Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 42 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 flffllffll!^^ DIE WAHRHEIT Chaulim sich dem Krankenbesuche gewidmet. Die Damen dieses still und in weihevoller Demut wirkenden Vereines besuchen nicht nur die Kranken in den Spitälern, Sanatorien ung Heilstätten, sondern auch in ihren Wohnungen und Siedlungen. Sie beschränken sich nicht auf die einheimischen Kranken, auch der Fremde, der „Ausländer" ist in ihrer Obhut. Sie fragen nicht, woher er oder sie kommt. Die Krankheit macht alle gleich. Alle, die leiden, sind dem Herzen und der Fürsorge der Damen des Bikur Chaulim nahe. Man scheut vor keiner Krankheit zurück. Der Tuberkulose, die Krebskranke, der an Typhus Darniederliegende, die von multipler Sklerose Heimgesuchte werden besucht. Gaben werden verteilt, die Leidenden getröstet, für ärztliche Behelfe jeder Art wird gesorgt, die von Krankheit und Leiden Befallenen werden in die geeignetste Heilstätte gebracht. Freude strahlt aus den Augen der Damen, wenn sie aufrichten, wenn sie helfen, wenn sie Trost und Beistand bringen konnten. Bilder gräßlichsten Elends müssen oft und oft ihre Augen sehen. Sie bringen aber auch Kleider, Schuhe, Essen und der Anblick der guten, jüdischen Frauen trägt allein zur Stärkung bei. An den jüdischen Festtagen und namentlich zum Seder bringen sie Festessen ins allgemeine Krankenhaus, beziehungsweise ins Lainzer Versorgungshaus. Vor allem sei hier der unermüdlichen, seelenguten Präsidentin des Vereines, der Frau Irma Rosenberg, und der Frau Lina Po 11 a k, aber auch jeder einzelnen Vorstandsdame, wahrhafter Edelfrauen. gedacht. Dabei muß aber auch des stets hilfsbereiten Schriftführer, des Herrn Bloch, Namen mit Dank erwähnt werden. Solche Humanität verlangt natürlich auch schwere Qeldopfer. Darum wäre der beste Dank an „Bikur Chaulim", der I., Seitenstettengasse 4 (Kultusgemeinde), seinen Sitz hat. wenn dem Vereine, der eine Zierde der Wiener Judenschaft ist, zum silbernen Gedenktage zahlreiche Spenden zufließen und zahlreiche Frauen als Mitglieder beitreten würden. Wir selbst rufen ihm ein herzhaftes Jejascher Kauach zu: Gott stärke seine Kraft! Dr. S. Kr. 50. Geburtstag. Gestern feierte Herr Josef Popper, Verwalter des Altersversorgungshauses in der Seegasse, im engsten Familienkreise seinen 50. Geburtstag. Der pflichteifrige Beamte, der das volle Vertrauen seiner Vorgesetzten genießt, wurde im Jahre 1918. als der wirtschaftliche Zusammenbruch unsere Wohlfahrtsanstalten mit Schließung benucfcniÄ* KönißsIicM Seit vielen Jahren das anerkannt beste ^■fflDOT Man achte auf die ges» gesch, Marke ,Hyglen. Königslichi* und Name Schulz Fabrik und Büro; Wien XIV-, Braunhirschengasse 3 Telephon 83-1-87 II U Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8 50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei £K60—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.-, Amerika lVa Doli.,Italien Lire40.—.EnglandSchilling _ 15.—.Rumänien Lei 300—, Jugoslawien Dinar 100.