Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 33 (12.8.1927)
- Date
- 1927-08-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 MilM DIE WAHRHEIT Kämpfenden und hat mit der ihm eigenen Energie zielbewußt dort eingegriffen, wo ihm irgendwie jüdisches Interesse gefährdet erschien. Das von ihm und seinem Bruder Adolf Hofbauer s. A. gegründete bestbekannte Warenhaus Tuchlauben ist trotz der schweren wirtschaftlichen Verhältnisse an Samstagen und allen jüdischen Feiertagen geschlossen, ein Beweis, wie er selbst und seine Söhne die Tradition der Väter aufrechterhalten. Möge uns eine gütige Vorsehung Herrn Bernhard Hofbauer noch viele Jahre in jugendlicher Frische und Gesundheit erhalten, möge der Jubilar noch viele Freuden an seinen prächtigen Kindern und Kindeslrindern erleben! Regine Ulmann. Achtzig Jahre wird sie am 1. September alt „Unmöglich" sagen alle, die sie verehren (und das sind viele, sehr viele), diese lebendige, frische, stets „viel zu tun habende" Frau. „Ja", meint sie lächelnd, „ich bin wirklich achtzig Jahre, aber nicht alt, sondern jung, denn um all das auszuführen, was ich noch möchte, muß man noch jung sein!" Und das ist sie auch! Gut ohne Schwäche, streng ohne Härte (wenn's not tut) ist sie so recht der Typus der wahren jüdischen Frau, die Klugheit, Güte, Wohlwollen, Altruismus für ihr Volk und besonders für ihre Mitschwestern mit praktischem Verstand vereint. Helfen, wo es not tut, und nicht mit einem vorübergehenden Almosen, sondern, wenn möglich, durch tatkräftige Unterstützung, das heißt, Schaffung von Arbeit und Brot — dies Bemühen kennzeichnet ihr Wirken! Alle diejenigen jüdischen Mädchen, welche seit der Gründung des jüdischen Mädchen-Unterstützungsvereines durch die verschiedenen Schulen dieses gemeinnützigen Unternehmens in die Lage versetzt wurden, lohnende Arbeit zu finden, alle Siechen, Kranken, Alten, denen die weibliche Fürsorge Labung verschaffte, werden mit stetem Dank der Frau gedenken, welche in unserer materialistischen Zeit das wahre gütige, alttestamentarische Frauenbild, wie Salomo es uns gezeichnet, ins Moderne übersetzt, verkörpert. Sie ist keine „Glückel von Hameln", sie ist ja keine Geschäftsfrau, sie ist eine Jüdin, wie sie Sigmund Mayer in seiner Mutter geschildert! Sie und ihr Wirken seien gesegnet für und für! Möge sie in dem Bewußtsein, in ihrer engeren Familie die geliebte, verehrte Seniorin einer zahlreichen, glücklichen Kinder- und Enkelschar zu sein, den verdienten Dank des Schicksals für ihr Walten und Arbeiten im Dienste der jüdischen Allgemeinheit erblicken — möge sie noch viele, lange Jahre dieses Glück genießen! Sidonie Rosenberg. Todesfall. Unter außerordentlich großer Beteiligung wurde Freitag, den 5. d. M., Börserat Hugo Popper, eines der ältesten und angesehensten Mitglieder der Wiener Produktenbörse, zu Grabe getragen. Mit Hugo Popper verschwindet eine markante Persönlichkeit des Wiener Geschäftslebens, ein ehrenwerter und angesehener Kaufmann der alten Schule aus dem Leben, aber auch das Wiener Judentum verliert in Hugo Popper einen warmherzigen Förderer, der für die jüdischen Interessen, ganz besonders für die C h e w r a K a d i s c h a, in deren Vorstand er war, viel geleistet hat. Nachdem Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d die große Trauergemeinde durch Schilderung der Verdienste des Verstorbenen erschüttert hatte, würdigten Dr. Wilhelm Pappenheim namens der Börsekammer und des Börseschiedsgerichtes, welchen Korporationen der Verstorbene angehört hat, das gemeinnützige Wirken des Verblichenen. Die kantorale Funktion wurde vom I. Kantor Leo Funke in würdiger Weise vollzogen. Rezitationsabend. Aus Karlsbad wird geschrieben: Samstag fand hier im Saale des Hotel „Kroh" ein Vortragsabend der Wiener Sprechkünstlerin, Frl. Margarethe Bach, statt. Mät einer leider immer seltener werdenden, gut geschulten Sprechtechnik brachte die Vorrragskünstlerin, eine Tochter des Herrn Rabbiner Dr. M. Bach, Werke von Poe. Wildgans, Rilke und anderen formvollendet und warmempfunden zum Vortrage und erntete insbesondere für die seelenvolle Wiedergabe von Nüchterns „Aus Sanssouci'* reichen und wohlverdienten Beifall. 