Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 36 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Verlobung. Fräulein Rita Scharfstein, Tochter des Kultusvorstehers M. Scharfstein, Wien, hat sich dieser Tage in Marienbad mit Herrn Salo Schärf, Großkaufmann in Konstanz, verlobt. Karlsbad. Donnerstag, den 28. v. M. fand im hiesigen großen Kurhaussaal ein von den Herren W. Wilder, Oberkantor in London, A. Lew in, Oberkantor in Wien, M. Perlmann, Oberkantor in Karlsbad, unter Mitwirkung der Konzertpianistin Betty L e w i n aus Wien und des Opernsängers V. T u 11 m a n n aus Dresden veranstaltetes Monstre- Konzert statt, das von einem äußerst distinguierten internationalen Publikum sehr zahlreich besucht war. Aus dem mit Geschmack zusammengestellten abwechslungsreichen Programm seien die mit starker Sttomkoloratur vorgetragenen kantoralen Gesänge des Londoner Oberkantors Wilder anerkennend hervorgehoben. Der Wiener Oberkantor A. Lew in wußte das Publikum sowohl mit kantoralen Voträgen, als auch mit jüdischen Liedern, die er mit seiner großen, angenehm klingenden Tenorstimme ganz vorzüglich zum Vortrag brachte, zu entzücken. Die jugendliche Konzertpianistin Betty Lewin spielte mit meisterhafter Technik und hinreißendem Rhythmus „Campanella", die ungarische Rhapsodie Nr. 11 und den Tannhäusermarsch (Bearbeitung von Liszt) und erntete wohlverdienten und reichlichen Beifall Der Dresdner Opernbariton V. Tullmann sang mit seiner prächtigen Baritonstimnie Opernarien und wurde gleich wie der Oberkantor M. Perlmann, der mit weicher Tenorstimme nebst kantoralen Gesängen auch Opernarien und zum Schluß mit Herrn Tullmann Opernduette zum Vortrag brachte, mit brausendem Beifall ausgezeichnet. Die Klavierbegleitung sämtlicher Gesänge besorgte Herr Robert Wotzilka in feinfühliger exakter Weise und nahm an dem reich gespendeten Applaus gebührenden Anteil. Alles in allem, ein sehr gelungener und wirklich genußreicher Konzertabeod. K. Z. Ehrung für Oberkantor Josef Heller. Die israelitische Kultusgemeinde Brünn hat ihrem langjährigen Oberkantor und Chordirektor Herrn Josef Heller anläßlich seines Uebertrittes in den Ruhestand eine ehrende Kundgebung durch Uebersendung einer vom Gesamtvorstande gefertigten Adresse bereitet. In dieser Adresse wird die Bedeutung Hellers als Sänger, als Mensch und Jude mit folgenden Worten gewürdigt: „Nahezu ein Menschenalter haben Sie. hochgeehrter Herr Oberkantor, Ihr heiüges Amt in unserer Gemeinde ausgeübt und wenn wir Sie jetzt schweren Herzens in die Fremde ziehen lassen müssen, werden alle die Gefühle der Verehrung und der Dankbarkeit in uns wach, die wir mit allen Mitgliedern unserer Gemeinde teilen. Sie scheiden von uns mit dem Bewußtsein der jederzeit treu und hingebungsvoll erfüllten Pflicht, Sie sollen aber auch das Bewußtsein mit sich nehmen, daß Sie in unserer Gemeinde nur aufrichtige Freunde zurücklassen, deren Hochschätzung und Freundschaft Ihnen in Ihr neues Domizil folgen werden. Nicht nur als Künstler und Dolmetsch unserer Gebete vor dem Allmächtigen waren Sie uns lieb und wert; wir haben Sie auch als wahrhaft guten und edlen Menschen hochgeschätzt und verehrt. Ihr gottbegnadeter Gesang, er hat die Gemeinde zur Andacht erhoben, Ihr Gesang hat an unserer Freude teilgenommen und er hat unseren Schmerz gelindert, wenn es galt, von unseren Lieben und Freunden immer Abschied zu nehmen. Stets kamen ihre Gebete aus gläubigem, teilnahmsvollem Herzen und deshalb sind sie auch in aller Herzen gedrungen. Nehmen Sie, hochverehrter Herr Oberkantor und lieber Freund, unseren innigsten Dank für all das, was Sie uns durch 38 Jahre im reichsten Maße gegeben haben. Ein Wunsch, ein vom Herzen kommender Wunsch soll diesen Dank begleiten. Möge es Ihnen beschieden sein, das stille Glück eines ruhigen Alters, frei von allem Kummer und Ungemach im Kreise Ihrer Lieben noch viele, viele Jahre in geistiger und körperlicher Rüstigkeit zu genießen! Unseren Dank an Sie, sehr geehrter