Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 44 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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£v3ctketni Jeden dfreiicig äfreis «Hesev Plummer .* SO Siosdfecn D/E WAHRHEIT Cesteneidwisdke VDo&ensdhxift für jiidiscfke Jnteressen Veröffentndkun£em der „Union dentsdkösten. Judten" Redaktion und Administration: Wien #/., Jftrinestvaße 3fflr. 13 Fernrur 42-2-16 XLIII. Jahrgang Wien, 28. Oktober 1927 Nummer 44 D/e Jewish Agency. Eine unterrichtende Darstellung. Von Dr. Alfred Wiener, Berlin. 4: Im Mandat für Palästina, vom Völkerbund unter dem 24. Juli 1922 genehmigt, lautet der Artikel 4 folgendermaßen: „Eine angemessene jüdische Vertretung (J e- \v i s h Agency) soll als eine öffentliche Körperschaft anerkannt werden zu dem Zweck, die Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten zu beraten und mit ihr zusammenzuwirken, die die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte (Jewish national home) und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen und, immer vorbehaltlich der Kontrolle durch die -Verwaltung des Landes, zu helfen und teilzunehmen. Die Zionistische Organisation soll, so lange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertreter anerkannt werden. Sie soll, im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu Helfen." Aus diesem Artikel ergibt sich deutlich zweierlei. Zuerst, daß die englische Regierung nur unter gewissen Vorbehalten die Zionistische Organisation als verhandlungsfähiges Instrument anerkennt; Vorbehalte, die derart gestaltet sind, daß die englische Regierung jederzeit in der Lage ist, der Zionistischen Organisation dieses Recht abzusprechen. Zweitens richtet die englische Regierung an die Zionistische Organisation die nicht zu übersehende Aufforderung, die Bildung einer erweiterten „jüdischen Vertretung" (Jewish Agency) in die Hand zu nehmen. Seit mehr als vier Jahren nun verhandelt der Präsident der Zionistischen Organisation, Doktor Chaäm W e i z m a n n, mit den amerikanischen Juden und auch mit Juden anderer Länder, um eine Jewish Agency zu bilden. Die Verhandlungen, über die noch zu sprechen sein wird, haben bereits ihre Geschichte. Der XIV. Zionistenkongreß in Wien, 1925, der XV. in Basel, 1927, haben sich eingehend im freundlichen und im scharf gegnerischen Sinn, mit der Bildung der erweiterten Jewish Agency befaßt. Sie ist bis heute noch nicht vorhanden, wenn auch ihre Gründung in den letzten Monaten in den Bereich der Möglichkeit gerückt worden ist. Warum hat die Leitung der Zionistischen Organisation den Wunsch, eine erweiterte Jewish Agency herzustellen? Es dürfte .nicht ungerecht sein, statt „Wunsch" Zwang zu setzen. Der entscheidende Grund ist die in allenverantwortlichen Kreisen des Zionismus unumstößliche Erkenntnis, daß mit eigenen Geldern das jüdische nationale Heim zu errichten, ein aussichtsloses Unterfangen ist. Die Zahl der organisierten Zionisten auf der Welt beträgt rund 400.000*) — von den etwa 14 Millionen Juden der Welt ganze 2,75 Prozent — und selbst wenn man die Schar der nichtorganisierten Gefolgschaft als gewiß nicht gering ansieht, vermag aller geldlicher Opfermut nicht, ein Palästinabudget wie das für 1927/28 im Betrage von 631.832 Pfund Sterling und dazu noch die veranschlagten 300.000 Pfund Sterling für den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) allein aufzubringen, geschweige denn, was alle Zionisten sehnlich wünschen, es ansehnlich zu erhöhen. Die organisierten Zionisten haben auch, was nicht übersehen werden darf, das Budget der Zionistischen Weltorganisation in London, veranschlagt für 1927/28 auf 38.000 Pfund Sterling, zu decken. Also werden nichtzionistische Gelder in erheblichstem Umfange benötigt. Daß die Nichtzionisten, soweit sie überhaupt sich finanziell zu beteiligen bereit sind, nun auch an der Ausgabe der Gelder und an der Arbeit der Jewish Agency ernstlich teilzunehmen wünschen, erfüllt die Zionisten trotz aller entgegenkommenden Beschlüsse in Wien und Basel mit Sorge und Unbehagen. Dieser eine, finanzielle, Grund für die Erweiterung der Jewish Agency ist vollkommen klar. Der *) Die „Kongreßzeitung, Organ des XV. Zionistenkongresses in Basel", verzeichnet (Nr. 3, S. 7) eine „Schekel- Aufstellung für die Jahre 5686 und 5687". Danach betrugen die Schekelzahlen 5686: 212.005, 5687: 409.706. Die Berechnung für Amerika, die einer unvermeidlichen Willkür unterliegen mußte, gestattet aber, die für 5687 (1927/28) ohne weiteres herabzusetzen. I