25. K.-C.-Tag. In Freiburg versammelten sich in diesen Tagen die im K.-C. (Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) zusammengeschlossenen Korporationen zu ihrer 25. ordentlichen Verbandstagung. Vorauf ging das 7. Verbandssportfest auf dem Sportplatz des F. F. C, zu dem eine große Anzahl von Meldungen aus allen Teilen des Reiches abgegeben waren. Die Leistungen zeugen von dem Anwachsen und den Fortschritten der Sportsbewegung im K.-C. Den Höhepunkt der Tagung bildete der große Festkommers in der Harmonie. Neben zahlreichen Vertretern von Freiburger Körperschaften und Vereinen und der Studentenschaft hatten auch die Kartellverbindungen ihre Chargierten in Wichs entsandt, die dem großen Kommers noch eine besondere farbige Note gaben. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Altherren-Vereinigung der Freiburger K.-C.-Verbindung nahm als erster Redner Dr. Goldmann das Wort, um zu betonen, daß es notwendig sei, die Tendenz des K.-C. immer wieder zu betrachten. Er gelobte, getreu der Grundtendenz des Verbandes die alten Wege machtvoll weiter zu wandeln, Deutschtum und Judentum in Persönlichkeiten zu vereinen und diese Arbeit nicht zuletzt durch Erziehung, Band und Mütze weiter zu fördern. Doktor Urias-Hamburg legte dar, wie die deutsche akademische Jugend, die aus den Reihen des K.-C. hervorgegangen, es stets als ihre vaterländische Pflicht betrachtet hat, sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und der Kriegsteilnehmer-Generation, der Unterschiede von Religion und Rasse fernlagen, nach zu leben. Es folgte der gemeinsame Sang des Deutschlandliedes. Von den Verhandlungen am Sonntag verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß der K.-C. sich als erster studentischer Verband nach dem Würzburger deutschen Studententag mit der Lage an den deutschen Hochschulen beschäftigte. Ferner verdient ein Beschluß Beachtung, der von den K.-C.-Verbindungen im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Schulung die Beschäftigung mit Staatspolitik besonders in den Vordergrund stellen soll. Zur gegenwärtigen Lage des Verfassungskampfes um die Organisation der deutschen Studentenschaft faßte der K.-C.-Tag folgende Resolution: „Der 25. ordentliche Verbandstag des K.-C. (Kartell- Convents der Verbindung Deutscher Studenten jüdischen Glaubens) in Freiburg nimmt in Uebereinstimmung mit den von den früheren Verbandstagungen festgelegten hochschulpolitischen Richtlinien zu dem Ergebnis des Würzburger Studententages folgende Stellung: Der Würzburger Beschluß kann nie die Grundlage einer Verfassung der Deutschen Studentenschaft sein, da seine Urheber die Einheit der deutschen Kulturgemeinschaft aus völkischen Gesichtspunkten bestreiten, aus politischen Erwägungen die Staatsautorität verneinen und einen wahrhaft großdeutschen Zusammenschluß, wie er das Ziel der Kriegsteilnehmer-Generation war, durch rassische Scheidung unmöglich machen." ICBBaBBBUSa a Hygienisches KöniöslicM Seit vielen Jahren das anerkannt beste M^-fTÖtM Man achte auf die ges. gesch. Marke ,Hyglen. Königslicht* und Name Schulz Fabrik und Büro; Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon 83-1-87