Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 39-40 (26.9.1927)
- Date
- 1927-09-26
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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Seite 30 Mmni^ DIE WAHRHEIT £y Von Wotfhe zu Wotfse Gedenkfeier für Oberkantor Jakob Bauer s. A. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand Sonntag, den 18. d. M. die feierliche Enthüllung des Grabsteines für Herrn Jakob Bauer s. A., Ehrenpräsidenten des österreichischen Kantorenverbandes und Oberkantor der türkischsephardischen Gemeinde statt. Zu diesem feierlichen Akt hatten sich die Witwe, die Kinder und Familienangehörigen des Verstorbenen eingefunden, ferner der Verstand der türkisch-sephardischen Gemeinde unter Führung des Vizepräsidenten Robert de M a j o, die Mitglieder des Oesterreichischen Kantorenverbandes mit Vizepräsidenten Oberkantor J. Müller an der Spitze sowie viele Freunde und Bekannte des Verstorbenen. Nachdem sich die Anwesenden um die Grabstätte versammelt hatten, hielt Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d eine tiefempfundene Gedenkrede, in v/elcher er die Verdienste, welche sich der Verstorbene in- und außerhalb seines Berufes erworben hatte, in trefflichen Worten schilderte. Redner hob insbesonders seine Leistungen für den Kantorenstand hervor, dessen geistiger Führer Oberkantor Bauer Jahrzehnte hindurch gewesen ist und um dessen Hebung er durch Gründung eines Fachverbandes, einer geachteten Fachzeitschrift, ferner als Organisator unablässig bemüht war. Dr. Grunwald schilderte sodann das beispielgebende Familienleben des Verstorbenen, den zärtlichen Gatten und liebevollen Vater, dem das Wohl seiner Familie über alles ging. Die Liebe, die er seinen Kindern entgegengebracht hatte, ist auf fruchtbaren Boden gefallen, indem diese ihm den Lebensabend vergoldeten und nunmehr für ewige Zeiten dem unvergeßlichen Vater in kindlicher Dankbarkeit dieses Grabmal gesetzt haben. Hierauf fiel die Hülle des Grabsteines (künstlerischer Entwurf und Ausführung von der bekannten Steinmetz-Firma Friedländer & Deutsch. Wien I., Seitenstettengasse 2), der nebst einer Würdigung der Persönlichkeit Jakob Bauers das Motto trägt: Jakob's Stimme Gottes Stimme" Sodann brachten die Sänger der Gemeindetempel Striks, Kreisler, Wachmann, Reich und Perl das „S c h e w i s s i" in ergreifender Weise zum Vortrage, worauf Oberkantor Heinrich Fischer im Namen der Familie des Verstorbenen das El mole rachamim ausdrucksvoll rezitierte. Oberkantor I. Müller, der als Vizepräsident des Oesterr. Kantorenverbandes für den durch Krankheitsfall in der Familie verhinderten Präsidenten I. L ö w i t das Wort ergriff, schilderte in beredten Worten, was Jakob Bauer, dessen Name unter den Kantoren aller Länder mit Hochachtung genannt wird, speziell für den österreichischen. Kantorenstand bedeutete. Unermüdlich war er darauf bedacht, nicht nur die materielle Lage, sondern auch die Bildung und gesellschaftliche Stellung der Kantoren zu heben und gründete zu diesem Zwecke eine Zeitung, in welcher die hervorragendsten Fachmänner seiner Zeit das Wort ergriffen, um über die Aufgaben und Interessen des Standes zu allen Standesangehörigen zu sprechen. Die Krönung seines Lebenswerkes war jedoch die Schaffung des österreichischen Kantoienverbandes, dessen langjähriger Präsident und Ehrenpräsident er gewesen ist. In dankbarem Gedenken neigen wir österreichischen Kantoren uns jetzt