— O drohte, als Verwalter des Altersversorgungshauses und des Siechenhauses berufen. Er arbeitete zu dieser Zeit mit dem „Komitee zur Unterstützung notleidender israelitischer Wohlfahrtsanstalten" zusammen, das in Josef Popper bei der schweren Aktion in schwierigster Zeit einen rastlosen und unermüdlichen Helfer fand. Sein vornehmer Charakter bedingt es, daß er den ihm anvertrauten Alten und Siechen, für die er unermüdlich sorgt, weniger Vorgesetzter, als treuer Berater und Freund ist. Seine hervorragenden Leistungen machen die Anstalt, der er mit Aufopferung und Fleiß dient, zu einem musterhaften Institut. Dem pflichteifrigen Beamten sind von allen Seiten anläßlich seines Jubeltages Beweise aufrichtigster Verehrung zuteil geworden. Marienbad. Am 2. Oktober wurde unter großer Beteiligung Oberkantor Hermann Goldenberg zu Grabe getragen. Der allseits bekannte, in seinem Fache hervorragende Oberkantor erfreute sich großer Beliebtheit nicht nur seines Könnens halber, sondern auch wegen seiner bescheidenen sympathischen Persönlichkeit. Oberkantor Goldenberg, der zu Roschhaschono noch amtierte, wurde vor 30 Jahren zur Abhaltung eines Gottesdienstes anläßlich des Geburtstages des Kaiser Franz Josef nach Marienbad berufen, bei welchem er einen derartigen' Erfolg hatte, daß er sofort engagiert wurde. Damals war weder ein Chor vorhanden, noch stand die Orgel in Gebrauch. Goldenberg war es überlassen, beides einzuführen und den Gottesdienst derart auszugestalten, daß er die Anerkennung des großen internationalen Kurpublikums fand und großer Wertschätzung seines jeweiligen Vorstandes sich erfreute. Oberkantor Goldenberg wurde auch von seinen Amtskollegen sehr geschätzt, welche in ihm einen Senior und Meister seines Faches verehrten. Das Begräbnis fand vom Hause aus statt und wurde die Leiche zunächst in den Tempel geführt. Am Ehrengrabe hielt Herr Rabbiner Dr. Diamant einen ergreifenden Nachruf. Ferner würdigten Vorstehen B u xb a u m, Oberkantor Wilkowitsch aus Eger, Ernst S t i n g 1 im Namen des Chors die überaus großen Verdienste des Verblichenen. Die Temesvarer Judenschaft hat einen großen und schmerzlichen Verlust erlitten. Der greise Oberkantor der innerstädtischen Kultusgemeinde, Eduard Löwenherz, der seit zwei Jahren im Ruhestande lebt, ist während des Jörn Kippur-Gottesdienstes plötzlich zusammengestürzt und hat einige Minuten später seine edle Seele ausgehaucht. Der jähe Tod des Oberkantors hat in den Reihen der Gläubigen große Konsternierung hervorgerufen. Er starb sozusagen vor den Augen seiner Gemeinde an der heiligen Stätte, wo er 50 Jahre hindurch Gott dem Allmächtigen diente. Als er vor zwei Jahren wegen seiner Krankheit in den Ruhestand treten mußte, wurden im Rahmen eines imposanten Festes seine Verdienste gefeiert. An der Bahre des Verblichenen trauern seine treue Gattin Anna, die beiden Söhne Chefredakteur Sigmund Lanyi, Präsident des Syndikates der ausländischen Berichterstatter in Budapest, Alexander Löwenherz, Textilgroßehändler in Wien, und die Tochter Frau Irma Gemes, die in Wien verheiratet ist, sowie mehrere Enkelkinder. Oberkantor Löwenherz wurde unter .außergewöhnlich großer Beteiligung seiner dankbaren Gemeinde in einem Ehrengrab zur ewigen Ruhe bestattet. Wie Legenden entstehen. Am Jahrestage der Zerstörung Jerusalems, um 1 Uhr mittags, ereignete sich in Jerusalem eine merkwürdige Begebenheit. Es wurde plötzlich wahrgenommen, daß aus der bis heute erhalten gebliebenen gewaltigen Westmauer des salomonischen Tempels, die als einzige der Vernichtung entging, trübes Wasser rieselte. Unter den Betern, die sich, wie üblich, an diesem Tage dort versammelt hatten, entstand eine gewaltige Bewegung, und es verbreitete sich im Nu das Gerücht: „Die Mauer weint ..." Später stellte sich heraus, daß durch das Erdbeben Risse in einer Zisterne hinter der Mauer entstanden waren, weshalb das Wasser langsam durch die Ritzen der Mauer hindurchzurieseln begann.