Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 31 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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CvscAeinf Jeden 9veitag (Pteis dieser JVummer: 5© 9ros«ften 0/E WAHRHEIT Cesteneidkiscfke Wodkensdkeift für jiidiscfie Jraferessera Teröjjfenffiduiiigeii der „Union deufscfkosferr. Juden" Redaktion und Administration: Wien #/•» JVeinejsfraJSe JRCtS. 13 Fernruf 42-2-16 XLIII. Jahrgang _Wien, 29. Juli 1927__Nummer 31 Die „Konferenz zum Schutze der jüdischen^ Rechte". Während der Vorbereitungen zu den Friedensverträgen bildete sich ein aus Vertretern jüdischer Organisationen der sogenannten Sieger Staaten zusammengesetztes Comite des delegations juives, das sich der Aufgabe unterzog, für die Regelung der rechtlichen Lage der jüdischen Minderheiten in Ost- und Zentraleuropa den mit Bearbeitung der Minderheitsfragen an sich betrauten Persönlichkeiten die notwendigen speziellen Unterlagen und Vorschläge zu unterbreiten. Auch der American Jewish Congress unter Führung des Richters Mack sowie das American Jewish Committee unter Louis Marshall hatten sich an diesen Arbeiten aktiv beteiligt. Es ist bekannt^ daß durch Verträge die Rechte der jüdischen Minderheiten im Osten geregelt wurden und daß sich in der Sektion für Minderheiten des Völkerbundes in Genf auch eine jüdische Abteilung befindet, durch die eine Garantie für die Wahrung der in den Verträgen gewährleisteten Rechte geschaffen werden soll. In letzter Zeit machten sich nun im zionistischnationaljüdischen Lager Bestrebungen geltend, neben den sozusagen amtlichen Organen in Genf eine eigen ejüdischeinternationale Zentrale für die Interessen der jüdischnationalen Minderheiten zu schaffen. Vom 17. bis 19. August d. J. soll in Zürich eine K o nferenz zum Schutze der jüdischen Rechte zusammentreten, zu der die großen jüdischen Organisationen der einzelnen Staaten durch Zirkular eingeladen werden, die vom American Jewish Congress (Mack und Stephen Wise) und vom Comite des delegations juives (Nahum Sokolow, dem Chef der zionistischen Exekutive, und Mptzkin) unterzeichnet sind. Es steht außer jedem Zweifel, daß eine solche Konferenz keine Legitimation hat, sich als eine Vertretung der gesamten Judenheit der Welt zu gerieren. Aber auch abgesehen davon, muß eine. Konferenz mit dem gekennzeichneten Zweck und Ziel die schwersten Bedenken aller nichtzionistischen, das Nationaljudentum ablehnenden Kreise erregen und ihren schärfsten Widerspruch herausfordern. Nichts anderes müßte ja eine solche Konferenz bedeuten, als die Konstituierung des Judentums als überstaatlicher, politischer und diplomatischer Faktor. In amerikanisch-jüdischen und französisch -jüdischen Kreisen hat das Projekt heftigen Widerspruch hervorgerufen. . Louis Marshall, der Präsident des American Jewish Committee hat seine und seiner Organisation Teilnahme auf das entschiedenste warnend abgelehnt. Die Kontroverse zwischen ihm und Stephen Wise füllt die Spalten der jüdischen Presse Amerikas. Von maßgebender französischer Seite wird ebenso gewarnt. Es wird dabei auch darauf hingewiesen, daß von Seiten des Komitees der jüdischen Delegation kein Hehl daraus gemacht worden sei, daß für die Juden die Rechte der nationalen Minderheiten gefordert werden sollen. Selbst wenn dieses auch auf die Juden im Osten beschränkt wird, so bieten die Einberufer der Konferenz keine Garantie dafür, daß diese Beschränkung gewahrt bleibt. Es ist vielmehr die Befürchtung gerechtfertigt, daß der Kongreß sich zum Interpreten des Gedankens macht, daß die Juden die Rechte nationaler Minderheiten allgemein in Anspruch nehmen. Wir wissen auch, daß unsere Bedenken von maßgebenden englischen Juden geteilt werden. Gegen diese Ablehnungen klingen alle Gegenargumente von nationaljüdisch-zionistischer Seite, auch wenn sie von so prominenter Seite wie Professor D u b n o w stammen, gekünstelt, kaum mehr als Aufguß der bekannten Argumentationen, die das Judentum zur Nation umzudeuten sich bemühen. Auch wir haben allen Anlaß, vorsichtig zu sein und allen nationaljüdischen Minderheitsgelüsten von Beginn an zu begegnen. Was an jüdischem Minderheitenschutz notwendig erscheint, findet seine Grundlage in der Völkerbundsatzung. Hier kann weitergearbeitet werden; was darüber hinaus eine eigene jüdische Vertretung herbeiführen soll, ist vom Uebel. Wir haben mit diesem Kongreß nichts zu tun. Er ist keine Vertretung der Judenheit der Welt.