vor einem Mann, der uns Vorbild und Führer auch nach seinem Heimgange bleiben wird. Nach einem Gebet des Kantors der türkisch-sephardischen Gemeinde, Herrn Asseo, schildert Vizepräsident Robert de M a j o im Namen der türkisch-sephardischen Gemeinde die großen Verdienste, welche sich der Verstorbene um diese Gemeinde erworben und die die Gemeinde zu immerwährendem Danke verpflichtet haben. Er dankte auch Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Grunwald für die zu Herzen gehende Würdigung, welche er ihrem Oberkantor habe angedeihen lassen und schließlich dem österreichischen Kantor e n v e r b a n d e für die Zeichen der Verehrung, welche ihrem unvergeßlichen Jakob Bauer entgegengebracht wurden. In geradezu ergreifender Weise brachte sodann Oberkantor Simon Weiß für den österreichischen Kantorenverband einen Trauerpsalm zum Vortrage, womit die erhebende Trauerfeier ihren Abschluß fand. Tempelverein „Aeschel Awrohom". Wie alljährlich am ersten Slichoth-Tage so feierte auch heuer obgenannter Verein in seinem schönen Gotteshause in der Pazmaniteng a s s e das Bestandsfest seiner Synagoge. Zur dauernden Erinnerung an die Einweihung des Gotteshauses wurde bereits vor Jahren eine Stiftung geschaffen, aus welcher jedes Jahr würdige Brautpaare getraut werden. Der heurige Weihetag des Tempels, an welchem vor 14 Jahren die Einweihung des Gotteshauses stattfand, wurde mit einer eihebenden Feier begangen, bei welcher zwei Brautpaare den Bund der Ehe schlössen. Zu dieser Feier hatte sich der gesamte Vorstand des Vereines im Zeremoniensaale versammelt. Sodann wurden die Brautpaare von den Tempelvorständen im feierlichen Zuge in das mit Blumen geschmückte festlich beleuchtete Gotteshaus, in welchem sich zahlreiche Festgäste eingefunden hatten, geleitet. Den Trauungsakt vollzog Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Funk, der eine erhebende Ansprache an die Brautpaare richtete, bei welcher er der Verdienste des Vorstandes und des Tempelvereines rühmend gedachte. Die kantoralen Funktionen wurden vom Oberkantor J. Müller in eindrucksvoller Weise vollzogen. Der jüdische fraaemrereiii Lcopoldslüdl bittet alle jüdischen Einwohner des II. Bezirkes und die Besucher des großen Leopoldstädter Tempels, anläßlich der hoben Feiertage ihn mit Spenden zu bedenken und ihm als Mitglied beizutreten. Die herrschende Not hat die Zahl und das Elend unserer Schützlinge ins Ungemessene gesteigert, zugleich aber die Reihen unserer Förderer stark gelichtet Unser Verein, der einzige allgemeine jüdische Wohlfahrts-Verein desjenigen Wiener Bezirkes, der die meisten Juden und unter ihnen die meisten Armen zählt, kann seine Tätigkeit nur dann fortsetzen, wenn ihm von allen Juden und Jüdinnen der Leopoldstadt unverzügliche, tatkräftige Unterstützung zuteil wird. Margarete Grunwald Präsidentin Klara Kaminka Stephanie Schein Vizepräsidentinnen Harle Btibner Sophie Uandl Schriftführerinnen Banminger Klara Beran Natalie Däne« Bosa Engelsrat Melanie Ernst Bosa Fischer Anna Fischer Olga Vorstandsdamen : Friedmann Olga Funk Bosa Hirschfeld Sidonie Kann Marie Klar Selma Kupfer Lina Lindner Klara Löwenfeld Gisela Neumann Hermine Oppenheim Begine Schwarz Henriette Steiner Lola Steiner Marie Geldsendungen nehmen eni^eden: Kassierinnen Natalie Beran Marie Steiner 1., Burgring 1 II., Kleine Mohrengasse 5 und die Redaktion der „Wahrheit", XI., Heinestraße 13, Postscheckkonto des Vereines 158.517.