Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-09-09 · Heft 37 (9.9.1927) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 37 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064335--15691-3088490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 14 DIE tVAHfttifiif Alten Testament", der leider sehr frei ist und trotzdem viel benutzt wird, ist bei Siebeck verlegt. Das „Archiv für Religionswissenschaft", das auch Juden zu Mitarbeitern hat, ist bis 1904 bei Siebeck herausgekommen. Paul Volz's „Jüdische Eschatologie von Daniel bis Akiba" ist 1903 hier erschienen, ein Werk, an dem wir nicht vorübergehen können. Und nun gar die Bibelübersetzung, deren Herausgabe in der Hand von Emil Kautzsch liegt und die in Lieferungen 1921 neu herauskam. Schließlich sei von den großen Erscheinungen, die auch von jüdischen Lesern benutzt werden, das Handwörterbuch „Die Religion in Geschichte und Gegenwart" genannt, das von 1908 an in Lieferungen erschien und 1913 in fünf stattlichen Bänden vorlag, um in diesen Zeiten eine zweite Auflage zu erleben. Bei dieser werden — das sei besonders vermerkt — auch jüdische Gelehrte mitherangezogen, so daß das Werk an Objektivität gewinnt. Die „Volksbücher", die wertvollen Arbeiten von Deissgewinnt. Die „Volksbücher", di wertvollen Arbeiten von Deissmann, Wendland, Guthe und vielen anderen sind gar nicht erwähnt, da schon die gegebene Auswahl die Vielseitigkeit und Rührigkeit des Verlages J. C. B. Mohr dartut. Der Verfasser dieses Büchleins hat nun nicht einfach eine solche Aufzählung vorgenommen, sondern die Werke und Arbeiten in den Rahmen der theologischen Forschung der letzten Jahrzehnte einzureihen verstanden. Er hat dabei die Person des Dr. Paul Siebeck, sein Leben und Streben, betont und gezeigt, welch gewaltigen Einfluß ein Verleger auf die Gestaltung des Büchermarktes hat. Wie Verfasser und Verleger zusammenarbeiten müssen wie der Verleger für seine Anregungen geeignete Kräfte finden muß, die Verfasser aber auch für ihre Studien und deren Verbreitung die rechte Stütze in einem mutigen, strebsamen und willigen Verleger erhalten müssen, zeigt diese Schrift an unendlichen Beispielen. Wir Juden besitzen einen Verleger dieser Art noch nicht. Wiewohl auf die Werke über das N. T., die der Verlag herausgebracht hat, hier nicht weiter gesprochen werden sollte, so dürfen doch die Schriften nicht unerwähnt bleiben, die als Frucht des Weltkrieges zu einem großen Publikum sprechen wollten, wie z. B. die Arbeiten über Politik und Moral, die Kriegspredigten u. a. Abschließend kann man sagen, daß man diese Geschichte der Theologie der letzten 50 Jahre mit großem Gefallen und Nutzen lesen wird, daß man dem Verlag ein weiteres Blühen und Gedeihen wünschen kann, an dem wir Juden auch unsere Freude haben werden, wenn wirklich der Verlag an dem Programm Dr. Rühles festhalten wird: „Ziel und Aufgabe des Verlags ist und bleibt die Förderung jeder lebendigen wissenschaftlichen Arbeit, die nach dieser Wahrheit ernsthaft strebt." Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. KONKURS Die israelitische Kultusgemeinde Innsbruck sucht für die hohen Feiertage musikalisch gebildeten Offerte sind an Herrn Kultusvorsteher Julius Pasch, Innsbruck, zu richten. DER VORSTAND erbet Atonnenten Imr „Die Wahrheit" ^Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei tK60.—, Polen ZI. 11.—, Schweiz Fr. 7.—, Amerika 1 Ys Doli.,Italien Lire 40.—,EnglandSchilling a 15.—, Rumänien Lei 300-—.Jugoslawien Dinar 100.— 9 Von Wodke *u Wodke Gottesdienst. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3, Soiiensaal, III., Marxergasse 13 und Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der Vorjährigen an der Kartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, in der Zeit vom 4. bis 16. September 1. j., während der Amtsstunden von 9 bis 1 Uhr vormittags behoben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 18. September d. J. Israelitische Kuitusgemeiade in Wien. Ueber Einladung des Präsidiums hält der Geschäftsführer der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise in Berlin, Herr 5. Adler-Rudel, im Anschlüsse an die am Sonntag, den 11. September, eventuell Montag, den 12. September stattfindenden Beratungen behufs Schaffung einer Organisation für Wanderfürsorge in Oesterreich Montag, den 12. September, 7 Uhr abends, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde in Wien I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einen Vortrag über „Die Formen produktiver Fürsorge in Deutschland: Arbeitsnachweis, Berufsberatung, Lehrstellenvermittlung, Brockensammlung, Arbeitsstätten, Notstandsarbeiten etc." Das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde hat zu diesem Vortrage eine große Anzahl von Wiener jüdischen Fürsorgevereinen eingeladen, da die Wiener jüdische soziale Fürsorge aus der Darlegung der musterhaften Einrichtungen in Deutschland gewiß manche schätzenswerte Information wird schöpfen können. Oberrabbiner Fürst dreißig Jahre in der Schiffschul. In diesen Tagen sind drei Jahrzehnte um, seit Oberrabbiner Fürst sein Amt in der Schiffschul in Wien antrat. Er wurde in Maros-Vasarhely als Sohn des dortigen Rabbiners geboren. Nach dessen frühzeitigem Tode kam er an die Rabbinerschule in Preßburg, wo er bald zu den glänzendsten Schülern der Kesow Sofer zählte. In jungen Jahren erhielt er das Rabbinat der neugegründeten orthodoxen Gemeinde in Tyrnau, nach elfjähriger Tätigkeit daselbst wurde er als Rabbiner nach E p e r i e s berufen, das er nach eineinhalbjähriger Tätigkeit verließ, um die Nachfolgeschaft des berühmten Rabbiners Solenim Spitzer zu übernehmen. In die Amtszeit des Rabbiners Fürst fällt die ganze außerordentlich aufsteigende Entwicklung der Adas Jisroel, die heute wohl die angesehenste orthodoxe Gemeinschaft in Europa ist. Das Verdienst an dieser Entwicklung gebührt dem Rabbiner der Adas Jisroel, der ein hervorragender Talmud-Gelehrter von Weltruf und zugleich ein Mann von feinsinnigster allgemeiner Bildung ist. Mit der strengsten Frömmigkeit, weiß er Sanftmut und weise Duldung zu vereinigen. Er ist der vornehmste Charakter mit dem bescheidensten Wesen, der durch seinen liebenswürdigen Umgang alle Herzen gewinnt. Wegen seiner klugen und überlegten Art ist er häufig berufen, zu den verschiedensten Anlässen die allgemeinen Interessen der glaubenstreuen Judenschaft zu vertreten. Wo er erscheint, genießt er das höchste Ansehen und die größte Verehrung und wird zum Gegenstand der Ovationen. Die Wiener Judenschaft in ihrer Gesamtheit wird in ihm geehrt. Von jeder Feier aus Anlaß dieses Jubiläums wird den Intentionen des Jubilars gemäß abgesehen. Im Interesse der Wiener Judenschaft sei der Wunsch ausgesprochen, Rabbiner Fürst möge in ungeschwächter Kraft und jugendlicher Frische noch viele Jahre sein Amt erfolgreich versehen. T. V. Todesfall. Mittwoch, den 31. v. M. wurde der 17jährige Student Stephan Kurt O b 1 a 11, Sohn des Möbelfabrikanten Oskar O b 1 a 11 und seiner Gattin Irene, geb. Witt, der seinen Eltern durch ein unerbittliches Geschick entrissen wurde, zu Grabe getragen. Wenn es schon in der natürlichen Tragik liegt, daß Kinder ihre Eltern zu Grabe geleiten, wie schmerzvoll muß es sein, wenn Eltern ein blühendes, hoffnungsvolles Kind zur ewigen Ruhe bestatten. Herzzerreißend war daher das Weinen und Schluchzen der zahlreichen Anwesenden bei der Trauerrede Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Max G r u n w a 1 d, als. er mit Tränen in den Augen von seinem kleinen Freunde Abschied nahm und die schwergeprüften Eltern ermahnte, stark zu sein und sich dem Walten der Vorsehung zu fügen. Bei dem schweren Gange der Eltern und der alten Großmutter zu der ewigen Ruhestätte ihres geliebten Kindes zeigte es sich, welche Teilnahme und großen Sympathien die unglückliche Familie in weiten Kreisen genießt. — Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor G. M a rg u 1 i e s in überaus ergreifender Weise. . . .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.