Herr Oberkantor, haben wir im Sitzungsprotokolle vom 30. Juni 1. J. eingetragen, damit auch unsere Nachfahren wissen sollen, was Sie für uns waren und was wir an Ihnen verlieren. Und nun, sehr geschätzter Herr Oberkantor und lieber Frund, ein herzliches Lebewohl! Kein Abschied für immer; denn wann immer Sie nach Brünn kommen, immer werden wir Sie als den Unseren, als uns zugehörig betrachten, weil ein so freundschaftliches Band, welches Sie mit unserer Gemeinde verbunden, nie gelöst werden soll und kann." Uerkd Atonentea!tr „Die Watrkeit"! (Briefkasten. An einen Nichtleser. Sie schreiben uns: „Ich lese „Die Wahrheit" nicht, denn ich bin ZionisL" Wollen Sie damit sagen, daß Sie das Blatt deshalb nicht lesen, weil Sie Ihre Informationen Heber aus den Ihnen nahestehenden jüdischen Organen schöpfen, dann wollen wir Ihnen nur zu bedenken geben, daß Sie sich hierdurch die Möglichkeit nehmen, über das Denken. Wollen und Schaffen des dem nationalen Zionismus fernestehenden Judentums, das in geistiger, kultureller und politischer Bedeutung dem nationalen wahrlich nicht nachsteht, objektive Berichte zu erhaltea Wäre es nicht gerade für einen Zionisten, der wie Sie auf einer höheren Warte steht und jeglichen Radikalismus ablehnt, von größerem Werte, die Meinung des politischen Gegners zu erfahren und durch diese zum Nachdenken angeregt zu werden, als immerfort nur diejenigen Ansichten zur Kenntnis nehmen zu müssen, die ohnedies bereits die Ihrigen zu sein scheinen? Soll das Nichüesen der „Wahrheit" jedoch ein Protest gegen deren „antizionistische" Haltung 'sein, dann glauben wir, daß Sie als ehrlicher und offener Zionist eher Grund hätten, gegen die „antijüdische" Haltung mancher Zionisten zu protestieren. „Die Wahrheit" hat zwar stets den Nationalismus als eine Sünde wider den Geist des Judentums abgelehnt und bekämpft, ist aber mit Ihnen einer Meinung, wenn Sie schreiben, „daß unsere geistige Heimat das Judentum ist," doch glauben wir, daß uns diese „geistige Heimat" ohne Rücksicht auf politische Grenzen und die jeweiligen Machtkonstellationen erhalten werden muß. Wollen Sie daher aus den Vorurteilen, in denen Sie offenbar mit Bezug auf unser Blatt befangen sind, herauskommen und eine richtige Einschätzung der Gesinnung desselben erlangen, dann müßten Sie gerade den umgekehrten Weg einschlagen. Der Weg der Negation, der im „Nichtlesen" besteht, führt jedoch meistens in die Irre. Die Israelitische Kultusgemeinde Graz sucht zufolge Erkrankung ihres Oberkantors über R€»sclft Bma sdiono und Jörn kipor einen guten Kanlor der musikalisch gebildet, mit Chor und Orgel fungieren kann. Offerte mit Angabe der Honoraransprüche sind zu richten an die Israelitische Kultusgemeinde Graz. •*M>TOMM>>^ Im jähre 1928 erscheint das Standardwerk der jüdischen Geschichte Vähren8 Die Joden und ludengemeinden Mährens jn Vergangenheit und Eegenwart Redaktionelle Leitung: Rabbiner Dr. H. Flesch, Kanltz. Oberrab. Dr. j. Freimann, Posen. Chefredakteur Hugo Gold, Brünn. Prof. Dr. Max Orünfeld, Brünn. Dr. Theodor Haas. Brünn. Prof. Dr, J. Lamm, Brünn. Prof. Qr. S. Wachstein, Wien. 700 Seiten im Großformat. Uber 500 Illustrationen aus den Judengemeinden Mährens der Vergangenheil und Gegenwart, lieber 70 Mitarbeiter. Subskriptionspreise: Halbleinenband in prachtvoller Ausstattung S 65-— Halblederband S 75-—, broschürt S 55-— Nach Erscheinen erhöhen sich die Preise um 15 Prozent! Das Werk enthalt u. a. folgende Arbeiten: Dr. H. Flesch, Kanltz: Die Einwanderung der juden in Mähren. Prof. Dr. Max Orünfeld, Brünn: Äußerer Verlauf der Geschichte der Juden in Mähren bis zum 20. jahrhundert. Prof. O. Kwasnlk-ßabbin owiez, Brünn; Sekten in Mähren. Ferner die Einzelgeschichten von 52 mährischen Gemeinden in Wort und Bild Beiträge Uber das jüdische Steuerwesen, Landesrabbinat, Landesmassafonds, die Gelehrtengeschichte Mährens u. v. a. m. Verlangen Sie die Zusendung des illustrierten Prospektes! Jüdischer Buchand Kunstverlag Brünn, Adlergasse 9