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Die Wahrheit · 1927-08-26 · Heft 35 (26.8.1927) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 35 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Itii WAHftffiElf Van Wodke *u Worte Zur Rabbiner Dr. L. Bardowicz-Gedächtnisfeier. Es ist mehr als 500 Jahre her, daß in Mödling bei Wien ein jüdisches Gemeinwesen blühte, das durch Reichtum, Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Opfermut in gleichem Maße ausgezeichnet war. Das Unglück der Wiener Geserah bereitete auch dieser Gemeinde ein jähes Ende und erst vor sechs Jahrzehnten konnte sich in der aiten Stadt wieder eine neue Gemeinde bilden. Rabbiner Dr. L. Bardowicz s. A., dem nun Sonntag, den 21. August, das gebührende Grabdenkmal auf dem Wiener Zentralfriedhof errichtet wurde, trat sein Amt in Mödling, das ihm zur zweiten Heimat wurde, im Jahre 1892 an. Wie es ihm gelungen ist, den durch mehr als viereinhalb Jahrhunderte durchschnitten gewesenen Faden wieder aufzunehmen, welcher Anteil ihm daran gebührt, daß heute in Mödling wieder ein Gemeindeleben mit regen jüdischen Interessen herrscht, und daß sein Nachfolger die Arbeit in glücklicher Weise fortsetzen kann, seine Bedeutung als Fachgelehrter und geistiger Führer, alle diese Verdienste hat eben dieser Nachfolger, Herr Rabbiner Dr. Schweiger, in seiner Gedächtnisrde am Sonntag gewürdigt Nur zu den Worten der Mazewah, die auf sein Verdienst als Jugendbildner hindeuten, will dch eine kleine Illustration geben. Wenigen war wohl so wie mir der gütige Grundzug von Dr. Bardowicz* Wesen der ihn zum Lehrer und Freund der Jugend besonders prädestinierte, offenbar, da ich als sein Lieblingsschüler Gelegenheit hatte, ihm näherzutreten und ihn in seinem ureigensten Element, in seiner Studierstube zu sehen. Ich weiß, wie verhaßt ihm jede Lüge war, und keines seiner Worte hat auf mich solchen Eindruck gemacht wie eine seiner Pessachpredigten, in der er die Jugend als das Morgenrot des jüdidischen Volkes feierte, das die Chachamim mit den Worten der Agada .... bis ihre Schüler kamen und zu ihnen sagten: „Unsere Lehrer, die Zeit ist gekommen, das Schina zu lesen!" kennzeichnen wollten. Bei dieser hohen Auffassung von der Jugend als der Zukunft des Judentums war es kein Wunder, daß Rabbiner Dr. Bardowicz seinen Schülern unvergängliche Werte einpflanzte, für die ihm von meiner Seite Dank gesagt sei Der Bescheidene, der Gerechte und Fromme ist von uns gegangen, aber sein Verdienst als Lehrer wird allen, die ihm ein ehrendes Andenken bewahren, eine sichere Stütze bleiben. L. Moses. Bei der oben erwähnten Denkmaleinweihung war die Israelitische Kultusgemeinde Mödling durch den Präsidenten Josef Fischer und die Kultusräte Alfred Moser, Moritz Epstein, Adolf Koppel, Gustav Fischer und Dr. Paul S m i 1 o v i c i vertreten. Nach der ergreifenden Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Albert Schweiger sang Kantor Mandl das El Mole Rachanim. Es sprach noch als Vertreter der Wiener Kultusgemeinde Herr Kommerzialrat Buchwald. Tod des Universitätsprofessors Dr. Otto Sachs. Auch an dieser Stelle muß der Verlust dieses vortrefflichen Menschen und hervorragenden Arztes mit tiefstem Bedauern gemeldet werden, denn er war, wie dies auch bei der Leichenfeier am 17. d. M. Herr Dr. Arnold Ascher in Vertretung der B.-B.- Loge „Eintracht" hervorhob, ein guter, ein ganzer Jude. Sein wissenschaftliches Wirken, seine gütige, den Kranken mit Müde und Einsicht behandelnde Art wurde von den Vertretern des Verbandes der Wiener Krankenkassen und der dermatologischen Gesllschaft aufs rühmendste hervorgehoben. Und wahr war das Wort des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Doktor Max Grunwald, daß seih Grabstein kein Grenzstein sei, daß Professor Dr. Otto Sachs durch seine Taten fortleben werde. Seiner karitativen Tätigkeit muß aber auch gedacht werden. Durch Jahre hatte er die Zöglinge des Wiener israelitischen Taubstummeninstitütes unter seiner spezialärztlichen Fürsorge, durch viele Jahre gehörte er dem Vorstande des deutschösterreichischen Fürsorgevereines für Taubblinde an und war mittätig für diese Aermsten der Menschen, die weder sehen hoch hören noch sprechen können. Stets war er zur Hilfeleistung bereit Ein unerbittliches Geschick nahm dem vorbildlichen Juden, als er seine wohlverdienten Ferien antreten wollte, das