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Die Wahrheit · 1928-01-20 · Heft 3 (20.1.1928) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 3 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Numm er 50 Grosdien. U'ahrhäti 'mit den Erscheint MM Veröffentlichungen der „Union deutschösferr. Juden1 jeden Freitag ^M^r und den „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" i1Hiiiiiiiiii|i|finiiiiiHiiiilli[iiiiHiniiMi|iii|iiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiHiniiiiiiiiiin Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 —^Telephon 42-2-16 XLIV. Jahrgang Wien, 20. Jänner 1928 Wahre Seelengröße. Das amerikanisch-christliche Komitee für die Rechte der religiösen Minderheiten hat in den „New York Times" einen Bericht veröffentlicht, der sich u. a. auch mit dem Antisemitismus in Rumänien befaßt und der Welt ein trauriges Bild von den dortigen Zuständen bietet. Manch bitteres Wort hat die Kommission gefunden, und diese Bitterkeit trifft um so schärfer, als sie von einer hohen Sittlichkeit getragen ist. Die Mitglieder der Kommission kann man der Rumänenfeindlichkeit nicht zeihen. Man kann ihnen auch nicht gut vorhalten, sie seien Emissäre im Dienste Ungarns. Viel zu sehr heben sie die traditionelle Güte der rumänischen Bauernschaft hervor. Das hindert sie allerdings nicht, recht scharf zu Gericht zu sitzen und in unverblümter Offenheit die Mißstände zu geißeln. Der rumänische Bauer ist das einzige Volkselement, vor dessen Gesittung sie eine Verbeugung machen. Alles andere wird scharf unter die Lupe genommen. So die Regierung, die Kirche, die Studenten und — die Intelligenz. Insbesondere ist es die Intelligenz, die schonungslos hergenommen wird: „Häßlicher noch (als die antisemitische Agitation der studentischen Jugend) ist das Wohlgefallen, mit dem viele die Haltung einiger sogenannter Universitätsprofessoren und Mittelschulprofessoren dieser Bewegung gegenüber stehen, indem sie diese Bewegung nicht nur tolerieren, sondern sogar befürworten. Die Studenten, welche in dieser Atmosphäre des antisemitischen Hasses heranwachsen, werden morgen Bürger und Lehrer sein und werden der Vergangenheit noch weniger Aufmerksamkeit schenken, in welcher keine Pogrome vorgekommen sind. Wir glauben, daß dieser Haß nicht von der Majorität der Universitäts- und Mittelschulprofessoren in Rumänien geteilt wird. Trotzdem aber wurde diese Bewegung des Hasses mit zu viel Wohlgefallen von der Intellektualität des rumänischen Volkes aufgenommen." Es ist überall schon vorgekommen, daß Regierungen reaktionären Strömungen die Hand geboten haben, es haben auch kirchliche Kreise in allen Ländern sich hie und da gegen Fundamentalsätze der christlichen Lehre vergangen. Vom reaktionären Treiben studentischer Kreise — insbesondere in der Nachkriegszeit — schon gar zu schweigen. Aber immer und allezeit und in jedem zivilisierten Lande hat es eine Intelligenz gegeben, die den Ausfall wettgemacht, die das sittliche G1 e i c h g e w i c h t im Staate — wahrlich wich- Nummer 3 tiger als das finanzielle — aufrecht erhalten hat. Die immer bereit war, das Renomme des Landes, das Renomme der Menschlichkeit hochzuhalten. Aus ihrer Mitte rekrutieren sich die Gerechten, um derentwillen Gott die Welt bestehen läßt. Wo war, wo ist diese Intelligenz in Rumänien? Dieser Ruf klingt uns aus dem Berichte der Kommission entgegen und es ist dies sicherlich der beschämendste Vorwurf, der das Land treffen kann. Als sich die Nachricht über die Exzesse in Großwardein, Klausenburg usw. wie ein Lauffeuer über die ganze Welt verbreitete, da fand sich ein Innenminister, der gegen die Exzedenten wetterte, es fanden sich Gerichte, die einen — wenn auch verschwindend geringen — Teil der Schuldigen in Untersuchung zogen und bestraften, es fanden sich auch Parteien, die in scharfen Worten die Regierung wegen der Vorfälle angriff, — aber das alles genügte nicht, um die Schuld reinzuwaschen, um das Ausland günstiger zu stimmen. Selbst die von wahrhaft christlichem Edelmut diktierten verurteilenden Worte hervorragender Geistlicher gingen unter angesichts des Entrüstungssturmes, den die Vorfälle hervorgerufen hatten. Es waren ihrer zu wenig und zu groß war die Sünde, die in dem bisherigen Schweigen der intellektuellen Kreise lag. Nun ist zu diesen Wenigen, Auserwählten, noch ein Mann getreten. Einer, der sich bisher im Hintergrund gehalten hat. Es ist dies der Bukarester Universitätsprofessor Mihai Pasc a n u. Er ist Ende Dezember 1927 aus dem Leben geschieden — also kurz nach den Vorfällen in Großwardein — und er hat einige Tage vor seinem Tode sein schon früher verfaßtes Testament ergänzt, in einer Weise, die von seiner unnachahmlichen Seelengröße Zeugnis ablegt. Es heißt dort wörtlich: „Ich bitte ihn (den Sohn) weiters, keine ander» Religion zu betätigen, als die der Ehrenhaftigkeit und der Menschenliebe, ohne irgend einen Unterschied nach dem Glauben oder nach anderen Merkmalen, zu schenken meinen Leichnam den jüdischen Studenten an der medizinischen Fakultät als Beweis der Wertschätzung, die ich unausgesetzt der Erkenntnis der Wahrheit entgegengebracht habe, weiters zu schenken alles, was er von meinem Nachlaß wird schenken können — insbesondere-

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