Frau Präsidentin. Sie begrüßte vor allem die Ehrengäste, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner W e i ß, die Ehrenpräsidentin Frau Rabbiner Weiß, den Gesamtvorstand des Bethausvereines, den Obmann der Bezirkskommission Herrn A1 b e r s, die Vertreter der Chewra Kadischa, ferner Herrn Medizinalrat Dr. N e u m a n n und sämtliche Vertreter der benachbarten Vereine, sowie Frau Olga Krupnik. In einer vollendeten Ansprache entwickelte die Frau Präsidentin Ziel und Zweck des Vereines. Ihre Rede übte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf sämtliche Zuhörer aus. Hierauf ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Weiß das Wort. Er schilderte die Bedeutung der jüdischen Frau für das Judentum und hob hervor, wie wichtig es sei, daß die Frau nicht nur im Haushalt, sondern auch im öffentlichen Leben an allen jüdischen Interessen Anteil nehme. In treffender Weise brachte er Beispiele von berühmten jüdischen Frauen, die durch ihren Mut das jüdische Volk oft aus seiner bedrängten Lage gerettet haben. Nachdem Oberkantor Einhorn mit einem guteinstudierten Chor Gesänge vorgetragen hatte, ergriff Frau W i n k 1 e r das Wort. Ihre mit gesundem Humor gewürzte Rede fand viel Gefallen bei sämtlichen Zuhörern. Die Rednerin forderte die Anwesenden auf, ihre Herzen und Brieftaschen zu öffnen und sich in das herrlich ausgestattete „Goldene Buch" (ein Meisterwerk des Herrn Emanuel Schulz), dessen Motto die Worte „Hochmas Noschim bonso beso" sind, einzutragen. Herr A1 b e r s brachte alsdann die Glückwünsche der Kultusgemeinde und der Bezirkssektion zum Ausdruck. Es sprachen noch Herr Medizinalrat Dr. N e u m a n n und Herr Eduard K r e i n e r. Jeder Besucher des Festes ging sicherlich mit dem Eindruck nach Hause, daß hier erhebliche Arbeit geleistet wird. Trauung. Sonntag, den 15. Jänner 1928. fand im festlich beleuchteten großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Dr. Marie K r a u ß, Tochter des Herrn Professor Dr. Samuel Krauß und seiner Gattin Irene, geb. Tedesko, mit Herrn Dr. Rene H e i m b e r g aus Hamburg statt. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man u. a. den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien Professor Dr. A. Pick, den Vizepräsidenten Dr. Jakob O r n s t e i n, den Rektor der theologischen Lehranstalt Hofrat Dr. A. Schwarz, die Rabbiner Dr. M. Bauer. Dr. Frank- Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon B 38-4-19 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 5 Kleiderkredit Zahlbar innerhalb eines _ „ Jahres. f| ■■■■■■HM^MHBH t ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise j ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon A 21-501 Ottakringerstraße 17 Telephon A 21-501 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fabren und Waggons * JULIUS HABER Kohlen- und Koksgrofihandlung Für Tempel- und Wohlfahrtsvereine Ansnahmspreise Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien IL. Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22

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