Leben und sversetzte die achtzigjährige, geliebte Mutter, den einzigen Bruder, der als Arzt in Hietzing wirkt.die Patienten und die zahlreichen Freunde in tiefste Trauer, Dr. S. Kr. Oberkantor Abrahamsohn im Budapester Tabaktempel. Dem Wunsche zahlreicher Tempelbesucher Folge leistend, hat Oberkantor Im. Abrahamsohn am vergangenen Freitag und Samstag im Tabaktempel den Gottesdienst versehen. Der große Tempel war bis auf das letzte Plätzchen schon lange vor Beginn des Gottesdienstes gefüllt. Der auch in Wien gut bekannte Oberkantor hat mit seinem geschmackvollen Vortrage die ganze andächtige Gemeinde entzückt. Mit seiner wundervollen und innig klingenden Baritonstimme versteht es Abrahamsohn, der, heute erst 40 Jahre alt, über 22 Jahre Kantor ist, den Gottesdienst zu verherrlichen. Der Erfolg war fabelhaft. Dem gefeierten Tempelsänger wurden nach dem Gottesdienste jubelnde Ovationen bereitet. Wie verlautet, soll mit Oberkantor Abrahamsohn schon demnächst die seit Jahren nach weil. Prof. Lazarus verwaiste Oberkantorstelle besetzt werden. Die Wahl wäre von Seite der Pester israelitischen Religionsgemeinde die glücklichste. Budapest Am 21. d. M. feierte der durch seine Wohltätigkeit bestbekannte Herr Nathan Böhm mit seiner Gattin Regina, geb. R e i s n e r, den vierzigjährigen Hochzeitstag im engsten Familienkreise. Gleichenberg. Die Oberkantoren G. Margulies und S. Postolow aus Wien veranstalteten im großen Saale des Hotels Mailand am 15. August einen Lieder- und Arienabend, der einen glänzenden Verlauf nahm. Beide Herren haben das zahlreich erschienene Publikum mit ihrer schönen Stimme und vollendeten Technik begeistert und entzückt. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Im Augustheft nimmt Julius Guttmann in außerordentlich lichtvollen Ausführungen zu der Frage nach der „Dogmatik" des Judentums abschließend Stellung. Er weist die „Labilität" der jüdischen Glaubenslehren im Gegensatz zu den christlichen nach und führt sie auf die Eigenart der jüdischen Religion, die nicht in dem Sinne wie die christlche als Erlösungsreligion gelten kann, zurück;, im Zusammenhange werden die eigentümlichen Schwierigkeiten erörtert, auf welche die Darstellung der jüdischen Glaubenslehren in der Gegenwart stößt, E. Bickermann prüft den Vorwurf des Eselskultes, den man im Altertum gegen das Judentum erhob. Josef MeisI schildert die etwas ergötzlichen und doch sehr ernsten Verlegenheiten, in welche die preussischen Judengemeinden dadurch kamen, daß die Herstellung von Kalendern Privileg der Akademie der Wissenschaften war, die natürlich den Bedürfnissen der Juden nicht Rechnung tragen konnte. Die Sammelbesprechung dieses Heftes, von A. Kaminka verfaßt, unterzieht wichtige Werke über die Hagiographen, insbesondere G u n k e 1 s neuen Psalmenkommentar, einer kritischen Betrachtung. Man abonniert die Monatsschrift durch Beitritt zu der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" in Berlin; am einfachsten durch Uebersendung des Jahresbeitrages von nur Mk. 10.— auf deren Postscheekkonto Berlin 7030 (Paul Veit Simon). Dr. Sigismund Bauer, homöopath. Spazialarzt, ist von seiner Erholungsreise zurückgekehrt und ordiniert wieder Wien I., Tuchlauben 18. Telephon: 67-7-23. Jüdischer Kindergarten im XX. Bezirk, Othmargasse 46. Die E i n s c h r e i b u n ge n finden Donnerstag, den 1. und Freitag, den 2. September in der Zeit zwischen %9 und 12 Uhr statt Impfzeugnis ist beizubringen. Die Kinder erhalten über Wunsch außer täglich zweimal Milch auch Mittags streng rituelle Verpflegung. Der regelmäßige Unterricht beginnt Montag, den 5. September, %9 Uhr früh. Die Wissenschaft des Judentums an der Leipziger Universität Wie aus Leipzig berichtet wird, ist dem jüdischen Gelehrten Dr. phil. Lazar Gulkowitsch von der Leipziger Universität die Venia legendi für die Wissenschaft des Judentums erteilt worden, nachdem er zuvor schon an dieser Universität als Lektor für talraudische Wissenschaften fungiert hatte. Die Habilitationsschrift des Dr. Gulkowitsch war betitelt: „Der Chasidismus religionswissenschaftlich untersucht". Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran. Das Genesungsheim dieses Vereines wird heuer bereits am 15. Oktober eröffnet. — Gesuche um Aufnahme sind zu richten an das .^Genesungsheim" Merano (Italien).

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