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Die Wahrheit · 1927-08-26 · Heft 35 (26.8.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 35 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hvscfkeint iedlen 5Treifag flfeeis dieser Jlummer: 50 Smroscffceii D/E WAHRHEIT Cestenei€h\isdhe Wo&ens&rift für ßudisdäe Jnteressen Vexöffenttidkun&en der „Union deutsdwöstevr. Juden*' Redaktion und Administration: Wien II., 3ftdnCStV€Mßc Jtr. 13 Fernruf 42-2*16 XLIII. Jahrgang Wien, 26. August 1927 Nummer 35 Ausblicke auf den 15. Zionistenkongreß. Der demnächst in Basel stattfindende Zionistenkongreß beansprucht mit Recht das Interesse der gesamten Judenheit, auch der dem p o- 1 it i s c h e n Zionismus fernstehenden Kreise; ist doch der Wiederaufbau Palästinas keine Angelegenheit einer jüdischen Partei oder politischen Richtung, sondern des Judentums überhaupt. Mag man auch den jüdischen Nationalismus als der Idee des Judentums widersprechend ablehnen, mag man den Palästinaaufbau nicht als „die Lösung" der Judenfrage, sondern nur als ein jüdisches Spezialproblem betrachten, mag man insbesondere die zahlreichen schweren Fehler des politischen Zionismus sowohl in seiner Palästinapolitik als namentlich in der sogenannten „Landespolitik" auf das schärfste verurteilen und im allgemein jüdischen Interesse bedauern — nichts gibt uns Juden, wenn wir wahrhafte, aufrechte Juden sein wollen, das Recht, unsere Glaubensgenossen im Heiligen Lande, die erst jüngst wieder von schweren elementaren und wirtschaftlichen Katastrophen heimgesucht wurden, im Stiche zu lassen und sie, die Aufbauenden und Schaffenden, für die Fehler derjenigen zu bestrafen, die ihren Ehrgeiz weniger im Aufbau als im Niederreißen, Zerspalten und Zersetzen erblicken. Denn es muß leider ausgesprochen werden, daß neben den Aufbauenden, den Vorwärtsstrebenden, den Synthetikern des Zionismus, an deren Spitze der Präsident der Weltorganisation Prof. Chaim W e i z m a n n steht, sich auch zionistische Politiker befinden, deren Ziel Analysierung, Isolierung und Radikalisierung der zionistischen Bewegung ist. Und eben deshalb, weil der kommende Kongreß eine Kraftprobe zwischen jenen, die wir als „p o s i t i v e Z i o n i s t e n" bezeichnen wollen, und jenen, welche wir wohl ihrer ganzen Einstellung gemäß als „negative Z i o n isten" bezeichnen müssen, bilden wird, eben deshalb beansprucht er das Interesse der gesamten Judenschaft und speziell auch jener jüdischen Kreise, die, ohne Zionisten im engeren Sinne zu sein, gerne bereit wären, unter Ausschaltung aller politischen und nationalen Gegensätze mit allen jüdischen Gruppen, die den Aufbau Palästinas wollen, zusammenzuarbeiten. Gerade diese Zusammenarbeit aller Juden im Interesse des Wiederaufbaues des Landes unserer Väter, gerade diese Vereinigung aller jüdischen Energien für dieses schöne, edle und erstrebenswerte Werk, gerade dies ist das Ziel des rührigen Präsidenten der zionistischen Weltorganisation, gerade das ist aber auch — man möchte es gar nicht für möglich halten, es ist aber dennoch traurige Wahrheit! — der Grund, warum er in seinen eigenen Reihen auf das heftigste, auf das erbittertste befehdet wird, warum Radikale, Revisionisten und andere „Zionisten" gegen ihn Sturm laufen. In der Absicht, eine Plattform für ein Zusammenarbeiten aller zionsfreundlichen Juden zu scharfen, hat Präsident Weizmann mit zahlreichen nichtzionistischen Gruppen Unterhandlungen gepflogen, die eine Erweiterung der bereits in der Balfour - Deklaration vorgesehenen J ewish Agency zum Ziele hatten, insbesondere bemühte er sich um einen Eintritt der Vertreter jenes Zweiges der Judenschaft, der heute als einer der moralisch, politisch und wirtschaftlich kräftigsten angesehen werden muß, nämlich des amerikanischen, in diese Organisation. Nicht „mit eingerollter Fahne", wie dies ein österreichischer Gegner der Weizmannschen Versöhnungspolitik seinerzeit behauptet hat, sondern mit der entfalteten Fahne des Judentums und frei von jeglichem nationalistischen Ballast ist damals Weizmann nach Amerika gefahren und seine Bemühungen haben einen vorläufigen und sicher nicht zu unterschätzenden Erfolg davongetragen. Am 17. Jänner 1927 wurde von Louis M a r s h a 11, dem Vertreter einer großen und zielbewußten jüdischen Gruppe Amerikas, und Prof. Weizmann namens der zionistischen Exekutive eine Vereinbarung unterzeichnet, in welcher zum Ausdrucke gebracht wurde, „daß volle Einigkeit über die Wünschbarkeit und Durchführbarkeit der Organisierung der Jewish Agency in Gemäßheit der Bestimmungen des Palästinamandates und gemäß den allgemeinen Richtlinien der vom Zionistenkongreß in Wien im August 1925 angenommenen Beschlüsse bestehe." Die Vereinbarung sah ferner die Bildung einer gemischten Kommission vor, die den Zweck haben soll, eine genaue Untersuchung der Verhältnisse in Palästina durchzuführen sowie auch fachmännisches Studium der Entwicklungsmöglichkeiten des Landes, der landwirtschaftlichen, industriellen, kommerziellen und sonstigen wirtschaftlichen Aussichten Palästinas und des benachbarten Gebietes und eine vollständige Konzeption der jüdischen Arbeiten und Leistungen im Lande zu schaffen. Die Kommission soll Vorschläge für ein langfristiges

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