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Die Wahrheit · 1927-11-11 · Heft 46 (11.11.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 46 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nachdem die Wirkung der „W e i s e n von Zion" anscheinend abzuflauen beginnt, hielt man es für nötig, einen neuen Schlager auf den antisemitischen Kriegsschauplatz zu werfen, und so ist es vor wenigen Tagen in deutscher Uebersetzung erschienen*). Zwar ist das Buch in England ohne jede Beachtung geblieben, doch darf angenommen werden, daß völkische Kreise begeistert nach diesem fetten Bissen greifen werden. Und da es durch die Eigentümlichkeit seiner Form eine gewisse Gefahr darstellt, sei von vornherein auf das traurige Machwerk hingewiesen. Man mag den „Weisen von Zion" vorwerfen, was man will, in einem Punkte gebührt dem Buche Anerkennung. Es ist klar und eindeutig, es ist trotz seiner sachlichen Verlogenheit insofern ehrlich, als es sagt, was es will. Belloc geht einen anderen Weg. Er fließt über von Beteuerungen, daß man die Juden gerecht und anständig behandeln müsse, er macht sich scheinbar über die unentwegten Antisemiten lustig, er widmet sein Buch seiner jüdischen Sekretärin, zu der, wie er betont, seine Familie und er „immer in tiefer Schuld der Dankbarkeit stehen werden". Er verlangt immer wieder Klarheit und Wahrheit und fordert, daß man das Recht der Juden achten müsse! Aber trotz alledem gibt es keine Beschuldigung aus dem antisemitischen Arsenal, die er nicht mit einigen Vorbehalten"für berechtigt hält, in recht unverblümter Weise droht er immer wieder mit dem Pogrom, und seine Lösung der Judenfrage fordert von den Juden, daß sie sich auf der ganzen Erde als ein internationales Volk betrachten sollen, das inmitten der anderen Nationen als ein Fremdkörper anerkannt und behandelt wird. Es ist geradezu unglaublich, was Belloc in dem nicht umfangreichen Buche den Jujlen alles vorwirft, wobei er den Begriff des Judentums rein abstammungsmäßig nimmt und demgemäß auch fromm *) „Die Juden" von Hilaire Belloc. Uebersetzung und Nachwort von Theodor Haecker. Verlag Josef Kösel u, Friedrich Pustet, München, 1927. christliche Judenstämmlinge — oder Leute, die er dafür hält, weil sie ihm aus irgendeinem Grunde nicht gefallen — zu den Juden rechnet. Sie sind international und sie treiben immer internationale Politik, sie beherrschen mit ihrem Einfluß die Weltfinanz, sie sind die eigentlichen Drahtzieher bei jedem Unglück in der Weltgeschichte! Die ganze Judenschaft ist lediglich eine organisierte internationale Mache! „Die" Juden nehmen falsche Namen an, geben sich nicht zu erkennen, verheimlichen ihre Herkunft, um desto ungestörter herrschen zu können. Sie sind anmaßend und fühlen sich allen anderen gegenüber als die Ueberlegenen, sie haben die wichtigsten Produktionen monopolisiert und haben dadurch, zumal die armen betrogenen Nichtjuden davon nichts merken, während des Krieges eine ganz unheilvolle Rolle gespielt, sie sind die einzigen Schuldigen am Bolschewismus, der eine furchtbare, blutige Rache am zaristischen Rußland darstellt, sie besitzen neben der finanziellen auch die soziale Macht, sie haben die Kontrolle über das Leben Europas und Amerikas in ihrer Hand, wollen aber selber nicht kontrolliert werden, sie beherrschen die Presse, den Handel, ihr Ideal ist lediglich der Kommunismus (!), der Jude ist der geborene Wucherer! Und, daß man dem Buche nicht etwa den Vorwurf mache, daß es nicht ganz modern sei, bringt es auch die allerneuesten Sensationen. Der Jude, der ja an sich kommunistisch denkt und wirkt, ist in seiner Habgier auch Kapitalist. Da aber Belloc anscheinend nicht entgangen ist, daß es auch außerhalb der jüdischen Machtsphäre Kapitalismus gibt, scheidet er — treu Hitler folgend — zwischen dem niederträchtigen, wucherischen, blutsaugerischen jüdischen Leih kapitalismus und dem produktiven, edlen, segenspendenden, welterlösenden, arischen Werk kapitalismus, eine groteske Trennung, die bekanntlich den Nationalökonomen bisher ganz unbekannt geblieben ist. Und ganz modern mutet es an, wenn er auch, wie L u d e n d o r f f, die Freimaurerei für vollkommen verjudet und unter jüdischer Oberherrschaftstehend erklärt. Zur Abrundung des Bildes sei noch hinzugefügt, daß er den Juden vorwirft, sie beschimpfen das Christentum, hielten es für eine Narrheit, und sie nutzten die religiösen Vorstellungen ihrer Umgebung für ihren geschäftlichen Vorteil aus. Nichts fehlt aus dem Geistesschatze der „Weisen von Zion", nur die Untergrundbahnschächte, von denen aus die bösen Juden bekannt-

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